Seit Juli letzten Jahres läuft das NEW GENERATION Carinthia Mentoring. Nach Marjeta Schwarz haben wir beim Tandem Ernst Schöffmann als Mentee und Michael Kosutnik als Mentor nachgefragt, wie es bei ihnen läuft. Ernst ist Spezialist für Autoteile und Accessoires bei Mazda, Michael Kosutnik wiederum bringt umfangreiche Expertise aus dem HR Bereich mit und hat eine Professur für Personal und Organisation an der FH Kärnten inne. Was auf den ersten Blick zwei sehr unterschiedliche Charaktere vermuten lässt, hat sich als perfektes Matching erwiesen. Im Interview erzählen die beiden, warum sie sich für das NEW GENERATION Carinthia Mentoring entschieden haben, und was ihre Mentoring Beziehung so besonders macht:


Was waren eure Beweggründe, am NEW GENERATION Carinthia Mentoring teilzunehmen?

Michael:

Ich hatte zu Beginn meiner Karriere das Glück, immer wieder auf erfahrene Vorgesetzte zu stoßen, die mir im Sinne eines Mentorings zur Seite gestanden sind und mir wichtige Inputs gegeben haben. Wesentlich dabei ist aber, dass man die Unterstützung sucht und sie auch annimmt. Ich habe für mich bemerkt, dass mir der Austausch mir erfahrenen Persönlichkeiten sehr viel gebracht hat, es waren durchwegs Erfahrungen, die mich in meiner Entwicklung vorangebracht haben.

Ich finde es daher toll, dass ich jetzt umgekehrt, in diesem professionellen Mentoringumfeld des BFC mein Wissen und meine Erfahrung weitergeben kann. Und darüber hinaus ist es auch für mich lehrreich und interessant zu erfahren, wie junge High Potentials so denken und wie sie die Themen sehen.


Ernst:

Auch ich hatte in meinem beruflichen Werdegang das Glück einen Vorgesetzten zu haben, welcher mich in vielen Lebenslagen, beruflich als auch privat, mit seiner Erfahrung unterstützte. Nach wie vor freue ich mich auf diesen regelmäßigen Austausch. Von dieser positiven Erfahrung ausgehend, war es für mich klar mich auch einmal einem geführten Mentoring teilzunehmen.

Was waren bisher besondere Erfahrungen für euch?

Michael:

Mit Ernst habe ich einen ganz tollen Mentoringpartner bekommen, mit dem ich mich intensiv zu allen Themen austauschen kann. Unsere Termine sind immer wieder geprägt von intensivem Austausch mit hohem Tiefgang, wobei der Faktor Spaß und Humor auch nicht zu kurz kommen. Ich denke, wir beide sind Menschen, die die Persönlichkeitsentwicklung ganzheitlich sehen, insofern driften wir auch immer wieder zu sehr persönlichen und privaten Themen ab, die aber alle auch Einfluss auf die beruflichen Herausforderungen haben und umgekehrt. Unsere Termine sind kurzweilig, spannend, herausfordernd, spaßig und mitunter auch emotional. Wir stecken beide sehr viel Energie und Herzblut in die Gespräche und genau diese Intensität macht unsere Zusammenarbeit so besonders. Da unser Austausch sehr in die Tiefe geht, kann auch ich immer wieder etwas von unseren Gesprächen mitnehmen. Und bei der Reife von Ernst denke ich manchmal, was soll ich ihm eigentlich raten, er weiß doch schon so viel. Oft lehne ich mich zurück und höre zu und die Dinge und Lösungen ergeben sich fast wie automatisch. Für mich sind die Termine immer wieder freudvoll und zum Glück konnten wir uns auch fast immer persönlich treffen. Unser kleiner Tisch in der Hafenstadt ist mir schon richtig heimelig geworden.

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Michael Kosutnik und Ernst Schöffmann bei ihrem Mentoring Stammplatz in der Hafenstadt.

Ernst:

Mein Wunsch war es eine Mentorin bzw. einen Mentor aus einer anderen Branche an meine Seite zu bekommen. Daniela hat bei diesem Matching, sowie auch bei vielen anderen, tolle Arbeit geleistet und mir mit Michael den perfekt passenden Mentor zugewiesen. Vom ersten Termin an war mir klar, dass die Gespräche auf Augenhöhe sind und dadurch eine gewisse Lockerheit haben. Diese tolle Basis ist der Grund, dass wir in verschiedenste Themenbereiche abschweifen, welche für mich auch manchmal fremd waren. Jedes Gespräch passt zu den aktuellen Themen und gibt mir viel Kraft für anstehende Aufgaben und auch Hürden!

Als ich zum ersten Mal vom NEW GENERATION Carinthia Mentoring des Business Frauen Centers gehört habe, wusste ich nicht recht, ob es zu mir passen würde. Als Kulturwissenschaftlerin konnte ich mich mit dem Begriff Businessfrau nicht identifizieren. Auch als Aufsteigerin oder Durchstarterin wollte ich mich nicht bezeichnen. Was ich wollte, war ein spannender Job mit einer Balance aus Herausforderung und Stetigkeit in einem interessanten Wirkungsfeld!

Damals befand ich mich am Ende meiner zweiten Elternkarenz, zu Anfang welcher ich mit meiner Familie aus Wien nach Kärnten gezogen bin. Anders als nach meinem ersten Kind, als ich mit Recht auf Teilzeit in den alten Job zurückkehrte, galt es in Kärnten, Fuß zu fassen ohne völlig von vorn anfangen zu müssen! Das Gefühl, bei dieser Aufgabe Unterstützung zu brauchen, führte mich schließlich ins NEW GENERATION Carinthia Mentoring.

Das Wagnis eingehen

Meine letzten Zweifel wurden beim Kennenlerntreffen mit den anderen Mentees aus dem Weg geräumt. In dieser bunten Truppe fühlte ich mich sofort wohl, weil wir ehrlich und authentisch über unsere persönlichen Situationen kommunizierten. Einige hatten ähnliche Erfahrungen gemacht, viele kamen aus ganz anderen Bereichen und hatten gewiss auch ganz andere Ansprüche an einen Job. Die gemeinsamen Gespräche – auch in den folgenden Begleitseminaren – entwickelten sich für mich zu einer wertvollen Quelle der Inspiration.

Trotzdem wurde ich beim Matching-Event, wo jede/r Mentee ihre/n/seine/n Mentor/in kennenlernt, noch einmal nervös – schließlich weiß man ja nicht, mit wem man es zu tun bekommt! Und was, wenn ich an einen eiskalten Zahlenmenschen gelangen würde? Doch auch hier hatte ich großes Glück, mit Oliver Heinrich eine hochprofessionelle und sehr einfühlsame Person zugeteilt zu bekommen.

Dorthin, wo das Herz ist

Dennoch fiel es mir anfangs schwer. Anders als einige meiner Kolleginnen und Kollegen wusste ich nicht konkret, was ich mir von diesem Mentoringprogramm erwartete. Ich hatte nicht geplant, meine eigene Firma für die Digitalisierung fit zu machen oder den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen. Mein next step bestand darin, nach zwei Jahren Babypause und einer Rückkehr nach Kärnten in einen spannenden Job zu finden. Und das ist gar nicht so einfach, wenn man nicht recht weiß, was man spannend findet und gleichzeitig das Gefühl hat, eine Entscheidung mit enormer Tragweite treffen zu müssen!

Nach einem ersten behutsamen Herantasten fühlte ich mich durch dieses Fragental von meinem Mentor feinfühlig und erfahren begleitet. Als polyglotter Finanzexperte und Vater von zwei Kindern coachte er mich geduldig zur Erkenntnis, dass Kultur, Sprachen und Bildung jene Themen sind, für die ich brenne und dass es im Leben immer gescheit ist, dahin zu gehen, wo das Herz ist! Als ich das verinnerlicht hatte und den nötigen Mut gefasst hatte, ging der Knopf auf und ich fand den Weg in meine Nische.

Expertin sein

Der erste Meilenstein des Mentorings war also erreicht. Seither drehen sich unsere Gespräche darum, wie ich Themen vorantreiben oder noch zielorientierter Projekte planen und umsetzen kann, worauf ich mich fokussieren soll und wie ich den Blick am besten in die Zukunft richte und die richtigen Schritte setzte. Diese Strategiegespräche sind vielleicht gerade deshalb so wertvoll, weil wir aus völlig unterschiedlichen Bereichen kommen, aber sicherlich auch deshalb, weil mein Mentor über einen enormen Erfahrungsschatz und ausgeprägte Social Skills verfügt.

Die beiden wichtigsten Dinge, die ich bisher gelernt habe, sind erstens, dass jede/r eine Expertin/ein Experte für etwas ist. Das entspricht völlig meiner diversitätsorientierten Sicht auf Menschen und Lebensweisen und doch hatte ich es in Bezug auf mich selbst überhaupt nicht auf dem Schirm. Zweitens habe ich verstanden, dass man den Mut haben soll, Verantwortung zu übernehmen. Denn mit Verantwortung kommt auch die Möglichkeit zu gestalten, und das ist, was einen Job wirklich spannend macht!

Wenn dann alles auch noch Sinn ergibt

Mit diesen Erkenntnissen im Rucksack kann ich mich heute sehr glücklich schätzen, meinen Expertinnenplatz gefunden zu haben. Als Kärntner Slowenin habe ich seit jeher mit mehreren Sprachen und in verschiedenen Welten gelebt. Im Grunde waren Sprachen und Kulturen auch in den Jahren in Wien und im Ausland das, was mich am meisten interessierte. Allerdings war es damals das große Globale und Internationale, was mich anzog. Heute bringe ich meine fachliche Kompetenz dagegen in einen Bereich ein, der sich der kleinen, feinen Interkulturalität und kulturellen Zusammenarbeit in einer europäischen Makroregion widmet und das fühlt sich gerade sehr belohnend an. Wir Menschen möchten, dass unser Leben einen Sinn ergibt, dass Schritte, die wir jetzt setzen, auch später in unseren Erzählungen Bedeutung haben. Mit der Möglichkeit, mich und mein Wirkungsfeld weiterentwickeln zu können, entstand für mich diese notwendige Sinnhaftigkeit. Und dazu brauchte es das NEW GENERATION Carinthia Mentoring des Business Frauen Center – um meinen Stärken und Werten ins Auge zu blicken und mich dann auf den Weg zu begeben.

Über die Autorin

Marjeta Schwarz
Marjeta Schwarz

Marjeta Schwarz ist Programmentwicklerin im Hermagoras Verlag/Mohorjeva založba in Klagenfurt/Celovec. Zuvor arbeitete sie in der Produktentwicklung und im Marketing bei MANZ Verlag Schulbuch in Wien und als Lehrbeauftragte an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Als in mehreren Sprachen Lebende (Slowenisch und Deutsch als Erstsprachen; Italienisch, Kroatisch, Englisch, Französisch und Persisch als weitere Sprachen) sind ihre Herzensthemen Mehrsprachigkeit, Inter- und Transkulturalität, internationale Zusammenarbeit und Alpen-Adria.

Ihr Statement:

Bodi kul, beri ful!

Ohne Zweifel: An persönlichen Erfahrungen wachsen wir am meisten. Doch auch die Geschichten anderer bewegen uns und verändern, wie wir die Welt sehen. Daher teile ich das oben genannte Motto der öffentlichen Bücherei in Ravne na Koroškem: Sei cool und lies viel!

Die finnische Honorarkonsulin in Kärnten Daniela Stein lud am 4.5.2022 zur offiziellen Eröffnungsfeier des finnischen Honorakonsulats im Business Frauen Center. Der Einladung folgten zahlreiche hochkarätige Gäste. Neben der finnischen Botschafterin Pirkko Hämäläinen und Landeshauptmann Peter Kaiser gratulierten auch die Landtagsabgeordnete Ruth Feistritzer, die Klagenfurter Stadträtin Sandra Wassermann, sowie zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus der Diplomatie und der finnischen Community.

Daniela Stein übernahm diese würdevolle Aufgabe von Josef Weinländer, der dieses Amt über 20 Jahre lang innehatte. Ihr Augenmerk nun gilt dem Ausbau des finnischen Netzwerks in Kärnten, bereits im Herbst führt sie ihre erste Reise in dieser Funktion nach Helsinki. Mit Finnland verbindet Daniela Stein vor allem auch die Schwerpunkte ihrer alltäglichen Arbeit als Gründerin des Business Frauen Centers. Finnland ist Vorreiter in den Themen Gleichberechtigung, Bildung und Nachhaltigkeit: „Da können wir sicherlich noch viel von Finnland lernen“, so die Honorarkonsulin.

Botschafterin Hämäläinen bezeichnete Daniela Stein als Powerfrau, die das Amt bestimmt bestens führen werde. „Finnland wird von Ihnen in Kärnten bestimmt profitieren.“ Auch sie brachte viel Wertschätzung für Daniela Steins Engagement für Weiterbildung, Mentoring, Frauenförderung und Chancengleichheit entgegen. Im Interview erzählt die neue Honorarkonsulin, was ihre Vorhaben für die Zukunft sind.

Heute wurde das Honorarkonsulat feierlich eröffnet. Ein paar Worte dazu?

Ich freue mich auf diese ehrenvolle und neue Funktion der Honorarkonsulin, die ich gerne übernehme.

Es ist wunderbar, dass die Frau Botschafterin Pirkko Hämäläinen und viele Ehrengäste diese offizielle Eröffnung mit mir zelebrieren. Wichtig ist mir auch der Austausch mit den anderen Konsul*innen aus den anderen Bundesländern, um von ihren Erfahrungen zu lernen.

Ich habe mich nun schon viel mit Finnland auseinandergesetzt, doch ich möchte noch viel mehr über dieses interessante Land wissen und seine Menschen kennenlernen.

Gerade die kommenden Tage und Monate werden zukunftsträchtige Entscheidungen wie bspw. den Nato-Beitrittsantrag von Finnland am 12. Mai, aber auch große Herausforderungen für uns alle bringen. Gerade jetzt müssen die Länder der EU zusammenstehen und sich gegenseitig aufeinander verlassen können.


Welche Stichworte fallen Ihnen ein, wenn Sie an Finnland denken?

  • Weiße Nächte,
  • Saunakultur,
  • Gute Kitas und Schulsystem,
  • Land der 1000 Seen,
  • World Happiness Winner,
  • lange Tradition der Geschlechtergerechtigkeit,
  • hohe Innovationskraft und Umweltbewusstsein


Wie möchten Sie die Beziehungen zwischen Finnland und Kärnten fördern?

Ich möchte die wertvolle Arbeit, die mein Vorgänger Dr. Weinländer geleistet hat, weiterführen. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie wichtig Netzwerke sind, speziell wenn man sich außerhalb der Heimat befindet. Daher lade ich schon jetzt alle Finninnen und Finnen in Kärnten dazu ein, gemeinsam mit mir dieses kleine feine Netzwerk auszubauen. Gerne diene ich als Ansprechpartnerin für Probleme von Finn*innen, bei denen ich helfen kann.

Außerdem halte ich inter- und transkulturelle Kompetenzen und Erfahrungen für eine der wichtigsten Zukunftskompetenzen in unserer dynamischen Zeit. Daher werde ich speziell Kontakte zu Bildungseinrichtungen in Finnland aufbauen, um einen konstruktiven Austausch mit Kärnten zu ermöglichen.

Zum Thema Wirtschaft: Ich bin noch in der Recherchearbeit welche Kärntner Unternehmen bereits in Finnland arbeiten, bzw. welche Anreize wir für finnische Unternehmen anbieten müssen, damit sie Kärnten als Betriebsansiedelungsland entdecken. Ich freue mich auch hier auf einen Erfahrungsaustausch mit Unternehmen aus Finnland und Kärnten.


Was kann Finnland von Kärnten lernen, was Kärnten von Finnland?

Gute Frage: Kärnten bietet eine hervorragende Tradition des slow foods mit berühmten Aushängeschildern wie Kärntner Kasnudel oder Reindling, aber auch im nachhaltigen Tourismus – unsere kulinarischen und vielfältigen regionalen Produkte sind einzigartig, genauso wie unsere Gastfreundlichkeit. Aber Kärnten beindruckt immer mehr als Hochtechnologieland, im Besonderen in der Industrie, der IT-Branche und dem produzierenden Sektor. Mehr als die Hälfte der Wertschöpfung und knapp 50 Prozent der Beschäftigten kommen aus dem Produktionssektor.

Umgekehrt haben wir in Österreich und auch speziell in Kärnten noch sehr viele gesellschaftspolitische Entwicklungen notwendig. Dabei sehe ich die Themen, mit denen ich mich auch beruflich beschäftige wie Gleichberechtigung, Bildung und Umweltschutz als wichtige Lernfelder. Da können wir sicher noch vieles von Finnland lernen.


Ihre Botschaft an Finninnen und Finnen in Kärnten?

Es steht Ihnen die Türe im neuen Konsulat immer offen.
Kommen Sie und entwickeln wir gemeinsam Ideen wie wir die Kooperationen innerhalb Kärntens aber auch nach Finnland erweitern können.  

Odotan innolla tapaamistasi

Die ersten Schritte zur Emanzipation

Die Emanzipation von Frauen hat ihren Ursprung im lateinischen Wort emancipatio, was wörtlich übersetzt „aus der Hand nehmen“ bedeutet. Im übertragenen Sinne verstand man darunter „die Entlassung des Sohnes aus der väterlichen Gewalt“. Der Ursprung der mancipatio fand sich darin, dass der Familienvater, der pater familias, seine väterliche Gewalt über seinen Sohn oder über seine Tochter an einen Dritten übertragen konnte. Unter der emancipatio im juristischen Sinn verstand man die „Entlassung aus“ der väterlichen Gewalt in die Selbstständigkeit.

Ziel des emanzipatorischen Bestrebens war die Gleichstellung an Freiheit und Gleichheit im Sinne der Gleichberechtigung bzw. Gleichstellung von Mann und Frau, als auch die Verringerung von seelischer, und ökonomischer Abhängigkeit.

Wenngleich die Emanzipation der Frau, begünstigt durch die Auswirkungen des 2. Weltkrieges rund um 1945, einen massiven Aufschwung erfuhr, hat es noch etlicher Jahre bedurft, um eine Gleichstellung von Mann und Frau in einigen Belangen zu erreichen. Die UNO hat letztlich 1975 zum internationalen Jahr der Frau erklärt. Die Gleichstellung von Männern und Frauen war – wenngleich nur am Papier – geboren.

Das Beibehalten von an Gewalt an Mädchen und Frauen

Leider spiegelt sich dies in unserer Gesellschaftsstruktur oftmals nicht wieder. So steigt die Zahl an Femiziden traurigerweise jährlich an.

Unter dem Begriff „Femizide“ versteht man Verbrechen an Frauen (bzw. am weiblichen Geschlecht), weil sie Frauen sind. Dies widerspricht jedoch ganz klar den Bestrebungen und Grundwerten der Emanzipation, da Männer, darunter überwiegend die eigenen Ehemänner, Lebensgefährten, Freunde oder männlichen Familienangehörigen, aufgrund ihres patriarchalen Denkens glauben, dass sie aufgrund ihres Geschlechtes mehr Rechte und Ansprüche haben als Frauen bzw. an Frauen. Sie sehen Frauen oftmals als ihren Besitz bzw. ihr Eigentum an“ und scheuen nicht vor Gewalttaten zurück, wenn Frauen versuchen, aus der Beziehung zu entkommen.

Die Täterstruktur

Gewalt gegen Frauen wird in allen sozialen Schichten und zwischen allen Familienverhältnissen ausgeübt. So kommt es nicht selten vor, dass sich Väter, Stiefväter oder Großväter an den eigenen Kindern oder Enkeln vergehen bzw. diesen physische und psychische Gewalt antun. Traurige Bestätigung ist weiters, dass sich die Täter oftmals in einem sehr nahen Verhältnis zum späteren Opfer befinden. So sind die Täter, neben Familienmitgliedern, meist (Ex-) Partner.

Die Ausübung von Gewalt

Diese Männer, die Mädchen bzw. Frauen sehr nahestehen, schaffen es, sie in ihre Abhängigkeit zu bringen, sodass diese oftmals Angst vor ihnen haben und sich nicht trauen, aus der gewaltgeprägten, wobei es sich hier um physische und psychische Gewalt handelt, Beziehung zu entfliehen. Traurigerweise ist es für Opfer von Gewalt oftmals „normal“ vom eigenen Partner körperlich misshandelt zu werden.

Die Arten von Gewalt

Die ersten Übergriffe erfolgen oft unbemerkt. So entwickelt sich in Partnerschaften schleichend ein System der Kontrolle, der herabschätzenden und abwertenden Gesprächskultur in Form von verbaler Gewalt, sei es in den eigenen vier Wänden, sei es in weiterer Folge im Freundeskreis. Dies ist zumeist die erste Stufe der Gewalt, nämlich in Form von psychischer Gewalt, denen Frauen ausgesetzt sind.

Die bekannteste Form neben der oben beschriebenen Erniedrigung ist wohl das Stalking. Hier verstehen es Männer, Frauen stets unter Kontrolle zu haben, ihnen zu folgen bzw. sie zu verfolgen, sie körperlich zu attackieren Häufig kommen leichte Stalking-Handlungen vor. Der Täter kontaktiert das Opfer unzählige Male telefonisch oder hält sich in der in der Nähe des Opfers auf, auch wenn ihm dies untersagt wurde. Schon diese leichteren Formen des Stalkings können beim Opfer, je nach dessen Belastbarkeit und Empfindlichkeit, psychische und physische Reaktionen hervorrufen, die sich mit Dauer des Stalkings steigern und zu Krankheiten, Berufsunfähigkeit bis hin zur Erwerbsunfähigkeit führen.

Damit einher geht die physische Gewalt, welche oftmals mit einer „leichten Ohrfeige“ beginnt, und mit massiven Schlägen gegen das Gesicht und den Körper, Messerattacken, etc… bis hin zum Mord endet.

Keine Scheu vor einer Anzeige!

Wichtig ist es, jeden, und damit gemeint wirklich jeden Fall von körperlicher und physischer Gewalt zur Anzeige zu bringen. Dazu stehen diverse Opferschutzeinrichtungen zur Verfügung, welche Opfern von physischer und psychischer Gewalt mit Rat und Tat zur Seite stehen, sie unterstützen und zu polizeilichen und gerichtlichen Einvernahmen begleiten.

Unterstützt werden Opfer von Gewalt auch durch Rechtsanwält*innen, welche sie durch das gerichtliche Verfahren führen und ihre Rechte vor Gericht vertreten.

Es ist wichtig, jede Frau vor Gewalthandlungen zu schützen – das kann nur dann gelingen, wenn alle strafbaren Handlungen von Gewalt zur Anzeige kommen!

Zur Person:

Tanja Mulley
Tanja Gewolf-Mulley

Dr. Tanja Gewolf-Mulley ist seit 2011 als selbständige Rechtsanwältin in Klagenfurt tätig. Ihre Tätigkeitsbereiche umfassen im Wesentlichen das Familienrecht, das Erbrecht, die Abwicklung von Kaufverträgen und Wirtschaftsrecht. Einen Schwerpunkt ihrer Tätigkeit bildet die juristische Prozessbegleitung, sohin die Vertretung von missbrauchten Kindern und Frauen. Diese werden von ihr juristisch beraten, betreut, bei Einvernahmen vor der Polizei und bei Gericht begleitet, wo Dr. Gewolf-Mulley die Interessen der Kinder und Frauen vertritt. Bei der Ausübung dieser Tätigkeit arbeitet sie eng mit den namhaften Opferschutzeinrichtungen des Landes Kärnten zusammen, die den Opfern psychisch unterstützen.

Wie Bewegung hilft, mutig(er) zu sein.

Wer kennt sie nicht, die Angst zu scheitern, sich zu verletzen, ebenso die Angst von anderen belächelt oder negativ bewertet zu werden. Aber auch die Angst etwas zu Verlieren oder Gewalt ausgesetzt zu sein.

Doch was ist Angst genau? Sie ist ein ungerichteter Gefühlszustand, der eine unbestimmte Bedrohung signalisiert. Dieses Gefühl kennt jede von uns, es ist menschlich. Und doch ist sie in den meisten Fällen negativ behaftet. Wir wollen sie nicht spüren – ihr aus dem Weg GEHEN, am besten DAVONLAUFEN. Besonders in unsicheren Zeiten, wo Verluste, Krankheiten und auch Krieg das Tagesgeschehen bestimmen, verstärken sich unsere Ängste. Doch wie damit umgehen? Was tun?

Angst als Kraftquelle

Angst ist eine normale, menschliche Reaktion. Sie ist ein Schutzmechanismus, der uns auf potenzielle Gefahren hinweist. Unsere Intuition vermittelt uns, wir müssen kämpfen oder fliehen. Sie macht uns wachsam und wir sollten diesen Instinkt auf keinen Fall nicht ignorieren. Er schärft unsere Sinne und zwingt uns, Entscheidungen zu treffen.

Um Angst als Kraftquelle zu nützen, erachte ich es für entscheidend zu erkennen, was Angst nicht ist: Sie ist kein/-e

  • Schwäche
  • Zeichen, das wir mit etwas nicht zurechtkommen
  • Einschränkung oder Strafe
  • Grund, uns zurückzuziehen und zu verstecken
  • Zeichen, mit dem aufzuhören, was wir tun
  • Und auch kein Zeichen, dass unser Vorhaben unmöglich ist.

Ich habe gelernt Angst als Geschenk dankbar anzunehmen. Denn jedes Mal, wenn ich sie überwinde, lerne ich dazu und kann am Ende Freude spüren und auf mich stolz sein. Angst kann eine treibende Kraft sein, um meine Werte zu verteidigen, das Leben zu bejahen, Kreativität und geistige Beweglichkeit zu erlangen. Angst kann uns helfen, Verbündete zu suchen, Teams und Partnerschaften zu bilden. Sie zeigt uns, dass wir stark genug sind, um Herausforderungen zu meistern und lässt uns dadurch mutig werden.

Der Angst mutig begegnen

„Spüre die Angst und tu es trotzdem“ ist ein Zitat von Susan Jeffers, Autorin des Buchs „Selbstvertrauen gewinnen“. Sie meint damit, wir können lernen, die Angst anzunehmen. Um nicht gleich ins kalte Wasser zu springen, möchte ich hier einen Weg aufzeigen, um mutig der Angst in die Augen zu blicken und in einem geschützten Umfeld Mut für diesen Schritt tanken können.

Ich weiß aus eigener Erfahrung sowie aus meiner Arbeit als Trainerin, dass körperliche Bewegung Menschen hilft, Angst zu überwinden. Durch Bewegung können wir uns immer wieder im geschützten Rahmen Angst aussetzen. Die erste Teilnahme an einem Sportkurs flößt einigen Menschen Angst ein, denn sie wissen nicht was auf sie zukommt, was passieren wird, wie es ihnen ergehen wird. Es ist da dieser kleine Zweifel im Hinterkopf, ob wir das, was wir uns vorgenommen haben, schaffen. Durch diese Bewegungserfahrung lernen wir, mutig den Dingen entgegenzutreten, sich der Angst zu stellen und mitzumachen. Eines kann ich versprechen: außer einem Muskelkater kann wirklich nichts passieren!

Wie körperliche Bewegung hilft, Angst zu reduzieren:

  • Wir tun etwas, das uns Angst macht, in einer sicheren, kontrollierten Umgebung.
  • Symptome wie Atemlosigkeit und ein schneller Herzschlag werden mit etwas Positivem assoziiert.
  • Wir stärken den Glauben an uns selbst, weil wir etwas geschafft haben.
  • Wir werden augenblicklich mit Glückshormonen belohnt.
  • Wir treten mit anderen Menschen in Kontakt, die ähnliche Ängste haben oder hatten, und erhalten von ihnen Unterstützung.
  • Diese „Mutproben“ können leicht auf andere Lebensbereiche übertragen werden – frei nach dem Motto: „Wenn ich das schaffe, dann meistere ich auch andere Dinge.“
  • Und durch die Bewegung stärken wir unseren gesamten Körper, wir entwickeln ein selbstsicheres Körpergefühl, das uns wiederum in schwierigen Situationen hilft – im wahrstem Sinne des Wortes – STARK zu sein.
  • Bewegliche Menschen können sich schneller an neue Bedingungen anpassen, sie tun sich leichter sich neu auszurichten und durchzustarten.

Körperliche Bewegung hat noch einige weitere, entscheidende Vorteile, Angst in den Griff zu bekommen:

  • Bewegen können wir uns überall – und kostenlos
  • Und das ohne jegliche negative Nebenwirkungen.

Durch die Bewegung können wir uns der Angst auf kontrollierte Weise stellen. Wichtig ist einen Schritt nach dem anderen zu tun und langsam die Anforderungen zu steigern, anstatt uns zu überfordern. Wenn wir erste Erfolge erzielen, dann hilft uns das, den Glauben an uns selbst zu stärken und Selbstvertrauen zu entwickeln.

Und sollten wir einmal Scheitern, dann lernen wir in einem geschützten Umfeld damit umzugehen. Wenn ich etwas nicht gleich beherrsche, dann werde ich nicht ausgelacht, sondern bekomme Unterstützung es nochmals zu versuchen. Das zu erfahren, hilft im Alltag mit vermeintlichen Ängsten umzugehen.

Sich zu bewegen, heißt somit nicht DAVONZULAUFEN, sondern mutig der Freiheit und seinen Träumen entgegenzugehen oder zu laufen. Ich habe erfahren, dass Angst die Chance in sich birgt, zu lernen und zu wachsen. Manchmal suche regelrecht ich die Angst, denn dann weiß ich, dass ich mutig weiterkomme. Probiere es aus!

Edith Zuschmann

Über die Autorin

Edith Zuschmann: Mitbegründerin, Präsidentin und von 261 Fearless Inc – dem globalen Frauen Laufnetzwerk, das aktuell in 12 Ländern auf 5 Kontinenten aktiv ist, unter anderem in Österreich. 261 Fearless bildet weltweit Frauen zu Lauftreff Betreuerinnen aus, um lokal Frauen durch Bewegung und speziell durch Laufen Frauen mutiger zu machen und ihnen eine geschützte Community anzubieten. Seit 2012 gibt es in Österreich den Club 261, der unter anderem in Klagenfurt, Sankt Veit, Sankt Kanzian, Spittal an der Drau und Sankt Andrä wöchentlich hunderte Frauen bewegt.

Zudem arbeite ich als Unternehmensberaterin bei diversen Frauen-Sportprojekten mit, bin staatlich geprüfte Athletik- und Lauftrainerin und unterrichte als Vortragende an der FH Wr. Neustadt / Training und Sport.

Bewegung – vor allem Laufen – ist meine Energiequelle. Durch den Sport konnte ich mich vieler Barrieren und auch Ängste erfolgreich stellen und ich ermutige in und durch meine Projekte Frauen diese Kraftquelle ebenfalls auszuprobieren.

261fearless.org

Club261.com

Der Krieg in der Ukraine geht uns allen nahe. Wer in den letzten Tagen in der Nähe der Caritas Zentrale war, hat die langen Schlangen und den enormen Andrang vor unseren Türen gesehen. Der Krieg ist in Form vieler geflüchteter Menschen auch bei uns angekommen. Die Caritas hilft! Hier und auch vor Ort. Auf beides wollen wir in diesem Beitrag schauen.

Die Not der Frauen und Kinder im Krieg

Die Kriegsführung konzentriert sich auf die Städte und es gibt viele zivile Opfer, darunter auch Frauen und Kinder. Frauen übernehmen im Krieg unterschiedliche Rollen: auch Frauen kämpfen aktiv im Krieg und übernehmen sekundäre Aufgaben zur Versorgung der Soldaten. Somit greifen Frauen aktiv in den Krieg ein und verteidigen ihr Land auf Augenhöhe mit den Männern. Frauen übernehmen oft auch eine wichtige Rolle in der Friedensvermittlung, in dem sie Plattformen bilden und frühzeitig zum Dialog aufrufen und friedensstiftende Handlungen setzen. Frauen bringen ihre Kinder in U-Bahn-Stationen zur Welt. In den nächsten Monaten werden Tausende Kinder im Krieg geboren, teilweise unter vollkommen unzureichender medizinischer Versorgung. Nachdem medizinsiche Güter und insbesondere Bedarfe von Säuglingen und Kleinkindern knapp werden, ist das Leben Neugeborener im Krieg besonders bedroht. Frauen sind eine besonders vulnerable Gruppe, Menschenhändler versuchen alleinstehende Frauen und junge Mädchen auf der Flucht  anzusprechen und für ihre Zwecke zu missbrauchen. Humanitäre Korridore, überwacht und begleitet, können hier Abhilfe schaffen. Im Kriegskontext sind Frauen und Mädchen generell vermehrt sexualisierter Gewalt ausgesetzt.

Hilfe für Betroffene im Mittelpunkt

Mit Blick auf Menschenhandel müssen neuralgische Punkte auf Fluchtrouten gut überwacht werden. Gerade Bahnhöfe, größere Grenzübergänge und Flüchtlingslager sind prädestiniert für Menschenhändler, weil die erschöpften und traumatisierten Menschen hier zu leichter Beute werden können und für jedes (vermeintliche) Hilfsangebot dankbar sind. In Aufnahmeländern angekommen, braucht es für Frauen und Kinder flächendeckende Schutzräume. Private Mitfahrgelegenheiten und Wohnmöglichkeiten sind im Sinne des zivilgesellschaftlichen Engagements zu begrüßen, aber hinsichtlich der möglichen Risiken auch kritisch zu hinterfragen.

Den in der Ukraine verbliebenen Frauen und Kindern muss insbesondere in den umkämpften Regionen weiterhin nach Kräften geholfen werden. Ausgehend von nationalstaatlichen Unterstützungen, über die Hilfeleistungen von größeren NGOs wie beispielsweise der Caritas (übrigens die größte Nothilfe-NGO in der Ukraine), bis hin zu privaten Initiativen – viele Menschen sind jetzt darum bemüht, Hilfsgüter in die Ukraine zu schaffen, eben um die Versorgung mit Lebensmitteln, Bekleidung, Hygieneartikeln und medizinischen Gütern sicher zu stellen.

Jene Menschen, die einmal bei uns angekommen, in Frieden leben können, brauchen natürlich auch vielfältige Unterstützung: zunächst besteht einmal die Notwendigkeit einer Unterkunft, wo man Privatheit und Zurückgezogenheit in Schutz ausleben kann. Zusätzlich muss der Lebensunterhalt gesichert sein. Hier erleben wir in Österreich gerade eine Welle der Hilfsbereitschaft, viele Private Quartiere zur Verfügung stellen und beispielsweise auch Gutscheine für Lebensmittel spenden. Diejenigen, die sich mittelfristig nicht selbst erhalten werden können, wird ein sogenanntes Grundversorgungsquartier des Landes zur Verfügung gestellt. Auch die Caritas betreibt im Auftrag des Landes solche Quartiere.

Wenn Menschen mit dem Wichtigsten versorgt sind, stellt sich die Frage nach der Integration: wo bekommt mein Kind einen Kindergartenplatz und erlernt hoffentlich rasch die deutsche Sprache? Wo bekomme ich einen Sprachkurs für mich selbst? Besteht in Österreich Schulpflicht und bekommen meine Kinder einen Schulplatz? Ich habe (noch) keine Arbeit, wie finanziere ich die Dinge, die meine Kinder in der Schule brauchen werden? Gibt es Möglichkeiten der Nachhilfe, wenn sie Schwierigkeiten haben? Darf ich eigentlich einfach so arbeiten gehen, benötige ich eine Arbeitsbewilligung und ist meine Ausbildung in Österreich überhaupt anerkannt? Aus all diesen Fragen und den vielen, vielen mehr, die wir immer wieder von geflüchteten Menschen vernehmen, ergeben sich schon in Ansätzen die vielen Aufgaben der Integration. Wenn es uns als Gesellschaft gelingt, die Angebote gut zu setzen, dann ist den Betroffenen am besten geholfen. Bei Kriegsvertriebenen ist zusätzlich die psychische Belastung hoch und daher sind gerade hier psychosoziale Beratungsangebote notwendig. Aufgrund der Sprachbarriere braucht es qualifizierte Dolmetscher*innen.

Die Caritas hilft

Die Caritas unterstützt vor Ort in der Ukraine, in den Nachbarländern Polen, Rumänien, Ungarn, Slowakei und Moldawien

Die Aufgaben der Caritas in Kärnten sind vielfältig – bisher erfolgt sind:

  • Schaffung von Wohnraum
  • Basisversorgung mit Lebensmitteln, Bekleidung und Hygieneartikeln
  • Sachspendenverteilung
  • Infohotline für Unterstützer*innen und Hilfesuchende
  • Sozial- und Integrationsberatung

In Planung sind weitere notwendige Integrationsangebote:

  • Lernbetreuung von Kindern und Jugendlichen
  • Psychosoziale Beratungsangebote
  • Wohnunterstützung (Beratung, Vermittlung)
  • Integrationsbegleiter*innen

Um die Caritas in ihren Bemühungen weiterhin zu unterstützen, sind Geldspenden das beste Mittel, weil diese abhängig von den situativen Bedingungen sehr zielführend eingesetzt werden können. Aber auch gezielte Sachspenden – etwa über den wirhelfen.shop der Caritas sind jederzeit willkommen, ebenso Zeitspenden, die über die Plattform „füreinand“ eingemeldet werden können.

Gemeinsam können wir viel bewegen. Bitte helfen Sie uns zu helfen! Jeder Beitrag zählt.

Zur Autorin

Marion Fercher

Mag.a Marion Fercher ist seit 2014 kaufmännische Geschäftsführerin der Caritas Kärnten. Die studierte Betriebswirtin und Absolventin des Höheren Lateinamerika Lehrgangs wollte schon immer für Menschen arbeiten und war davor in vielen Ländern des Südens in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. Seit 2011 ist die gebürtige Kärntnerin wieder zurück in Kärnten und setzt sich hier und im Ausland für Menschen in Not ein.

Die Statistik spricht eine klare Sprache: Jede fünfte Frau – also 20 Prozent der Frauen – ist ab ihrem 15. Lebensjahr körperlicher und/oder sexueller Gewalt ausgesetzt. Jede 3. Frau musste seit ihrem 15. Lebensjahr eine Form von sexueller Belästigung erfahren. Jede 7. Frau ist ab ihrem 15. Lebensjahr von Stalking betroffen und im Jahr 2020 gab es laut polizeilicher Kriminalstatistik 31 weibliche Mordopfer. Darüber hinaus werden 90 Prozent sämtlicher Gewalttaten an Frauen in der Familie und im sozialen Nahraum verübt.[Quelle, Stand Februar 2022: https://www.aoef.at/index.php/zahlen-und-daten]

Diese Zahlen sind für die meisten von uns nichts Neues. Aber, Hand aufs Herz: erschrecken wir angesichts dieser Tatsachen noch?

Männliche Gewalt gegen Frauen steht in den meisten Fällen in direktem Zusammenhang mit dem Bedürfnis, sie zu beherrschen

Von einer vollständigen Gleichstellung der Geschlechter sind wir noch weit entfernt. Dennoch gibt es Fortschritte die sich weg von der noch immer gesellschaftlich breit akzeptierten Herrschaft der Männer über Frauen bewegen. Immer weniger Frauen sind bereit, eine Rolle als Untergebene einzunehmen, aber auch immer mehr Männer wünschen sich in allen Lebensbereichen gleichberechtigte Beziehungen zu Frauen auf Augenhöhe.

Weibliche Selbstbestimmung als Aggressor

Doch wenn Männer psychische oder physische Gewalt anwenden, um Frauen zu kontrollieren, wenn Männer Frauen bedrängen, belästigen oder vergewaltigen, dann agieren sie als despotische Patriarchen, die mit unmittelbarer Gewalt männliche Herrschaft gegen weibliche Selbstbestimmung durchsetzen. So löst bspw. die Sichtbarkeit selbstbewusster Frauen bei vielen Männern hemmungslose Aggressionen aus. In die Diskussion um Meinungsfreiheit und Debattenkultur fließt viel zu selten der Aspekt ein, dass Männer gezielt versuchen, Frauen, die sich öffentlich in den sozialen Medien äußern, durch Beleidigungen und Androhungen zum Schweigen zu bringen. Ohnmacht von Männern, die sich ihrer Macht durch den Feminismus beraubt sehen. Gewalt in all ihren Formen ist ihr Weg, die Herrschaft, die ihnen nach eigenem Verständnis zusteht, zurückzuerobern.

Gewalt als letzten Ausweg oder pure Lust

Nicht alle, die das Patriarchat befürworten, sind gewalttätig gegenüber Frauen, aber das Patriarchat ist immer strukturell gewaltförmig. Einigen ökonomisch impotenten Männern, die ihre Rolle als „Ernährer der Familie“ nicht ausfüllen können, bleibt – sofern sie nicht eine auf Freiwilligkeit basierende Beziehung ohne Herrschaftsanspruch auf Augenhöhe führen können oder wollen – nur die unmittelbare Sicherung ihrer Macht durch Angst und Gewalt. Andersrum betrachtet, bedeutet das aber nicht, dass Gewalt gegen Frauen nur von jenen ausgeübt wird, die keine ökonomische oder soziale Überlegenheit ausspielen können. Und nicht selten werden Frauen einfach aufgrund der Tatsache, dass sie Frauen sind, verachtet.  Hier befriedigen Gewalthandlungen gegenüber Frauen die pure Lust.

Feminismus als Waffe im Kampf gegen Gewalt an Frauen

Ich finde es wichtig den gesellschaftlichen Diskurs zu fördern und darauf aufmerksam zu machen, das feministische Bemühungen heutzutage noch immer notwendig sind. Auch ist es nicht normal, dass jede zweite Frau, mit der ich spreche, selbst Erfahrungen mit sexueller Belästigung oder Sexismus gemacht hat. Also tun wir bitte nicht so, als wären Bemühungen für ein besseres Zusammenleben nicht mehr notwendig. Ein kollektives gesellschaftliches Bewusstsein bringt Frauen hervor, die sich nicht beherrschen lassen – weder mit noch ohne Gewalt. Und vor allem: Es bringt Männer hervor, die es nicht erstrebenswert finden, Frauen zu beherrschen, klein zu halten und ihre Selbstbestimmung einzuschränken. Ein ernst gemeinter Kampf zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen ist feministisch – und sollte gleichermaßen von beiden Geschlechtern geführt werden.

Was kann proaktiv getan werden, damit sich die Statistik nach unten bewegt?

Alles was mit Persönlichkeitsentwicklung zu tun hat, unterstützt. Und es ist wichtig, tief verwurzelte Strukturen, Hierarchien und patriarchalische Vorstellungen aufzubrechen. Für mich ist es für beide Geschlechter wichtig, das Selbstbewusstsein zu stärken und zu fördern. Denn wer sich seiner Selbst bewusst ist, neigt nicht mehr zu Gewalt.

Den meisten Gewalthandlungen gehen Konflikte voraus, die das Alltagsleben betreffen, wie zum Beispiel: Besitzansprüche des Mannes, Eifersucht, Macht und Kontrolle verbunden mit „Bestrafung“ der Frau, Uneinigkeit bezüglich der Hausarbeit und finanzieller Ressourcen, Erziehung und Betreuung der Kinder oder aber auch sexuelle Ansprüche. Meistens sind wir auch in der Lage diese Konflikte gut für uns zu lösen – mit dem Glauben an uns und unsere eigenen Fähigkeiten sowie die Unterstützung unseres Umfelds. UND: Konflikte zu vermeiden bedeutet nicht Harmonie! Im Gegenteil: Konflikte zu vermeiden stört die Harmonie. Konflikte können Wendepunkte für ein besseres Miteinander sein!

Ergebnisse der Hirnforschung haben außerdem gezeigt, dass mit Hilfe bestimmter Bereiche des präfrontalen Cortex Unterdrückungen derjenigen Emotionen stattfinden, die emotionale Ausbrüche regeln. Dass wir diese Ausbrüche nicht so steuern können, wie es uns beliebt, liegt auch daran, dass wir von unseren Emotionen gesteuert werden und nicht umgekehrt. Durch unsere Sozialisation nehmen wir unsere eigene Befindlichkeit nur sehr selektiv wahr bzw. ignorieren diese. Und je später wir wahrnehmen, desto mehr Aufwand haben wir, um dagegen zu steuern. Somit erhöht eine gute Frühwahrnehmung die Chancen gegensteuern zu können, also Selbststeuerung zu wahren.

Weiters können wir unseren eigenen Sprachgebrauch reflektieren und darauf achten, welche Worte wir benutzen. Damit gemeint ist nicht nur die gendergerechte Sprache. Auch im Zusammenhang mit Floskeln, Sprüche und Wortspielen sollten wir die Wirkungsmacht von Worten für eine positive Entwicklung einsetzen. Schärfen wir unsere Sinne für die Thematik, geben wir Denkanstöße für Diskussionen oder regen wir zum Neudenken an. Sensibilisieren wir unser Umfeld und setzen wir uns für Gleichberechtigung und Chancengerechtigkeit, Vielfalt und Kooperation ein. Denn auf Altbewährtem kann nur Altbewährtes wachsen.

Zur Person:

Ilona Tanos ist seit 2016 Projektmanagerin beim Business Frauen Center und Beraterin beim dazugehörigen Frauenberufszentrum Kärnten, und setzt sich damit täglich für Chancengleichheit ein. Neben ihrer umfangreichen Coachingerfahrung bringt sie ein Masterstudium in Mediation und Konfliktmanagement mit und bildet sich mit hoher Lern- und Leistungsbereitschaft ständig weiter.

Wo Maschinen stehen, stehen auch Männer. So möchte es zumindest das Klischee, das sich jahrzehntelang manifestiert und anhand von geringen Frauenquoten in bestimmten Branchen leider noch immer bewahrheitet. Meine Kolleg*innen wissen aber eines: Mit Frauen arbeite ich lieber zusammen als mit Männern – Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Ich persönlich, aber auch die HIRSCH Servo Gruppe stellt sich darum seit jeher die Frage, wie es Männerbranchen gelingen kann, unser Mindset zu ändern und nachhaltig frauenfreundliche Angebote zu schaffen.

Veränderungen in der Arbeitswelt sind spürbar

Man(n) verlässt gegen 17 Uhr das Büro und checkt trotzdem daheim auf der Couch die eine oder andere Mail oder nimmt noch schnell einen Anruf entgegen. Berufliches und Privates verschmelzen in vielen Jobs immer mehr; richtig abschalten wird dadurch schwierig. Auch ich musste das qualvoll erlernen und mich selbst zwingen, am Freitagabend die Arbeit im Büro zu lassen. Denn das Wochenende gehört meiner großen Familie zu Hause.

Meine berufliche Familie ist umso größer und internationaler: Die HIRSCH Servo Gruppe beschäftigt aktuell über 1.800 Mitarbeiter*innen weltweit und jedes einzelne „Familienmitglied“ hat eigene Sorgen, Anliegen und Probleme. Die Rufe nach flexiblen Arbeitszeiten, modernen Arbeitsmethoden und exzellenten Weiterbildungsmöglichkeiten waren schon damals – als noch niemand wagte, an eine Pandemie zu denken – nicht zu überhören. Eine ausgewogene Work-Life-Balance und die damit verbundene Vereinbarkeit von Beruf und Familie war noch nie so wichtig wie heute. Zudem es ein absoluter Wettbewerbsvorteil sein kann im „Kampf um die Besten“.

„Family Office“ als Konzept der Zukunft

Dafür müssen aber Maßnahmen und Rahmenbedingungen geschaffen werden. Rund ein Viertel unserer Mitarbeiter*innen sind Frauen, viele davon haben Kinder und Familie. Das unter einen Hut zu bekommen kann immer wieder zur Herausforderung werden. Vor allem dann, wenn Unvorhersehbares geschieht: Falls es einmal später im Büro wird oder der Kindergarten plötzlich geschlossen hat, haben wir im Zuge des Auditprozesses „berufundfamilie“ einen multifunktionalen Eltern/Kind-Arbeitsplatz eingerichtet. Schon in den ersten Wochen haben einige Kinder mit ihren Eltern unser „Family Office“ auf die Probe gestellt – zur vollsten Zufriedenheit aller.

Garantie auf Chancengleichheit

Mit dieser und vielen anderen Initiativen im Unternehmen verhindern wir etwas, was leider noch immer zahlreiche Frauen betrifft: Die Wahl zwischen Karriere und Familie. Bei uns herrscht Chancengleichheit, was der Unternehmensgruppe als Gründungsmitglied des Business Frauen Centers in Kärnten besonders am Herzen liegt! Und mit derart Projekten Schritt für Schritt in die richtige Richtung gelenkt wird.

Darum arbeite ich lieber mit Frauen zusammen

Denn, wie schon eingangs erwähnt, möchte ich Frauen in meinem beruflichen Umfeld keinesfalls missen, speziell nicht in verantwortungsvollen Positionen. Ganz im Gegenteil: Ein Hahnenkampf, der sich bei männlichen Kollegen rasch entwickeln kann, ist beim europäischen Marktführer der Dämmstoffbranche fehl am Platz. Meine Erfahrungen, aber auch die erfolgreiche 50-jährige Unternehmensgeschichte bestätigen ganz klar: Weibliche Kolleginnen sind in der Regel weniger eitel, arbeiten sachlicher und gehen Projekte zielstrebiger an. Die Kommunikation untereinander und der Umgang miteinander sind einfach feiner. Als ich Mut bewies und Frauen in vermeintliche Männerbranchen der EPS-Industrie etablierte, haben mich nicht wenige meiner männlichen Kollegen belächelt. Aber der Erfolg spricht für sich: Von der Konzernjuristin über die Marketingleitung bis zur Personalchefin, sie alle sind echte Leistungsträgerinnen im Konzern.

Als Global Player muss es unser Ziel sein, immer an der Spitze zu stehen. Umso stolzer macht es mich, dass wir unseren Mitarbeiterinnen ein modernes Arbeitsumfeld bieten können und sie im Gegenzug Tag für Tag alles geben, um den Expansionskurs der HIRSCH Servo Gruppe weiter in die richtige Richtung zu treiben.

Branchen müssen umdenken

Ich merke den Wandel, den die Gesellschaft derzeit vollzieht. Eltern brauchen flexible Arbeitszeitmodelle und brauchen innovative Ideen, um ihre Kleinsten die nötige Aufmerksamkeit zu geben. Und zugleich auch die Möglichkeit, sich im Berufsleben vollends entfalten zu können. Eine passende Arbeitsumgebung ist Basis dafür, damit auch Frauen den Schritt in vermeintliche Männerbranchen wagen. Nur dadurch kann die „Arbeit der Zukunft“ unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft und sonstigen Merkmalen gelingen und wir international wettbewerbsfähig bleiben!

Zum Autor:

DI Harald Kogler ist seit November 2013 Vorstand der HIRSCH Servo AG mit Stammsitz in Glanegg/Kärnten. Unter seiner Führung sanierte sich der Konzern und expandierte massiv von 400 auf über 1.800 Mitarbeiter*innen, verteilt auf 31 Produktionsstandorte in Europa, sowie weltweiten Vertriebsbüros. Zuvor hatte der studierte Wirtschaftsingenieur zahlreiche Vorstandsmandate im internationalen Industrieumfeld inne, unter anderem bei der KELAG Kärntner Elektrizitäts-AG und der FUNDERMAX AG. Zudem war er Gründungsvorstandes des KWF und Geschäftsführer der BABEG. Als erfahrener Manager weiß Harald Kogler, worauf es bei der erfolgreichen Führung von Mitarbeiter*innen ankommt: Potenziale von jungen Menschen zu erkennen, diese entsprechend zu fördern und einzusetzen, Freiräume zuzulassen und Diversität zu leben. Privat lebt der Familienvater in einer Partnerschaft und findet den Ausgleich beim Sport in der Natur.

Der Monat März ist für uns ein besonderer – gerade erst war der Weltfrauentag.

Doch warum braucht es einen Weltfrauentag überhaupt? Ganz einfach, die Statista Studie von März 2021 zeigt, dass nur 9% der österreichischen Geschäftsführungen mit Frauen besetzt sind und nur 23,5% der Aufsichtsrät*innen. Und da sprechen wir bereits von einem „Höchststand“ betrachtet auf die letzten 10 Jahre! Das ist sicher kein Ergebnis, das sich gut sehen lässt – hier muss noch mehr geschehen![1] Netzwerken kann hier einen wertvollen Beitrag leisten.

Warum sind Frauen in Führungspositionen so unterrepräsentiert?

Die Antwort ist vielschichtig und komplex – und nicht nur lapidar das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Schieben wir den Aspekt des Kinderbekommens mal bei Seite, zeigen sich noch andere Gründe, warum so wenig Frauen in Führungspositionen sind!

Frauen neigen dazu, ihre eigenen Fähigkeiten geringer einzuschätzen als sie tatsächlich sind – Männer hingegen neigen dazu, ihre Kenntnisse gleich hoch oder höher einzuschätzen. Dies belegt auch eine Studie des Dunning-Kruger-Effekt 2011.[2] Wir sehen, hier gibt es ein „Mindset-Problem“. Darüber hinaus bewerten Männer und Frauen ihre Erfolge unterschiedlich. Während Frauen als Begründung für ihre Erfolge gute Helfer*innen oder besonders harte Arbeit nennen, sind sich Männer sicher, dass die hervorragenden Ergebnisse auf ihre eigene Leistung zurückzuführen sind.[3]

Männer sind zusätzlich ambitionierter in Bezug auf „Job-Opportunities“ während Frauen durch mangelnden Mut Chancen verpassen oder zu lange zögern eine Chance zu nutzen, während sich Männer die Gelegenheiten einfach schnappen und so höhere Rollen im Unternehmen einnehmen.

Ich glaube, dass sich viele Frauen mit den oben genannten Fakten identifizieren können, wir haben da einfach einen Nachholbedarf! Doch es reicht nicht, diese Aspekte einfach nur zu kennen – wir müssen uns diese bewusst machen und aktiv an der Fehleinschätzung unserer Kenntnisse oder am Perfektionismus und Selbstvertrauen arbeiten. Die Zweifel und die Zurückhaltung von Frauen sind oft unbegründet. Die Studie „Teamwork, Leadership and Gender“ zeigt, dass Teams, die von Frauen geführt werden, besser performen, weiblich geführte Unternehmen sind außerdem langfristig erfolgreicher.[4]

Bestärken wir uns mit Netzwerken!

Um an unseren Mindset zu arbeiten, ist  der Austausch zwischen Gleichgesinnten enorm wichtig: Stichwort NETZWERK! Frauen brauchen einen Rahmen, wo sie ihre Probleme ansprechen können und sich verstanden fühlen. Sehr oft fühlen sich Frauen überfordert oder alleine mit ihren Problemen. Aber das sind wir nicht, wir haben ähnliche Stories und ähnliche Challenges auf dem Weg die Karriereleiter zu erklimmen. Deswegen müssen wir uns austauschen, um uns gegenseitig zu bestärken und unsere Erfahrungen und Lösungsvorschläge teilen. „Fehler“ bieten immer die Möglichkeit etwas zu lernen. Wir müssen nicht alle dieselben „Fehler“ machen, sondern können Situationen basierend auf dem Wissen anderer besser meistern.

Um Problemen zu begegnen, finde ich es wichtig, die Fakten und Denkmuster zu kennen – erst dann können wir aktiv an diesen Themen arbeiten. Diesen Prozess unterstützen Netzwerke, weil es bestärkend ist, einerseits Rolemodels zu haben, die diesen Prozess schon gemeistert haben; andererseits tut es gut, einen Reminder zu bekommen, seine eigene Karriereplanung aktiv voranzutreiben und gepusht zu werden, Chancen zu nutzen. Zudem können weibliche Netzwerke dabei helfen, die gläserne Decke zu durchbrechen, weil man gemeinsam einfach mehr erreichen kann und nicht jede Frau nur für sich kämpfen muss.

Netzwerken öffnet Türen

Vielleicht kennst du den Spruch, dass man selbst der Durschnitt seiner fünf besten Freund*innen ist? Ähnlich funktioniert es mit Netzwerken: Wenn eine Frau viele Leute kennt, die allgemein als kompetent oder erfolgreich gelten, so wird sie selbst auch so eingeschätzt. Zudem geht es im Business sehr oft darum, einfach mal einen Fuß in die Tür zu bekommen. Netzwerke sind Türenöffner – sie verschaffen uns Möglichkeiten, die uns sowohl persönlich als auch beruflich weiterbringen können und neue Kooperationen anbahnen lassen.

Daniela Stein hier ein Vorbild! Ihr Motto ist: „Baue dir deine Kontakte auf, bevor du sie brauchst!“ – Total richtig! Auch in meinem Leben war es sehr oft so, dass sich Kontakte erst im Nachhinein als „wertvoll“ herauskristallisiert haben – deswegen glaube, ich das es wichtig ist sich generell mit Menschen zu umgeben, von denen man sich wertgeschätzt und bereichert fühlt – der Rest kommt oft von alleine. Und: Menschen spüren, ob man ehrliches Interesse an ihnen hat oder sie nur im Netzwerk haben will, weil sie als „wertvolle“ Kontakte gelten. Hier sollte man wirklich auf Authentizität achten – ich selbst halte Abstand von Leuten, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie mich nur „ausnutzen“ wollen!

Gerade in meiner Rolle als BFC Vorständin werde ich mich sehr engagieren, Frauen zusammen zu bringen, damit sie durch den Austausch beflügelt werden, ihr Potential zu entfalten und Rollen in der Führungsriege wahrzunehmen. Insofern: Stärkt euer Netzwerk! Verbündet euch mit Menschen die euer Leben bereichern und euch weiterbringen und vergesst nicht auch selbst zu definieren, welchen Wert ihr für Menschen in euren Netzwerken schaffen könnt.

Ich freue mich darauf, viele von euch kennenlernen zu dürfen und auch eure Meinung zum Thema Netzwerk und Gläserne Decke zu erfahren!

Alles Liebe,
Yasmin Kreiner

Über mich:

Ich bin Yasmin Kreiner, 29 Jahre alt und in Graz-Umgebung lebend.
Den Großteil meiner beruflichen Erfahrungen und gerade auch mein Wissen im Frauenförderungsbereich durfte ich bei der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft m.b.H. SFG sammeln und aufbauen. Seit Jänner 2021 verstärke ich das COMET Forschungszentrum für künstliche Intelligenz und datengetriebene Geschäftsmodelle „Know-Center“ in den Bereichen Innovation, Business Development und Consulting. Meine Aufgabe ist es, Ausgründungen aus dem Forschungszentrum voranzutreiben und unsere Gründer*innen auf ihrem Weg zum Start-up zu unterstützen! Nebenbei bin ich auch im Projektmanagement und in der Beratung von Unternehmen, die ihren Weg in Richtung Künstliche Intelligenz beschreiten wollen, tätig. Ich liebe die Vielseitigkeit im Job und dass ich mich ständig weiterentwickeln kann. Zudem ist es meine große Leidenschaft Synergie-Effekte zu schaffen – gerade im Start-up Bereich gelingt es mir sehr gut diese Fähigkeit einzubringen und auf mein SFG Netzwerk und alle lieben Start-up Kontakte, die ich mir in den letzten Jahren aufbauen konnte, zurückzugreifen und damit einen Mehrwert für unsere eigenen, noch nicht so erfahrenen Gründer*innen zu schaffen!


[1] Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/328252/umfrage/frauen-in-fuehrungspositionen-in-oesterreich/

[2] Vgl. D. Dunning (2011): https://www.semanticscholar.org/paper/The-Dunning%E2%80%93Kruger-Effect-Dunning/822622ed711dfc0f63a232f31ac3163fb3cb8b55] Abbildung 5

[3] Vgl. Sheryl Sandberg; Ted Talk 2011, https://www.youtube.com/watch?v=18uDutylDa4

[4] Vgl. Maria, De Paola; Francesca, Gioia; Vincenzo, Scoppa; https://ftp.iza.org/dp11861.pdf

Zugegeben: Die Politik scheint ein unmoralisches Geschäft zu sein. Die jüngste Bestätigung dafür liefern diverse Kurznachrichten auf Mobiltelefonen von engen Mitarbeiter*innen von Spitzenpolitiker*innen oder Spitzenbeamt*innen. Politik ist auch ein undankbares Geschäft. Darüber klagen vor allem Bürgermeister*innen, ein Amt das Frauen kaum anstreben.

Das ist vielleicht ein Grund für die große Leerstelle bei Frauenpolitik in Österreich. Immer wieder wird aber auch betont, dass eh so viel weitergegangen sei bei der Gleichstellung und es Frauenpolitik in diesem Sinne gar nicht mehr benötige. Doch stimmt das wirklich?

Hartnäckige Vorurteile

Ich will mich in diesem Beitrag der Frauenpolitik von zwei Seiten nähern. Die erste Frage lautet: Braucht es eigentlich heute noch ein Frauenministerium, wenn doch die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in allen Bereichen viel geringer sind als die Unterschiede innerhalb eines Geschlechts, egal ob wir dabei Frauen oder Männer betrachten? Ich meine ja, unbedingt. Denn sowohl beim Gender Pay oder Pension Gap als auch bei den Quoten in Führungspositionen oder bei Vätern in Karenz befindet sich Österreich im internationalen Vergleich im beschämenden hinteren Feld.

Das weist vor allem darauf hin, dass wir trotz formaler Gleichstellung in Gesetzen und Richtlinien immer noch von traditionellen Geschlechterrollen in unserem täglichen Tun geprägt sind. Daraufhin befragt, würden wohl viele diesen Umstand empört von sich weisen. Aber die unbewussten Stereotype im Kopf sind meist die hartnäckigsten, wie wir wissen.

Nicht der richtige Moment

Angesichts von Krieg in Europa durch den völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine, wirkt die Forderung nach mehr Frauenpolitik tatsächlich banal. Aber die vorrangig von Männern beherrschte Welt fordert immer andere Prioritäten. 2008 die Finanzkrise, 2015 die Flüchtlinge, 2019 Ibiza und die Korruption, 2020 Corona, schon viele Jahre die Klimakrise und nun eben Krieg. Der richtige Zeitpunkt für Frauenpolitik kommt wahrscheinlich nie. Die Notwendigkeit hat hingegen zugenommen wenn wir Indizien wie dem traurigen Spitzenplatz Österreichs bei Frauenmorden oder dem Backlash in alte Rollenbilder im Zuge von Lockdowns, Homeoffice und Homeschooling folgen.

Die Antwort auf die erste Frage lautet also: Ja, es braucht eine Ministerin, eine Landesrätin, Gleichstellungsbeauftragte und -gremien auf allen Ebenen und in allen Bereichen, inklusive der Wirtschaft. Es ist erstens nie der richtige Zeitpunkt für Frauenpolitik und zweitens ist Gleichstellung kein linearer Prozess. Das bedeutet, dass jeder Fortschritt nicht als abgesichert gelten darf und wir jeden Erfolg gut hüten müssen.

Empowerment für weibliche Politik

Die zweite Frage lautet: Müssen und sollen Frauen aktiver gefördert werden, entscheidende Positionen in der Politik anzustreben? Hier fällt die Antwort zugegeben zwiespältig aus. Einerseits, weil Gleichstellung auch Aufgabe der Männer sein muss. Erst wenn sie erkennen, dass etwa eine gerechtere Verteilung von Erwerbs- bzw. Carearbeit auch für sie zu einem besseren Leben führt, lässt sich das Ziel der Gleichstellung erreichen. Es ist ohnehin eine Frage der Betrachtung: Armut in Form von fehlenden sozialen Kontakten im Alter oder zu wenig beglückenden Erlebnissen im Alltag treffen zum Beispiel vor allem Männer. Eine kürzere Lebenserwartung oder höhere Suizidraten geben eindeutige Hinweise, dass ein klassisches Männerleben sicher kein besseres ist. Man(n) kann sich eben nicht alles kaufen.

Der Zwiespalt besteht auch darin, dass Frauen per se keine besseren Politiker*innen sind. Empirisch ist diese These schwer zu überprüfen, weil es leider noch zu wenig Forschungsobjekte gibt. Es ist fast ein wenig so wie bei den Grünen: Auch sie gelten als weniger korrupt, aber vielleicht hat ihnen bisher einfach die Gelegenheit dazu gefehlt.

Frauen sind keine besseren Politiker*innen

Wenn wir also nicht sicher sein können, ob Frauen einen besseren Job machen: Warum braucht es dennoch mehr Frauen in Entscheidungspositionen? Weil die moderne Welt nicht mehr einfach zu (be)greifen ist. Entwicklungen sind komplex, sprunghaft, mehrdeutig und greifen tief in unsere Leben ein. Daher braucht es für gute Entscheidungen in der Politik eine umfassende Expertise, einen Blick von verschiedensten Seiten, Einschätzungen aufgrund unterschiedlichster Lebenszusammenhänge. Dieses Komplettbild kann nur ein vielfältig zusammengesetztes Gremium erarbeiten. Gerade in Zeiten der Polarisierung müssen sich möglichst viele Menschen identifizieren können mit politischen Regeln. Abgesehen davon ist es ein demokratisches Grundprinzip, dass alle Betroffenen einer Entscheidung auch in diese eingebunden sein sollen. In einer repräsentativen Demokratie müssen Parlamente ein tatsächliches Abbild der Bevölkerung sein.

Das Dilemma mit der Solidarität

Abschließend stellt sich die Frage, warum Frauen mit ihrer Mehrheit in der Bevölkerung nicht längst die Welt zu ihren Gunsten verändert haben. Nun ja, weil Frauen eben sehr unterschiedlich sind in ihren politischen Grundhaltungen. Von liberal bis konservativ, von rechts bis links. Die vielen Möglichkeiten unsere Leben zu gestalten, werden uns immer entzweien. Eine Lösung zu Gunsten aller gibt es einfach nicht, nicht einmal im Sinne aller Frauen. Wir Frauen müssen aber lernen, unsere Unterschiede besser auszuhalten und dennoch solidarisch zu sein. Und wir sollten mehr Macht beanspruchen, auch wenn Politik sich derzeit als ein wenig attraktives Metier präsentiert. Doch wir sollten froh sein, dass es in einer Demokratie auch in unserer Hand liegt, das zu ändern. Nehmen wir uns Zeit für Politik!

Zur Autorin:

Kathrin Stainer-Hämmerle war Politik- und Rechtswissenschaftlerin an den Universitäten Innsbruck und Klagenfurt (IFF) und wechselte 2009 als Professorin für Politikwissenschaft an die Fachhochschule Kärnten, wo sie seit 2019 die Bachelor- und Masterprogramme für Public Management sowie die Forschungsgruppe Trans_space für den gesellschaftlichen Wandel leitet. Ihre Forschungsschwerpunkte sind unter anderem: Österreichische Politik, Politische Bildung, Wahlrecht, Partizipations- und Demokratieforschung.