ACCEPT IT, CHANGE IT OR LEAVE IT.

Das ganze Leben besteht aus Veränderungen. Und ich gehöre wirklich nicht zu den Leuten, die sich davor scheuen. Ganz im Gegenteil. „Neues erleben“ gehört zu meinen Big Five for Life [1]. Ich liebe Veränderungen. Damals von zuhause ausziehen. Auslandssemester. Erster Job. Neue Wohnung. Hausbau. Neue Haarfarbe. Job im Ausland. Urlaub dort, wo ich noch nie war. Ganz egal. Für mich jedes Mal ein spannender, freudiger Moment.

Aber trotzdem. Wenn sich etwas ändert OHNE konkrete, bewusste eigene Entscheidung, dann macht das zunächst oft gar keinen Spaß. Und selbst bewusst herbeigeführte Veränderungen können einen unglaublich verunsichern. Jeder neue Job hat mir erst einmal Angst gemacht. Jedes Mal dachte ich „die täuschen sich in mir, so gut bin ich gar nicht“. Jedes Mal habe ich mich viel zu klein und schwach für die Anforderung gefühlt. Und jedes Mal gings dann doch gut. Hineingekniet, das Beste gegeben, mich auf meine Stärken konzentriert – siehe da, es hat gepasst!

Heute hilft mir in solchen Situationen das Wissen, „dass es immer irgendwie gut gegangen ist. Trau dich, du wirst sehen, du kannst das. Augen zu und durch.“ Aber dieses Vertrauen musste ich mir erst einmal mühsam aufbauen.[2]

Es lässt sich nicht immer alles perfekt steuern. Und das finde ich gut so. Erstens wäre es ja direkt fad, wenn immer alles nach Plan liefe. Zweitens würden manche Dinge dann nie passieren. Als ich gerade im Begriff war, ein Top Jobangebot anzunehmen, kündigte sich mein erster Sohn an. Als damals absolute Karrierefrau kam diese Schwangerschaft nicht gerade zum idealen Zeitpunkt. Aber gibt es den? Ich war immer ein Kopfmensch – die Entscheidung FÜR dieses Kind kam trotzdem aus dem Bauch und ohne Zögern. Und das war gut so. Richtig gut.

Mutter zu werden ist wohl eine der größten Veränderungen im Leben einer Frau. Selten war ich so fremdgesteuert wie in der ersten Zeit daheim als Mama. Trotzdem blieb es MEINE Entscheidung, wie ich damit umgehe. „Kind trotz Karriere“ stand auf dem ersten Body meines Sohns, selbst gemacht von seiner Tante.

Eine Familie zu gründen heißt Verantwortung teilen. Und zwar wirklich. Mein Mann war bei beiden Kindern in Karenz, ich habe beide Male voll gearbeitet. Auch das ist eine Veränderung. Zu bekannten Mustern und Glaubenssätzen. Loslassen muss man können. Ich kenne viele Frauen die ihren Männern das nicht zutrauen, das finde ich wirklich schade. Glaubt mir, die Papis können das! Mein Mann ist in der Zeit daheim nicht die bessere Mama geworden, aber der beste Papa der Welt. Er hat vieles anders gemacht als ich, aber deshalb nicht schlechter. Manches bestimmt sogar besser. Und ich durfte dadurch ich selbst bleiben. Und weiter werden.

Kind trotz Karriere … früher habe ich gedacht, dass ich dafür eine taffe Karrierefrau bleiben muss … Ich weiß nicht wie oft ich, wieder einmal zu spät, vor dem Kindergarten im Auto saß und irgendjemandem am Telefon erklärt habe, ich müsse jetzt leider dringend ins nächste Meeting … mit schlechtem Gewissen sowohl gegenüber meinem Gesprächspartner als auch gegenüber der Kindergärtnerin und natürlich gegenüber meinen Kindern, denen ich mit 100 beruflichen Gedanken im Kopf gegenübergetreten bin.

Dabei hätte das gar nicht sein müssen. Meine Jobs haben mir immer viel Freiheit gelassen, aber diese Freiheit habe ich ausschließlich zur Familienorganisation genutzt. Und alle paar Jahre einen Jobwechsel zur dringend benötigten Erholung. Nur um dann wieder in leitender Position viel zu viel zu arbeiten. Ich wusste die ganze Zeit, dass nur ICH das ändern kann. Aber es auch zu tun, ist eine andere Sache. Als Personalleiterin habe ich so viele Mitarbeiter erlebt, die mit dem einen oder anderen Aspekt ihres Jobs unglaublich unzufrieden waren. Manchen konnte ich helfen, manche haben sich selbst geholfen, aber die meisten – so meine Empfindung – wollten gar keine Hilfe. Die wollten einfach nur jammern. Aber nichts ändern. Bloß keine Veränderung herbeiführen.

Auch das musste ich erst einmal lernen: Es gibt wirklich Leute, die Veränderungen GAR NICHT mögen. Oder zumindest hoffen, dass die Veränderung von selbst kommt. Dann müssen sie nämlich keine Entscheidung treffen. Und können nachher wieder jammern, wenn‘s nicht passt.

So bin ich nicht. Und so wollte ich nie sein. ACCEPT IT, CHANGE IT OR LEAVE IT.  Im Akzeptieren bin ich nicht so gut. Im Ändern besser.

Trotzdem (oder gerade deshalb?) lief es über kurz oder lang jedes Mal auf dasselbe heraus: Ich arbeitete zu viel. Und ich wurde unzufrieden. Als Personalleiterin hielt ich zwar viele, aber bei weitem nicht alle Fäden selbst in der Hand. Ich bin immer wieder an meine Grenzen gestoßen, war ausgebrannt und musste etwas am Gesamtsystem ändern. Und zwar mich.

Schon Albert Einstein soll gesagt haben: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten.“ Also musste ich etwas ANDERES tun. Nicht wieder nur den Job wechseln.

In dem Moment, als ich das letzte Mal als Angestellte ein Unternehmen verlassen habe war mir klar, dass ich mich selbstständig machen musste. MUSSTE. No choice. Im Hinterkopf war dieser Gedanke ja schon lange. Aber Bequemlichkeit und Angst haben mich stets davon abgehalten. Und es hat sich ja auch jedes Mal ein neuer toller Job aufgetan, den ich annehmen konnte. Wie bequem. Aber diesmal wollte ich das nicht mehr. Keinesfalls.

Zuerst habe ich niemandem davon erzählt. Es hätte ja schief gehen können. Es hätte ja blöde Kommentare, unerwünschte Rückfragen, gut gemeint Vorbehalte geben können. Die wollte ich nicht hören. Mit absolutem Rückhalt meines Mannes habe ich‘s einfach gemacht. Und mein weiteres Umfeld erst informiert, als alles erledigt war und ich meinen ersten Auftrag hatte.

Seither hat sich einiges verändert. Ich mich. Meine Familie sich. Mein Arbeitsumfeld, meine Kunden, meine Arbeitszeiten, ein Virus der für uns ALLE Veränderungen gebracht hat.

Ich arbeite gar nicht weniger als früher. Aber ich arbeite anders. Zu anderen Zeiten, in anderen Rhythmen, mit anderen Hochs und Tief. Mit weniger Frust. Mit viel mehr Leidenschaft. Auch mit mehr Zufriedenheit meiner Familie, denke ich. „Kind trotz Karriere.“ Nur anders definiert.

Einen Großteil meiner Arbeitszeit verbringe ich natürlich mit Aufträgen meiner Kunden. Dass ich dabei die Bereiche Personalmanagement und Projektmanagement so fließend verbinden kann, empfinde ich als besonderen Spaß. Aber es bleibt auch Zeit für Herzensprojekte wie diverse Workshops oder die Unterstützung von Kolleg(inn)en, die mit den vor ihnen auftauchenden Veränderungen nicht ganz so leicht klarkommen und ein bisschen „Starthilfe“ benötigen.

Nicht alle Veränderungen sind mir willkommen, ganz und gar nicht, aber es bleibt meine Entscheidung, wie ich damit umgehe. Ich kann darin die Probleme suchen (und dann selbstverständlich auch finden). Oder ich suche eine Lösung – letzteres liegt mir mehr. Manchmal muss mich trotzdem jemand daran erinnern – Freunde, Partner, Kinder – und das ist gut so.

In meinem Leben gibt es ständig Veränderungen. Mich selbstständig zu machen war eine große. Aber im Nachhinein betrachtet auch nicht dramatischer als viele andere.

 

Gudrun Ogris

office@good-solutions.at

www.good-solutions.at

 

[1] Die „Big Five for Life“ von John Strelecky bzw. seine schöne Geschichte der „Safari des Lebens“ sind Must-Reads für mich.

[2] Das ist das Wunderbare am Älterwerden! 😊

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