Hast auch du dir an Neujahr etwas vorgenommen? Mit einer ungeliebten Angewohnheit aufzuhören? Mehr Sport? Mehr Zeit für dich oder endlich ein neuer Job? Dann habe ich leider schlechte Neuigkeiten für dich. Einer Studie zufolge (Moniuszko 2024) scheitern 75 % der Neujahrsvorsätze im ersten Monat und nur 10 % werden wirklich umgesetzt. Aber warum ist Veränderung so schwierig?

Nun zur guten Neuigkeit – es liegt nicht an dir. Es liegt an der Art, wie wir Veränderung angehen. Seit mehr als 10 Jahren darf ich Menschen bei ihren persönlichen Veränderungsvorhaben begleiten und dabei auch viel darüber erfahren, warum vorangegangene Versuche gescheitert waren.

Warum Veränderung oft nicht gelingt?

1. Alte Muster und Antreiber wirken im Hintergrund

Alte Muster und Antreiber wirken im Hintergrund Unbewusste, tief verankerte Glaubenssätze („Ich muss perfekt sein“, „Zuerst die anderen“, „Das kann ich nicht“ etc.) sabotieren unser Verhalten, ohne dass wir es merken. Diese Muster und Antreiber ersticken Veränderung im Kern.

2. Fehlende neuronale oder emotionale Auseinandersetzung

Oft werden Bücher, Podcasts oder Events als Inspiration genutzt. Sie sind oft der Ausgangspunkt, aber selten nachhaltig. Nur der Gedanke, ohne emotionale Auseinandersetzung und ohne Wiederholungen, bildet keine neuen neuronalen Muster. Der Wunsch bleibt somit ein bloßer Gedanke.

3. Falsche Tools & zu große Schritte

„Viele starten mit riesigen Erwartungen – statt mit kleinen, stabilen Schritten. Aber eben diese machen den Unterschied und geben Sicherheit. Auch falsche Methoden und fehlende Struktur führen schnell zu Frust.

4. Das Umfeld bremst

Partner*innen, Kolleg*innen, Familie reagieren – und nicht immer positiv. Soziale Spannungen lassen oft Neues gar nicht zu. Manchmal nur unbewusst durch subtile Erwartungen.

5. Unklares Bild von der zukünftigen Veränderung

Ich erlebe oft, dass der Leidensdruck zwar groß ist, den Menschen aber ein kraftvolles Zukunftsbild fehlt. Das Zukunftsbild muss so stark sein, dass es Sogkraft entwickelt. Wenn es zu schwach ist, machen sich viele erst gar nicht auf den Weg.

Was Veränderung wirklich braucht?

In meinen Coachings habe ich gesehen, dass nachhaltige Veränderung entsteht, wenn wir auf mehreren Ebenen gleichzeitig arbeiten. Persönliche Veränderung braucht auch einen klaren Prozess, der den Menschen wieder in Verbindung mit sich selbst bringt. Zudem muss die Veränderung im Außen strukturiert und geplant sein. Aus meiner Erfahrung braucht erfolgreiche und nachhaltige Veränderung die Arbeit auf fünf Ebenen.

Die 5 Ebenen nachhaltiger Transformation

1. Mentale Ebene (z. B. Glaubenssätze reframen, Ziele klären, Perspektiven öffnen).
2. Emotionale Ebene (z. B. Wertearbeit, innere Bilder, emotionale Visionsarbeit).
3. Körperliche Ebene (z. B. Körperwahrnehmung, Atmung, Regulation).

Die ersten drei Ebenen sind wichtig für deine persönliche Veränderungsentscheidung und das Schaffen der persönlichen Voraussetzungen für die Umsetzung. Hier erlebe ich die meisten Menschen nur auf der ersten Ebene, was der Grund für viele gescheiterte Vorhaben ist. Für die Realisierung braucht es dann zusätzlich noch zwei weitere Ebenen:

4. Soziale Ebene (z. B. Unterstützung, Kommunikation, Austausch).
5. Praktische Ebene (Routinen, Mini-Schritte, Zeitfenster, Feedback).

Dabei kann man auf den unterschiedlichen Ebenen mit unterschiedlichen Tools arbeiten. So könnte man beispielsweise bei einem geplanten Jobwechsel die mentale Ebene mit einfachen +/- Listen, die emotionale Ebene mit einem Vision Board und die körperliche Ebene mit einer Aufstellung gut reflektieren. Auf der sozialen Ebene können konkrete Widerstände bearbeitet und auf der praktischen Ebene ein Schritt-für-Schritt-Umsetzungsplan erstellt werden.

Wie gelingt nun deine Veränderung?

Reflektiere zuerst dein Mindset und mögliche Muster, die dir im Weg stehen könnten. Wie gehst du generell mit Veränderungen um und was könnte dir dabei im Weg stehen? Wichtig ist dabei eine tiefere Auseinandersetzung mit deinen eigenen Glaubenssätzen und eine positive Ausrichtung in Richtung Veränderung.

Blicke nun neben der Kopfebene auch mit deiner emotionalen und körperlichen Wahrnehmung auf dein Vorhaben und nutze Tools auf diesen Ebenen, um dein Vorhaben zu stärken, z. B. Bildkarten, um deine Wünsche zu konkretisieren und die Emotionen zu stärken. Achte bereits in der Entscheidungsphase auf mögliche Widerstände und darauf, wie du dein relevantes soziales Umfeld abholst, z. B. Was muss organisiert werden oder wer muss eingebunden werden?

In der Umsetzung orientiere dich am KAIZEN-Prinzip und plane kleine, achtsame und realistische Schritte. Das nimmt dir Angst und hilft dir, den ersten Schritt zu gehen. Konzentriere dich auf den Weg, nicht nur das Ergebnis, und lasse Fehler zu. Und noch ein kleiner Tipp: Such dir eine Vertrauensperson, die dich bei größeren Vorhaben begleitet. Damit hast du neben einer zusätzlichen Sichtweise auch die Motivation, dranzubleiben – damit dein Vorhaben nicht auf dem Friedhof endet.

Über die Autorin

Dr.in MMag.a Simone Kainz ist erfolgreiche Unternehmensberaterin, Coachin, Hochschullektorin und Speakerin. Seit vielen Jahren begleitet sie mit großer Leidenschaft Menschen, Teams und Organisationen in Entwicklungs- und Veränderungsprozessen. Ihr persönliches Herzensprojekt ist ReConnected, ein Transformationsprogramm für Frauen in der Lebensmitte, die ihre zweite Lebenshälfte bewusst und in Verbindung mit sich selbst gestalten möchten. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Klagenfurt.

Dr.in MMag.a Simone Kainz, Entwicklungsbegleiterin für Menschen, Teams und Organisationen 

www.trigon.at/berater/simone-kainz