Frauen in den Aufsichtsrat!?

Mit oder ohne Quote?

Der Tenor unter vielen österreichischen Entscheidungsträgern und -trägerinnen ist klar gegen die Quote.

…Warum sollte man den Unternehmen vorschreiben wer in den Aufsichtsräten zu sitzen hat? Das wird sich schon von selbst ergeben… Es bekommt doch der- oder diejenige den Platz, der der Beste für den Posten ist. Außerdem – mehr Frauen im Aufsichtsrat verbessern das Unternehmensergebnis doch nicht allein auf Grund ihres Geschlechtes… Oder?

 

Fakt ist: Im Moment befinden sich in den österreichischen Aufsichts- und Verwaltungsräten nur rund 16 % Frauen. Laut den Ergebnissen der EU Kommission befinden wir uns mit einem EU Durchschnitt von 20% im unteren EU Feld. Im Frauen.Management.Report.2015 der AK Wien wird klar gezeigt, dass Frauen an der Unternehmensspitze konstant unterrepräsentiert sind. Vorstandspositionen der Top 200 und börsennotierten Unternehmen in Österreich sind fast ausschließlich in Männerhand.

 

Wird sich dieser Schnitt von alleine heben? Wenn, dann nur im „Schnecken-Tempo“. Mikael Gustafsson, Vorsitzender des Frauenrechtsausschusses im EU Parlament sagt dazu: „Heute haben wir eine informelle Männerquote. Männer ernennen Männer, die dann wieder Männer als Nachfolger suchen.“ So wird es kaum von selbst zu einem Ausgleich kommen.

 

2013 stimmte das Europäische Parlament mehrheitlich für eine verpflichtende Quote von 40% in den Führungsebenen der großen Unternehmen. In Österreich ist der Frauenanteil in den Aufsichtsratsgremien durch öffentliche Diskussionen und Druck in den letzten Jahren  leicht gestiegen: von 2006 bis 2015 von 8 auf 16 Prozent. Große Schritte hat es aber in Europa nur in den Ländern gegeben, die eine gesetzliche Quote festgelegt und ein Nicht-Einhalten sanktioniert haben. Frankreich, Lettland, Norwegen und Island, haben es nur auf Grund dessen auf die ersten Plätze beim Frauenanteil in Aufsichts- und Verwaltungsräten geschafft. Warum aber das Ganze??

Macht eine Frauenquote den Aufsichtsrat tatsächlich besser?

Die Antwort ist: „JA!“

Erfahrungswerte zeigen, dass gemischte Teams zu besseren Ergebnissen und Entscheidungen kommen. Der Unternehmenserfolg wird gesteigert und das wirtschaftliche Risiko wird verkleinert. Das Prinzip, welches dahinter steckt, nennt sich kollektive Intelligenz. Kollektive Intelligenz beschreibt das Phänomen, dass eine gemeinschaftliche Entscheidung und das Wissen vieler zu einem besseren Ergebnis führen, als das Wissen von einzelnen. Es funktioniert aber nur dann, wenn die zusammengestellte Gruppe möglichst heterogen ist. Je verschiedener die Zusammenstellung, desto mehr Blickwinkel und Lösungsansätze und desto besser das Ergebnis.

 

In Österreich ändert sich das Bewusstsein dahingehend schon langsam und es eröffnen sich große Chancen für Frauen, so Lydia Ninz, Sprecherin des Aufsichtsrat-Forums Inara. Ein großes Problem dabei ist, dass nach dem Motto „Wen kenne ich“ besetzt wird. Anstatt systematisch oder mit der Hilfe von Headhuntern nach den passenden Frauen zu suchen, wird den wenigen prominenten Aufsichtsrats-Frauen immer weitere Posten angeboten. Ebenfalls problematisch ist die unterschiedliche Einstellung zu Aufsichtsratsposten von Männer und Frauen. In einem Kurierinterview sagt Ex-AUA Vorstand und Chef des Headhunters Neumann & Partner, Peter Malanik, dass aus seiner Erfahrung Männer Aufsichtsratsposten sehr schnell, aus Prestigegründen annehmen. Frauen hingegen viel zaghafter sind und vor einer Zusage ihre Qualifikationen und Rolle ganz genau hinterfragen.

Mag.a Sarah Themessl

 

Was sagen Sie dazu?

  • Sollen mehr Frauen in die österreichischen Aufsichtsratsgremien?
  • Sollte man dabei auf eine langsame selbstständige Entwicklung warten oder einen Umbruch erzwingen?
  • Und wie viel Glücksspiel steckt überhaupt dahinter als Frau einen Aufsichtsratsposten angeboten zu bekommen?

 


Die nächste BFC Veranstaltung dazu

„GLÜCKSSPIEL AUFSICHTSRAT“

9. November 2015, 18.00 Uhr
Alle Infos und die Anmeldemöglichkeit dazu finden Sie hier.


Die Referentinnen:

Frauen in den Aufsichtsrat!?  Mit oder ohne Quote?

Prof. Dr.in Susanne Kalss
Universitätsprofessorin am Institut für
Zivil- und Unternehmensrecht

Frauen in den Aufsichtsrat!?  Mit oder ohne Quote?

Mag.a Bettina Glatz-Kremsner
Vorstandsdirektorin Casinos Austria AG und
Österreichischen Lotterien GmbH