Schnitzstatue der Heiligen Elisabeth von Thüringen im Kärnten Museum
Die beinahe lebensgroße Elisabethstatue (Maße: 159 cm Höhe, 65 cm Breite und 36 cm Tiefe) mit originalen Fassungsteilen stammt aus der ehemaligen Bürgerspitalskirche in St. Veit an der Glan. Die auf der Rückseite tief ausgehöhlte Holzfigur war vermutlich Teil eines Flügelaltarschreins, der leider nicht erhalten geblieben ist, oder war direkt an der Wand des Presbyteriums der Spitalskirche befestigt. Aus eben dieser ehemaligen Bürgerspitalskirche gelangte die Elisabethstatue um 1870 in den Sammlungsbestand des Geschichtsvereins für Kärnten nach Klagenfurt.
Sie zeigt die jugendlich wirkende Heilige im Kontrapost stehend in elegant geschwungener Haltung. Ihr bodenlanges Untergewand ist über der Taille anliegend und eng gegürtet, das schwere Manteltuch bildet vor der Köpermitte breite Schüsselfalten. Das eher dünne Schleiertuch ist besonders dynamisch-expressiv und an der Oberfläche sehr bewegt ausgeformt. Das sogenannte Gebinde als Kopfputz, das die Stirn- und Halspartie umfasst, sodass man die Haare der jungen Frau – wie vorgeschrieben – nicht sehen kann, zeigt ihren Witwenstand. Als persönliche Attribute trägt die mildtätige Königstochter in ihrer rechten Hand einen Wasserkrug in Form einer Zinnkanne und in der Linken einen Laib Brot. Beides sind Zeichen ihrer Fürsorge und Wohltätigkeit. Auch der am Statuensockel rechts unten kniende Bettler und die alte Frau auf der linken Seite sind Sinnbilder für Elisabeths selbstlosen Einsatz für die Kranken, Notleidenden und Gebrechlichen.
Die vollständig farbig gefasste Figur wurde offensichtlich von einem unbekannten Künstler im Umfeld der Jüngeren St. Veiter Schnitzwerkstätte um 1515 geschaffen – auch wenn der Bildschnitzer am St. Veiter Johannesaltar oder am Einhornrelief aus Maria Saal (beide Werke befinden sich ebenfalls im Sammlungsbestand des Landesmuseums für Kärnten) tatsächlich schon um eine Generation älter war. Stilgenetisch lassen sich nämlich diese in ihrem Wesenskern verwandten Werke nahtlos aus einer ungemein reichen Produktionsphase der St. Veiter Werkstätte um 1505/1515 herleiten.
Die Statue der Heiligen Elisabeth im Kärnten Museum ist – obwohl sie viele Jahrzehnte lang in Klagenfurt öffentlich ausgestellt und somit für diverse Untersuchungen ständig zugänglich war – von der kunsthistorischen Forschung wahrscheinlich wegen ihrer solitären Erscheinung und ihrer doch sehr seltenen und ungewöhnlichen Ikonografie immer etwas vernachlässigt worden und blieb lange Zeit innerhalb der Kärntner Kunstgeschichte isoliert.
Biografie
Ein Elisabeth von Thüringen wurde cirka 1207 in Ungarn als Tochter Gertruds von Andechs-Meranien und König Andreas II. geboren. Als Kind kam sie an den Hof in Thüringen und heiratet als 14-Jährige Ludwig IV., Sohn des Landgrafen von Thüringen. Ludwig starb bereits 1227 auf einem Kreuzzug. Nach dem plötzlichen Tod ihres Gatten musste die junge Witwe im Konflikt mit ihren Schwägern die Wartburg verlassen und ihre Kinder in fremde Hände geben. Ihrer fürstlichen Einkünfte nicht beraubt, konnte sie eine gemeinnützige Armenstiftung gründen. Der Legende nach opferte sie sich gegen Lebensende als einfache Spitalsschwester in tätiger Nächstenliebe für die Allgemeinheit auf.
Im Geist der Franziskaner, der Ritterorden, der Prämonstratenserinnen und vor allem der gleichzeitigen „Beginen“ gründete sie 1228 das Franziskus-Hospital in Marburg. Allmählich entließ sie ihren Hofstaat und versah zusammen mit nichtadligen Frauen im grauen Gewand der Beginen Spitaldienst. Daraus entstand eine geistliche Spitalgenossenschaft mit halb klösterlicher Ordnung.
In unermüdlicher Arbeit verstarb Elisabeth 1231 als Witwe im Alter von 24 Jahren in Marburg an der Lahn in Hessen, Deutschland. Über ihrem Grab entstand zwischen 1235 und 1283 die Elisabethkirche, eine der frühesten hochgotischen Bauten Deutschlands. Ihr Erbe übernahm der Deutsche Orden, dessen Schutzpatronin sie wurde.
Bereits zu Pfingsten 1235 erfolgte durch Papst Gregor IX. die Heiligsprechung. Daraufhin kam es vor allem in diversen Frauenklöstern und Krankenanstalten zu einem regen Reliquienkult um ihre Person, und es entstanden zahlreiche Andachtsstätten.
Vermutlich erfolgte schon in dieser Frühzeit oder kurz danach auch in der damaligen Kärntner Landeshauptstadt St. Veit an der Glan, in unmittelbarer Nähe des Klarissenklosters beim Villacher Tor außerhalb der Stadtmauern, die Gründung eines Armen- und Lebrosenhauses mit einer – unter anderem der Heiligen Elisabeth geweihten – Spitalskapelle, wo sich später die Elisabethstatue befand.
Heute erinnern in ganz Europa Kultstätten und Spitalseinrichtungen an das vorbildhafte karitative Wirken der Heiligen Elisabeth. In Kärnten wird diese Tradition heute vor allem durch den Orden der Elisabethinen entsprechend weitergeführt, die in Klagenfurt am Wörthersee neben einem Krankenhaus auch ein Museum und eine historische Apotheke betreuen. Der offizielle Gedenktag der Heiligen Elisabeth im deutschsprachigen Raum ist der 19. November.
Über die Autorin
Mag.a Dr.in Brigitte Ponta-Zitterer (Nicht am obigen Foto abgebildet. Abgebildet: Mag.a Caroline Steiner, kaufmännische Geschäftsführerin, Landesmuseum Kärnten) arbeitet in der Abteilung Kunstgeschichte im Landesmuseum für Kärnten.
