Das Frauenberufszentrum Kärnten ist als Projekt des Business Frauen Centers Kooperationspartner des AMS Kärnten. Seit 10 Jahren unterstützt das FBZ arbeitssuchende Frauen beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt und blickt auf eine starke Erfolgsgeschichte zurück. Doch es gibt nach wie vor viel zu tun. Daniela Stein gibt im Interview einen Einblick in aktuelle und bevorstehende Herausforderungen.

Das Frauenberufszentrum Kärnten

Das Frauenberufszentrum Kärnten (FBZ) wurde 2011 vom AMS Kärnten ins Leben gerufen, um AMS gemeldete Frauen bei der Berufsorientierung und bei Fragen zu Ausbildung, Weiterbildung, Jobsuche und Kinderbetreuung zu unterstützen. Die Hintergründe sind vielfältig: Von der klassischen Wiedereinsteigerin, der Frau, die sich in einer beruflichen Orientierungsphase befindet, bis hin zur bildungsfernen Frau, die wieder fit für den Arbeitsmarkt werden will. Das FBZ bietet Unterstützung mit gezielten Einzel- und Gruppencoachings sowie speziellen Weiterbildungsangeboten, derzeit vor allem im digitalen Bereich. Damit leistet das FBZ mehr denn je einen wichtigen Beitrag, denn durch die Corona Pandemie wurden Frauen überdurchschnittlich mehr belastet und von Arbeitslosigkeit betroffen[1]. Im folgenden Interview beleuchtet Mag.a Daniela Stein, Projektleiterin des FBZ Kärnten, die Notwendigkeit von einer speziell auf Frauen ausgerichtete Einrichtung und warum Frauen Entwicklungen im digitalen Bereich nicht verpassen dürfen.

Warum braucht es eine Einrichtung wie das Frauenberufszentrum, das exklusiv auf Frauen ausgerichtet ist, Frau Stein?

In den meisten Industrieländern ist die Frauenerwerbsquote in den letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen. Für die EU wurde beschlossen, die Frauenerwerbsquote auf mehr als 60 % zu heben. Bei diesem Wert kann Österreich mithalten, doch bei der Frauenteilzeitquote liegt Österreich an Platz 3 in der EU.  Die Notwendigkeit des Frauenberufszentrum ergibt sich durch die Besonderheiten von Frauen am Arbeitsmarkt, die in erster Linie von Einschränkung durch Betreuungspflichten, sowohl von Kindern als auch von pflegebedürftigen Familienmitgliedern gekennzeichnet sind. Daraus resultiert meist ein langjähriger Teilzeitjob, der meistens Aufstiegschancen, qualitative Weiterbildungen und eine existenzerhaltende Entlohnung verhindert. Somit versäumen viele Frauen ihre berufliche Anschlussfähigkeit. Die Arbeitswelt ändert sich sehr rasch und den Frauen ist es gar nicht bewusst welche beruflichen Optionen es überhaupt für sie gibt. Dafür bietet das FBZ sowohl Beratung als auch Workshops zur Entwicklung von beruflichen Perspektiven, sowie gezielte Weiterbildungsmaßnahmen.

Im beruflichen Kontext ist oft die Rede davon, Frauen müssten selbstbewusster agieren, in Ihren Coachings geht es auch darum, Mut zu machen. Haben Frauen ein Selbstwertproblem?

In meiner mehr als 20jährigen einschlägigen Berufserfahrung mit Frauen-Karriereplanungen bin ich doch sehr enttäuscht, dass ein Großteil der Frauen noch in tradierten Rollenmustern gefangen ist. Die Frauen erleben sich zwar ohne Kinder gleichberechtigt, dieses Gefühl hört sich spätestens nach der Geburt des ersten Kindes auf. In einem männlichen Wertesystem, das die Erwerbstätigkeit vor der Fürsorgetätigkeit stellt, erleben sich die Frauen mit ihren Kompetenzen minderwertig. Denn ihre Fähigkeiten werden entweder gar nicht bezahlt oder weniger materiell entlohnt.

Noch dazu haben nach meiner Erfahrung viele Frauen durch ihre hohen Selbstzweifel auch ein längeres Selbstfindungsthema. Es kann viele Jahre dauern, bis Frauen von sich selbst sagen: „Ich bin angekommen, ich weiß was ich kann und weiß, wo mein Platz ist, beruflich und gesellschaftlich!“ Dabei begleiten wir Frauen ein Stück, speziell um ihnen Mut und Lust zu machen eine finanzielle Eigenständigkeit mit einer Erwerbstätigkeit zu entwickeln. Wir verändern damit die Lebenseinstellung von Frauen – darin sehe ich unsere größte Errungenschaft. Denn im Tun liegt die Kraft und diese bringt den Selbstwert, den Frauen für ihren beruflichen Erfolg brauchen. 

Konzentrieren sich Weiterbildungsangebote für Frauen nicht oft zu sehr auf sogenannte Soft Skills anstatt auf konkretere Maßnahmen zu setzen, die im Beruf wichtig wären und vor allem finanziell einen größeren Mehrwert bringen würden? 

Das war lange Jahre so und Gott sei Dank ändert sich das in die richtige Richtung, denn es braucht Weiterbildung in jedem Bereich. In allen Umfragen in Bezug auf die Zukunftskompetenzen sind die Selbst- und Sozialkompetenzen, wie komplexe Lösungsorientiertheit, Kreativität und Verhandlungsstärke maßgeblich für den berufliche Erfolg ausschlaggebend. Aber speziell der Erwerb von Know-How für die digitale Welt ist geschlechterneutral und bietet sehr viele Chancen für Frauen. Diesen Anschluss dürfen wir Frauen nicht verpassen. Denn Weiterbildung ist für den weiteren Lebensverlauf richtungsentscheidend, und sich weiterzubilden war mit dem vielfältigen Angebot, vor allem online, noch nie so einfach. Andererseits ist es in dieser Vielfalt auch schwieriger, das richtige für sich auszuwählen, darum ist es so entscheidend, sich vorher konkret Gedanken zu machen, wohin man will und was man sich von einer Weiterbildungsmaßnahme erwartet. Wir wollen in Frauen wieder die Neugier wecken, ihren Horizont zu erweitern. Frauen, die sich ständig weiterbilden, sind auch ein Vorbild für ihre Kinder. Schlussendlich zahlt sich die gezielte Investition in Humankapital immer aus.

Stichwort Digitalisierung: Was denken Sie, muss die Zukunft und das Angebot in der Frauenbildung sein?

Die Trends der Zukunft zeigen auf grüne, soziale und technische Entwicklungen. Die Digitalisierung ist eine Revolution in der menschlichen Geschichte und bietet sehr viele Chancen. Das darf keine Frau verschlafen.  Wir müssen Weiterbildungsangebote für jede Bildungsschicht anbieten. Daher haben wir heuer mit dem Kurs „Digitale Kommunikation für Anfängerinnen“ begonnen. Hier sollen digitalferne Frauen die Möglichkeit erhalten in diesen Bereich ein Basiswissen zu erhalten. Mein Wunsch wäre, dass die Frauen dann Lust auf mehr bekommen und sich auf die Suche nach neuen Berufsfeldern der Zukunft machen.

Sie engagieren für Ihre Weiterbildungsmaßnahmen vor allem weibliche Vortragende. Wie erleben Sie Frauen als Trainerinnen in der Erwachsenenbildung?

Ich erlebe Trainerinnen in der Erwachsenbildung sehr engagiert, empathisch und professionell. Was ich vermisse sind Visionen, die sie ihren Teilnehmerinnen weitergeben könnten. Wie wollen wir die Welt von morgen erleben? Was brauchen wir dafür an Skills? Frauen als Trainerinnen rate ich deshalb ihr Portfolio zu erweitern, um zukunftsweisende fachliche Themen zu lehren bzw. mit neuen digitalen Tools zu unterrichten. Wir sind alle in einem wirtschaftlichen Transformationsprozess und es gibt für alle viele neue Optionen.

Frauen sind in unserer Gesellschaft strukturell benachteiligt. Wie können Frauen selbst tätig und wirksam werden, um erfolgreich zu sein?

Das ist eine gute Frage, die nicht so leicht zu beantworten ist. Die erste Botschaft, die ich leider geben muss: „Warten wir nicht auf die Politik und Wirtschaft, denn das kann noch lange dauern“.

Es ist eine Haltung und innere Entscheidung von jeder einzelnen und auch Definition von Erfolg. Was bedeutet für mich Erfolg? Um etwas von mir zu erzählen:  Ich habe mich mit Mitte 20 entschieden erfolgreich zu sein und definierte meinem Lebenserfolg mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Als leidenschaftliche Mutter von vier Kindern strebte ich eine berufliche Karriere an, bei der ich beide Welten vereinbaren konnte und eine Arbeit zu haben die für mich Sinn macht. Das ist mir gelungen und das erfüllt mich mit Dankbarkeit und Stolz. Das wünsche ich jeder Frau. Die Angst zu scheitern hält viele Frauen davor zurück – doch die haben ja Männer auch, das ist kein frauenspezifisches Thema. Mit ambitionierten Zielen kann man auch scheitern.

Ich rate Frauen sich ihre Lebensziele klar zu setzen, dann konsequent dran zu bleiben, sich Motivation und Unterstützung von Gleichgesinnten zu holen und den Mut zur Unvollkommenheit zu behalten.

Umgekehrt, wie können Frauen die Schieflagen unserer Gesellschaft sichtbarer machen und verändern?

Es braucht den Schulterschluss mit allen, auch mit den Männern. Der Transformationswandel in unserer Gesellschaft ist schon im Gange und Frauen müssen mitgestalten und sich einbringen. Jede mit ihren Möglichkeiten, damit wir unseren Kindern und Enkelkindern sagen können, wir waren dabei und haben einen Beitrag für eine bessere Welt für alle geleistet.


[1]Nachzulesen unter: https://www.derstandard.at/story/2000120915359/coronakrise-treibt-vor-allem-frauen-in-die-arbeitslosigkeit

Im Jahr 2020 wurde im Schnitt jede dritte Ehe geschieden [1]. Liest man diese Statistik fragt man sich, wozu heiratet man eigentlich? Was sind die Vor- und Nachteile einer Ehe und macht ein Ehevertrag Sinn?

Ungeachtet der vielen persönlichen auch romantischen Beweggründe bleibt es mir in diesem Blogbeitrag zumindest die rechtlichen Aspekte, die die Grundlage dieser höchstpersönlichen Entscheidung bilden (besser bilden sollten), näher darzulegen. Letztendlich handelt es sich bei der Ehe um einen Vertrag mit umfassenden Rechten und Pflichten. Das Wesen der Ehe soll nach dem Willen des Gesetzes in einer lebenslangen und umfassenden Gemeinschaft liegen. So heißt es nicht umsonst „drum prüfe, wer sich ewig bindet“[2].

Die Pros (Rechte) im Überblick:

Betrachtet man also im Vorfeld die Vorteile einer Ehe aus rein rationalen Gesichtspunkten, so denkt man in erster Linie an die finanziellen Vorteile, vor allem die Absicherung im Todesfall. Der jeweilige Ehepartner hat ein gesetzliches Erbrecht und Anspruch auf Witwer-/Witwenpension. Zudem kann man beim Ableben des Partners in den Mietvertrag eintreten und besteht, wenn man eine Eigentumswohnung hat, ein lebenslanges Wohnrecht. Darüber hinaus hat der finanziell schwächer gestellte Part unter Umständen einen Unterhaltsanspruch. Aus steuerlichen Aspekten gesehen erfolgt zwar in Österreich keine Familienbesteuerung, es gibt jedoch ein gewisses Entgegenkommen durch Absetzbeträge oder begünstigte Steuersätze wie bspw. bei der Grunderwerbsteuer.

Die Cons (Pflichten) im Überblick:

Demgegenüber umfasst die Ehe auch viele Pflichten – die naturgemäß von den Beteiligten als Nachteile wahrgenommen werden – wie beispielsweise den nachehelichen Unterhalt als finanzielle Verpflichtung. Wichtig ist, sich in diesem Zusammenhang mit der Thematik einer Scheidung und der nachehelichen Vermögensaufteilung auseinander zu setzen. Das gesamte Vermögen, das in der Ehe erwirtschaftet wird, wird im Falle der Scheidung aufgeteilt. Nur Vererbtes oder Geschenktes bleibt bei der jeweiligen Person selbst. Alles was man hingegen gemeinsam erwirtschaftet hat, wird geteilt.

Das Ehegesetz geht grundsätzlich auch von einer Pflicht zum gemeinsamen Wohnen aus. Diese kann jedoch durch abweichende Vereinbarung der Ehegatten abgeändert werden.

Die Treuepflicht äußert sich nicht nur – wie weit verbreitet angenommen – in der geschlechtlichen Treue, sondern verpflichtet die Ehegatten, alle ehewidrigen Beziehungen zu Personen des anderen Geschlechts – dies können auch platonische Beziehungen sein – zu unterlassen die geeignet sind, das Vertrauensverhältnis zueinander zu verletzen. Nach älterer Rechtsprechung war die Vereinbarung sexueller Freiheit wegen Sittenwidrigkeit jedenfalls nichtig. Aktuell ist eine solche Vereinbarung einseitig jederzeit vernichtbar und auch nicht klagbar, eine Verletzung der geschlechtlichen Treuepflicht kann jedoch während aufrechter Vereinbarung nicht als Scheidungsgrund geltend gemacht werden kann.

Nach dem partnerschaftlichen Ehemodell sind beide Ehegatten auch zur gemeinsamen Haushaltsführung verpflichtet. Auch die Freizeit soll möglichst mit dem Partner verbracht werden. Dies klingt zwar auf dem Papier sehr romantisch und fair entspricht jedoch oft nicht den tatsächlichen Gegebenheiten.  

Heiraten zum Wohl der Kinder?

Ein sich hartnäckig haltender Mythos ist, dass eine Eheschließung zur Begründung von Rechten der Kinder sinnvoll ist, um dem unehelichen Nachwuchs gleiche Rechte angedeihen zu lassen. Schon seit Langem gibt es jedoch eine Gleichstellung zwischen ehelichen und unehelichen Kindern. Diese sind vor allem gegenüber beiden Elternteilen erb- und unterhaltsberechtigt.

Unromantisch, aber relevant – der Ehevertrag:

Immer öfter kommt in der Praxis die Frage nach einem Ehevertrag auf. Dieser macht dann Sinn, wenn man mit den gesetzlichen Scheidungsfolgen nicht einverstanden ist. Meiner Erfahrung nach ist es in der Praxis regelmäßig so, dass zumeist auf Drängen des finanziell besser gestellten Parts Verträge abgeschlossen werden. Dies ist dem Wunsch geschuldet das jeweilige Vermögen bestmöglich abzusichern. Dabei könnte gerade ein Ehevertrag auch den schwächeren Teil schützen und einen fairen Ausgleich schaffen. So würde ich den Vorschlag nach einem Ehevertrag nicht als Ausspruch des mangelnden Vertrauens betrachten, sondern als Möglichkeit sehen, eine faire und ausgeglichene Regelung für beide Parteien zu schaffen. Es lohnt sich immer mit dem Partner offen und ehrlich vor allem über kritische Themen zu sprechen.

Auch ein Leben ohne Trauschein kann man vertraglich gestalten. Einzelne Aspekte (wer bleibt in der Wohnung? wie wird der Hausrat aufgeteilt udgl.) können auch ohne den Gang vor den Traualtar durch Vereinbarung geregelt werden.

Gemeinsame Werte

Persönlich und nach meinen bisherigen Erfahrungen sei es mit Klienten, Bekannten wie auch im Familienkreis, funktionieren jene Partnerschaften und Ehen, ob mit oder ohne Trauschein, gut, in denen die Partner gemeinsame Grundwerte teilen. So ist es meines Erachtens besonders wichtig, sich bereits im Vorfeld damit auseinander zu setzen, ob man sich bei folgenden Fragen einig ist: Kinderwunsch? Haus oder Wohnung? Land oder Stadt? Wer soll für die Haushaltsführung zuständig sein, wenn Kinder da sind? Wie schafft man finanziellen Ausgleich? Wie steht man zur Familie des jeweiligen Partners? Wie hält man es mit der Treue halten? Wenn man hier überwiegend einer Meinung ist, wird man auch in Konfliktsituationen belastbarer sein und nicht so schnell an seine Grenze gelangen.

Der Wunsch, den Widrigkeiten des Lebens gemeinsam zu begegnen und einen Menschen zu haben, der einem den Rücken freihält und stärkt, ist den Interessen des Menschen inhärent. Selbstverständlich ist die Ehe aber auch eine ökonomische Angelegenheit. Oft schadet es daher nicht, die rosarote Brille abzulegen. Finanzielle Eigenständigkeit und Unabhängigkeit können durch einen Trauschein nicht ersetzt werden.

Über die Autorin:

Mag. Sophie Malleg MBL ist selbständige Rechtsanwältin und Partnerin der JuS Rechtsanwälte in 9020 Klagenfurt am Wörthersee. Ihre Tätigkeitsschwerpunkte liegen vor allem im Gesellschafts- und Unternehmensrecht sowie Insolvenz- und Sanierungsrecht.


Quellenangaben

[1] Laut Statistik Austria betrug die Gesamtscheidungsrate 36,9 %, online abrufbar: https://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/bevoelkerung/ehescheidungen/index.html.

[2] Schiller, Friedrich, Aus: Das Lied von der Glocke, 1799.

„Kannst du einmal etwas über „finanzielle Eigenständigkeit“ schreiben?“

„Noch was? Mir kommt vor Statistiken, Studien, Artikel, Fachbücher, Workshops – f2f/digital/hybrid… da ist schon so viel da. Es wird eh gebloggt und gevloggt was das Zeug hält.“

„Schon klar, dass unser österreichisches Sozialversicherungssystem so gebaut ist, dass mein Erwerbseinkommen sogar mein Einkommen im Alter bestimmt – schallt von überall. Habe ich gecheckt. Aber ich meine: er macht gerade voll Karriere, unsere Kinder sind jetzt noch klein und so ein Tag hat 24 Stunden. Hexen kann ich noch nicht, irgendwann bin ich müde und ich kann mir nicht vorstellen, dass es nur mir so geht.“

„Da hast du allerdings Recht. Wir leben in einem erwerbszentrierten Alterssicherungssystem. Einerseits werden Tätigkeiten in frauendominierten Branchen wie u.a. im Gesundheits- und Sozialwesen oder im Handel nach wie vor geringer bewertet und entlohnt. Andererseits gibt es noch immer genderspezifische Einkommensungleichheiten auch in vielen anderen Branchen. Beides in Kombination mit Teilzeitarbeit ist ursächlich dafür, dass ein niedrigeres Einkommen jetzt direkt zu einer niedrigeren staatlichen Pension im Alter führt.“

„Alles alte Zöpfe. Der Equal pay day erinnerte heuer am 21.2.2021 daran, dass die Einkommensdifferenz in Österreich zwischen Frauen und Männern im Erwerbsleben bei gleicher Qualifikation im Durchschnitt noch immer bei 14,3% liegt. Und der gender gap in pensions – also die Pensionslücke aus der gesetzlichen Pensionsversicherung – zeigt, dass die staatlichen Alterspensionen der Frauen je nach Berechnungsart sogar um rund 40% – 50% unter denen der Männer liegen. Weiß ich alles. Mir geht’s jetzt aber weniger darum was unser Sozialsystem für mich tun kann, als mehr darum, was ich selbst konkret tun kann.“

„Spannend, du könntest ja auch sagen, ich muss Gottseidank nicht arbeiten, er verdient ja so gut.“

 „Na gut, der Satz hat aber schon einen ganz schönen Bart. Ich arbeite nämlich sehr gerne, das ist für mich auch teilnehmen am sozialen Leben, Anregungen bekommen, eigene Kontakte hegen und pflegen und natürlich kann ich so auch gleichzeitig mit meinem eigenen Geld an meiner lebenslänglichen finanziellen Eigenständigkeit bauen. Ganz nebenbei: Was, wenn sich bei seinem Einkommen oder unserer Beziehung in Zukunft etwas ändern sollte? Also: Was kann ich selbst tun?“

Am wichtigsten ist, dich in kein „entweder – oder“ drängen zu lassen. Das ist ja klassisch und kommt ganz oft. Wo immer du darauf stößt, bleib mutig und male ein großes UND. Das ist natürlich ein Spagat. Viele Frauen wollen eine berufliche Seite leben und gleichzeitig ihre Verantwortung in der Familie und Gesellschaft wahrnehmen.“

„Du, das mit der Zeit hast du aber schon gehört? Ich sage dir, ich bin im Alltag quasi allein mit Kindern, Haushalt,…aber es stresst mich jetzt schon und du sagst mir: male doch ein UND? Hol dir die Erwerbstätigkeit rein und am besten noch 2-3 Ehrenämter?“

Wege entstehen nach wie vor im Gehen und ich habe nicht gesagt, dass es leicht wird. Aber Möglichkeiten sehen und nicht Hindernisse,  auszuprobieren, einfach anzufangen und zu tun… das kann trainiert und geübt werden. Das geht nicht von heute auf morgen. Stelle deine Grundprogrammierung im Denken so ein, dass du überhaupt an weiteren Schrauben drehen kannst. Das ist wichtig. Da stehen Frauen sich oft selbst im Weg. Wenn du dir nichts zutraust, wie sollen das dann erst andere tun?“

„Welche weiteren Schrauben?“

„Hast du einen eigenen Lebensplan?“

„Spätestens diese Pandemie hat uns doch gezeigt, wie wenig planbar ist. Also echt jetzt…“

„Da geht es nicht darum, dein Leben auf Punkt und Strich zu verplanen und keinen Millimeter davon abzuweichen.“

 „Na, für was ist ein Plan sonst gut?“

Finanziell eigenständig bist du, wenn du selbst für deinen Lebensunterhalt aufkommst und das auch im Alter. Finanziell frei, wenn du deinen Lebensunterhalt inklusive Verwirklichung des einen oder anderen Wunsches nicht durch dein Arbeitseinkommen, sondern rein aus dem Rückfluss deiner gesparten und investierten finanziellen Mittel decken kannst.“

„Ach so, du meinst so etwas wie einen Veranlagungsplan. Ob eher Immobilien, Kapitalanlagen oder …. was zu meinem Typ passt usw.?“

„Nein, nicht so schnell. Ich meine: Wie möchtest du leben? Was ist dir wichtig? Und natürlich: was kostet dich dieses Leben – heute und in Zukunft? Welche Einnahmen brauchst du heute, wie kommst du zu ihnen, welche Aus/Fort/Weiterbildung wäre dafür denn hilfreich?  Welchen Betrag von diesen Einnahmen gibst du gleich aus und was möchtest du für deine Zukunft auf die Seite legen? Wie viel Geld brauchst du für einen Not- oder Unglücksfall sofort verfügbar auf der Seite? Wie schaut also dein Lebensplan aus? Wie willst du Geld veranlagen, wenn du nicht einmal weißt, wann du über wie viel davon verfügen möchtest?“

 „Erstens bin ich schon froh, wenn ich meinen Alltag jetzt halbwegs schaffe. Und zweitens war Geld noch nie so meines, das macht er bei uns. Du, wenn ich ehrlich bin, ich weiß nicht mal, was monatlich so unsere Fixkosten als Familie sind.“

„Das wäre auch so eine Schraube.“

 „Was?“

 „Fragen stellen, viele verschiedene Gespräche führen. Eines mit ihm bspw. Wenn du weißt, was du willst, dann sprich mit ihm darüber, was er dazu beitragen kann und möchte. Zeit? Einen Beitrag zu deiner finanziellen Absicherung? Frag jedenfalls nach euren laufenden Kosten, lade dir unter www.neuespensionskonto.at deinen aktuellen Pensionskontoauszug herunter und finde heraus, wie du derzeit rechtlich und finanziell abgesichert bist. Wenig Zeit? Dann nutz die wenige, die du hast – Schritt für Schritt:

  • verschaffe dir einen eigenen Überblick
  • trau dich in Geldthemen rein
  • bau dazu unbedingt eigenes Wissen auf
  • bilde dich weiter
  • halte Kontakt mit deinem beruflichen Ich
  • und vernetze dich mit anderen Frauen, um nötige Veränderungen im gesellschaftlichen Rahmen mitzugestalten

Kurzum: fang an zu gehen…. und dann kommt die Musik (© Einfach Flo)…. sing, tanz & spring…so laut du nur kannst… und hör nie mehr damit auf…

Zur Autorin:

Ingrid Gritschacher ist selbständige Steuerberaterin, Unternehmensberaterin, Unternehmerin & Vortragende. Finanzielle Eigenständigkeit und praktische Umsetzbarkeit von Wissensinhalten im Alltag sind ihr ein großes Anliegen.

Eigenständigkeit beschreibt die Unabhängigkeit eines Individuums von dessen Umwelt. In diesem Blogbeitrag möchte ich mich einer besonderen Form der Eigenständigkeit widmen, die vor allem für uns Frauen einen hohen Stellenwert einnehmen sollte: die finanzielle Eigenständigkeit. Wird versucht, diesen Begriff zu definieren, spricht man von einer individuellen Autarkie und Autonomie der eigenen finanziellen Lage, der Unabhängigkeit und Widerständigkeit gegen Einflüsse anderer. Dass diese Definition recht oberflächlich ist, ist kein Geheimnis. Um finanzielle Eigenständigkeit genauer abzugrenzen, ist eine eigene individuelle Deutung unausweichlich. Jede*r sollte sich also die Frage stellen, was finanzielle Eigenständigkeit für sie*ihn bedeutet, dabei gibt es weder falsche noch richtige Antworten. Finanzielle Eigenständigkeit kann an keinen fixen Geldbetrag geknüpft werden. Ich persönlich beschreibe es als ein in allen Lebenslagen begleitendes Gefühl der Freiheit.

Finanzielle Eigenständigkeit bedeutet Unabhängigkeit, Selbstsicherheit und ein erhöhtes Selbstbewusstsein. Besonders wir Frauen sind in finanzieller Hinsicht oft benachteiligt: Voranstellen des Familienwohls über die eigenen Bedürfnisse sowie Teilzeitarbeit zum Nutzen der Kinder und pflegebedürftiger Familienmitglieder führen zu immer höheren Zahlen von Frauen, die in die Altersarmut schlittern – ganz abgesehen von einer sehr hohen Scheidungsrate. Ein Mann ist bekanntermaßen keine Altersvorsorge. Was also kann frau tun?

Schritte zur finanziellen Eigenständigkeit

1. Ich brauche einen langfristigen Finanzplan:

Als erstes muss ich Kenntnis über meine finanzielle Situation gewinnen. Es gilt Konsumschulden abzubezahlen, und einen Notgroschen von circa 3-5 Monatsgehälter aufzubauen.

2. Weg von der Sparerin zur Anlegerin:

Viele Frauen legen immer noch Geld auf Sparkonten und Girokonten mit einer nahezu 0 % Verzinsung – meistens, weil sie andere Anlageformen als kompliziert und undurchsichtig empfinden und lieber auf Nummer sicher gehen. Daher bevorzugen Frauen die Flexibilität und Verfügbarkeit von Spar- und Tagesgeldkonten. Die Wahrnehmung von Schwankungen, Komplexität und mangelnder Kontrolle steht der Wertpapieranlage im Weg.

Doch tatsächlich ist es nicht so schwierig, kompliziert und unsicher wie es scheint, sich sinnvoll ein Vermögen aufzubauen. Am Kapitalmarkt vermehrt sich Geld langfristig zwischen 8 und 9 % pro Jahr, eine Steigerung von 7% pro Jahr bedeutet eine Kapitalverdoppelung nach 10 Jahren. Auf längere Frist spielen Schwankungen am Markt eine sehr geringe Rolle und die die Schwankungsbreite einer Geldanlage kann selbst gewählt werden, was speziell einer langfristig orientierten Altersvorsorge in die Hände spielt. Außerdem steht fest: Frauen sind die besseren Anlegerinnen als Männer. Wenn die Zweifel gegenüber Wertpapieranlagen ausgeräumt sind, geht es darum, die richtige Strategie zu finden.

3. Welcher Veranlagungstyp bin ich:
DIE UNABHÄNGIGEN

Waren auch Sie schon einmal in der Lage, in der Sie aufgrund finanzieller Abhängigkeiten nicht die Entscheidung treffen konnten, die Sie sich gewünscht hätten? Spätestens jetzt ist es an der Zeit sich mit der eigenen finanziellen Eigenständigkeit zu befassen, denn es gibt gute Wege zur finanziellen Freiheit. Eignen Sie sich Wissen an, lesen Sie sich ins Thema ein, und suchen Sie sich kompetente, unabhängige Ansprechpartner*innen.

FRÜH ÜBT SICH – DIE EARLY BIRDS

Man kann nie früh genug damit beginnen, sich ein Vermögen aufzubauen – aber es ist auch nie zu spät dafür! Investieren und Geldanlage hat nichts mit der Größe des Vermögens zu tun. Auch mit kleinen Sparraten kann man gute Ergebnisse erzielen. Wichtig ist, in die Umsetzung zu kommen. Nützen Sie hierfür das Wissen und Erfahrung von unabhängigen Experti*innen, um Unsicherheiten auszuräumen und Startschwierigkeiten zu vermeiden.

DIE FINANZFÜCHSE

Die Finanzfüchse haben die täglichen Kursentwicklungen stets im Auge und sind an neuen Unternehmen an der Börse interessiert. Sie sind völlig selbstentscheidend oder suchen sich einen Sparring-Partner auf Augenhöhe und verfeinern mit diesem ihr Portfolio.

DIE VERMÖGENDEN

Sie haben sich bereits ein Vermögen aufgebaut und möchten dieses erhalten und laufend wachsen sehen.

Wenn auch Sie den Weg von der konservativen Sparerin hin zur selbstbestimmten Anlegerin gehen wollen, dann gibt es hier zusammenfassend einige Punkte, die Sie bei Ihrer Anlage berücksichtigen sollten:  

Punkteplan zu einer erfolgreichen Geldanlage

  1. Diversifikation – nicht alles auf ein Pferd setzen
  2. Antikorrelation – eine gute Mischung der Wertpapiere, nicht alle Anlagen steigen und fallen gleichläufig
  3. Sicherheit – in welche Hände gebe ich mein Geld (Depotbank, Plattformen, Vermögensverwalter etc)? Investieren Sie nur in Produkte, die Sie verstehen.
  4. Bindungsdauer – wie schnell kann ich, im Notfall, aus meiner Veranlagung heraus und welche Konsequenzen hat das für mich?
  5. Kostentransparenz – ein besonders wichtiger Punkt, denn bei manchen Geldanlagen fressen die Kosten den Ertrag auf und die Gewinner sind Banken, Versicherungen und Berater*innen.

Nehmen Sie ihre finanziellen Angelegenheiten selbst in die Hand, es ist einfacher als Sie denken und brechen Sie mit Mythen, wie „Finanzen sind Männersache“ und „über Geld spricht man nicht“. Halten Sie sich lieber an Bodo Schäfer und seinem Bestseller „Geld tut Frauen richtig gut“

Geldanlage ist weiblich und ja, wir können das!

Über die Autorin

Evelyn Stroj, Diplomierte Finanzberaterin

Geschäftsführende Gesellschafterin der WedamStroj GmbH Private Finance in Velden am Wörthersee

Nach über 30 Jahren Bankerfahrung ging ich im Jahr 2017 in die Selbstständigkeit und ich freue mich heute noch jeden Tag über diesen mutigen Schritt aus der Komfortzone. Ich berate meine Kund*innen in finanziellen Angelegenheiten und habe meinen Schwerpunkt auf das Wertpapiergeschäft konzentriert. Der Mensch steht stets im Mittelpunkt, Kund*innen werden auf Augenhöhe, genau an ihrem finanziellen Wissenstand abgeholt und gemeinsam Lösungen gefunden.

Corinne Cuvelier ist Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin und seit 2014 Beraterin im Frauenberufszentrum Kärnten. Aktive Frauenförderung zur Chancengleichheit ist für sie eine Herzensangelegenheit. Sie begegnet unseren Kundinnen mit Respekt, Neugierde und Dankbarkeit für das Vertrauen, sie ein Stück ihres Weges begleiten zu dürfen. Außerdem verfügt sie über einen guten Blick für Menschen und besonderes Einfühlungsvermögen verbunden mit einem sicheren Gespür für das Machbare. Weiters bietet sie Stress- und Burnout Prävention für den beruflichen Alltag. Jeder Mensch ist individuell, so auch seine Probleme, Herausforderungen und damit erlebten Belastungen. Wenn diese jedoch allein nicht mehr tragbar sind, müssen neue Lösungen gefunden und ressourcenorientiert gearbeitet werden. Hier bietet Corinne Hilfe zur Selbsthilfe. Im Interview gibt sie einen Einblick in ihren Berufsalltag:

Corinne, du bist seit 7 Jahren Beraterin im Frauenberufszentrum Kärnten und hast viele Frauen auf ihren Weg zurück ins Berufsleben begleitet. Mit welcher Ausgangssituation kommen Frauen zu dir?

Grundsätzlich ist das Frauenberufszentrum für alle Frauen da, egal welchen Hintergrund sie mitbringen. Die individuellen Situationen sind vielfältig. Ihnen allen ist jedenfalls gemein, dass sie beim AMS arbeitslos bzw. arbeitssuchend gemeldet sind. Die meisten von ihnen leisten auch in irgendeiner Form Betreuungsarbeit für Familienangehörige.

Das kann die junge Mutter sein, die nach der Karenz wieder in den Arbeitsmarkt zurückkehren möchte. Oder eine Frau, die sich nach langen Jahren in einer Branche nun beruflich umorientieren möchte, einfach, weil sie beruflich neu durchstarten möchte oder sie die letzte Tätigkeit auch physisch und/oder psychisch zu belastend erlebt. Oder eine Frau, die längere Zeit außerhalb von Kärnten gearbeitet hat, nun zurückkehrt und sich am regionalen Arbeitsmarkt erst orientieren muss. Hier fehlt oft auch ein entsprechendes Netzwerk.

Junge Frauen beispielsweise haben oft das Gefühl, sehr vieles sehr rasch in ihrem persönlichen und beruflichen Leben erreichen zu müssen. Hier kann es helfen, eine andere, vielleicht erfahrenere Frau sagen zu hören: „Ich weiß genau, was du gerade durchmachst”, um Ängste abzubauen, die eigenen Perspektiven zu erweitern und Orientierung zu geben.

Doch egal, in welcher Lebensphase sich die Frauen befinden und vor welchen Herausforderungen sie stehen, wir versuchen auf jede Situation ganz individuell einzugehen und gemeinsam entsprechende Lösungen zu finden.

Was haben Frauen gemeinsam, die erfolgreich den Weg zurück in den Arbeitsmarkt schaffen?

Zusammengefasst gesagt: Entscheidungs- und Handlungskompetenz, Resilienz und Anpassungsfähigkeit.

Diese Frauen treffen eine Entscheidung und kommen ins Tun. Es ist das Tun, das dich im Leben weiterbringt. Nicht nur ständig zu überlegen und alles bis ins Detail abzuwiegen, letztendlich kommt es auf die Umsetzung an.

Dazu gehört auch der Mut sich auszuprobieren, aber auch der Mut zum Scheitern. Zu erkennen, dass Scheitern eine wichtige Lernerfahrung sein kann und es mich nicht davon abbringt, weitere Sachen auszuprobieren und dran zu bleiben. Wir brauchen dazu eine andere Fehlerkultur bzw. eine andere Akzeptanz und Sichtweise von Scheitern. Im Leben geht es nicht um schwarz-weiß bzw. entweder-oder: Wir müssen weg von diesem eingeschränkten Denken, es hindert uns in unserem Potenzial und engt Handlungsspielräumen zu sehr ein.

Wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe – das ist etwas, das ich auch in der Beratung immer wieder sehe. Wir haben bereits viele, wunderbare Frauen begleitet, die wirklich wollen, die mit Leidenschaft und Beharrlichkeit ihren Weg finden. Sie brauchen dann einfach etwas Unterstützung beim Bewerbungscoachings oder einen Input zum Netzwerken.

Einige wiederum sind schwerer zu aktivieren, verstecken sich hinter diversen Gründen, warum sie etwas nicht machen können. Sie verharren in einer Starre, quälen sich mit Zweifeln oder jagen unerreichbaren Idealen nach. Dabei erlebe ich immer wieder, dass Mütter beispielsweise oft sehr klar, strukturiert und umsetzungsstark sind, wenn es um Entscheidungen in Bezug auf ihre Kinder geht, dies aber nicht auf andere Bereiche ihres Lebens anwenden. Ich versuche sie zu ermutigen, klare Entscheidungen auch in Bezug auf Fragen rund um den Job zu treffen.

Außerdem denke ich, dass es eine Portion Zuversicht braucht, dass das Leben für mich etwas Positives bereithält und sich mein Weg und die dazugehörigen Puzzleteile meines persönlichen Erfolgs auch fügen werden. Das Loslassen von der Vorstellung, dass man selbst alles kontrollieren kann und muss, bringt eine gewisse Leichtigkeit mit seiner Lebenssituation umzugehen. Denn es gibt ihn für mich nicht, den einen vermeintlich allumfassenden, perfekten Plan. Das Leben hat für jeden von uns einige Überraschungen bereit, die vielleicht nicht alle nach unserem Geschmack sind. Was letztendlich zählt ist doch, sich darauf einzulassen, dranzubleiben und mehr seinem Instinkt zu vertrauen. Wenn ich für mich annehmen kann, was kommt, habe ich viel gewonnen.

Ich habe den Eindruck, Frauen brauchen oft lange, um das Gefühl zu haben, beruflich endlich anzukommen. Was macht Arbeit für Frauen sinnvoll?

Für die Frage, ob ein Job als sinnvoll erlebt wird, kann ich nur antworten, dass nicht der Job an sich sinnvoll ist, sondern es der Person, die ihn ausübt, die ihr Wissen, ihre Kompetenzen miteinbringt etc., ermöglicht, Sinn zu generieren. Die Vorstellung, wir könnten einen sinnvollen Job suchen oder uns vermitteln lassen, ohne uns ernsthaft damit zu beschäftigen, was will ich, was ist mir wichtig, welche Werte(haltung) habe ich, ist zu naiv und kurzsichtig gedacht. Statt einen Job mit Sinn zu suchen, wäre die -manchmal unangenehme Frage- „Was will ich wirklich?“ vielleicht angebrachter.

Arbeit kann man schließlich auch völlig pragmatisch sehen. Die Frage ist immer, welches Ziel dahintersteckt, was ist mein Wozu? Ganz banal gesagt, kann der Sinn einer Arbeit auch einfach der sein, dass ich meine Miete bezahlen kann. Aber wenn ich nicht weiß, was ich will und wozu ich arbeite, wird mir kein Job der Welt Sinn geben. Ich werde mich mit ziemlicher Sicherheit immer in einer unzufriedenen Situation wiederfinden. Wenn ich nicht weiß, was und wohin ich will, geht auch mein Handlungsspielraum verloren.

Dabei kann es hilfreich sein, sich von der Vorstellung verabschieden, dass es den einen perfekten Job gibt. Man darf und kann sich auch mit Zwischenschritten zufriedengeben und den Erfolg in Teilzielen erkennen, wenn man das große Ganze im Auge behält. 

In frauenspezifischen Maßnahmen geht es oft darum, das Selbstbewusstsein zu stärken, Mut zu machen, Selbstwert zu entwickeln. Brauchen Frauen tatsächlich Unterstützung mit ihrem Selbstwert und wenn ja, warum ist das so?

Es wird oft der Eindruck vermittelt, dass gerade Frauen mehr Selbstbewusstsein benötigen, sich mehr durchsetzen müssen etc., doch so solitär betrachtet stimmt das nicht. Ein kleines Reframing wäre hier angebracht.

Ich denke, vieles, das damit verbunden ist, hat mit Wertschätzung und Anerkennung zu tun, mit dem Sehen der unbezahlten Arbeit wie der Carearbeit, bzw. generell der Mehrfachbelastungen, die Frauen tragen.  Viele Rollen, in die Frauen im Alltag schlüpfen, haben leider gesellschaftlich nicht denselben Stellenwert wie Erwerbsarbeit. In dem turbulenten, vielfältigen, herausfordernden Alltag fällt es dann nicht so leicht zu erkennen, was alles an Einsatz, Zeit, Engagement, Arbeit dahinter steckt. Das sind keine Selbstverständlichkeiten und dürfen auch nicht als solche gesehen werden. Es ist fast zynisch zu behaupten, Frauen bräuchten mehr Selbstbewusstsein, wenn sie in Wirklichkeit mehr Anerkennung vor allem in Form von höherer Entlohnung für ihr Tun benötigen – in Form von leistbarer Angehörigenbetreuung, Erhöhung des Grundgehalts und generell eine höhere Entlohnung von systemrelevanten Berufen, die mehrheitlich von Frauen ausgeübt werden.

Wir versuchen daher gemeinsam mit dem BFC, die Leistung von Frauen sichtbar zu machen. Doch nur, wenn ich selbst anerkennen kann, was meine (unbezahlte) Arbeit wert ist, werde ich das auch im Außen annehmen können.

In der Beratung versuche ich den Frauen ihre Kompetenzen und Ressourcen bewusst zu machen, Lernfelder aufzuzeigen, wo es auch wichtig ist, nach uschärfen und sich weiterzuentwickeln bzw. weiterzulernen. Speziell in unseren Gruppencoachings wird den Frauen bewusst: Ich bin mit meiner Situation nicht allein und wir alle bringen wirkungsvolle Ressourcen mit, vor allem, wenn wir uns zusammenschließen.

Erfolg ist sehr subjektiv, hinlänglich wird als Erfolg bezeichnet, wenn jemand die gesteckten Ziele erreicht. Erfolg entzieht sich oft einer eindeutigen Messung, vor allem, wenn Erfolg nicht als rein ökonomische Größe definiert wird. Der berufliche Erfolg kann daher nur eine Dimension im Leben eines Menschen sein, sie ist nach außen hin aber die sichtbarste Dimension.

Studien, die die Einflussfaktoren beruflichen Erfolges von Top-Führungskräften untersuchen, attestieren erfolgreichen CEOs folgende Fähigkeiten (vgl. Botelho, Powell, Kincaid, Wang 2017): sie sind in der Lage Entscheidungen treffen. Dabei geht es nicht darum immer die richtigen Entscheidungen zu treffen, sondern darum, entscheidungsfreudig zu sein. Erfolgreiche Führungspersönlichkeiten entscheiden früher, schneller und mit größerer Überzeugung. Sie wissen, dass eine falsche Entscheidung oft besser ist, als keine. Des Weiteren sind erfolgreiche Leader mit einem starken Umsetzungsdrang ausgestattet. Sie setzen sich intensiv mit den Interessen ihrer Stakeholder und Widersacher auseinander um diese an Board zu holen und Dinge in die Umsetzung zu bringen. Sie sind sehr anpassungsfähig und setzen sich aktiv mit der längerfristigen Zukunft auseinander. Die Studie von Botelho et al. (2017) zeigt, dass erfolgreiche Leader bis zu 50% ihrer Zeit mit Langfrist-Denken verbringen. Dazu gehört das Screening von Informationen, die auch weit vom unmittelbaren Aufgaben- und Geschäftsbereich entfernt sind. So können schwache Signale früh erkannt und Entwicklungen pro-aktiv mitgestaltet werden.

Aufstiegskompetenz ins Licht gerückt

Die oben genannte Studie zeigt, wodurch sich erfolgreiche von weniger erfolgreichen Führungskräften unterscheiden, sie erklärt jedoch nicht, wie diese in ihre Führungsposition gelangt sind. Neben der Führungskompetenz sollte daher auch der Aufstiegskompetenz Augenmerk geschenkt werden (vgl. Stocker 2017). Hier zeigt sich, dass eine frühe Auseinandersetzung mit dem eigenen Erfolg und ein gewisses Ausmaß an Planung und Zielsetzung wichtige Bausteine auf dem Weg zum Erfolg sind. Wer eine konkrete Idee zum eigenen Lebensentwurf hat, wird leichter Handlungen setzen können, die diesem Lebensentwurf in die Umsetzung verhelfen. Dies ist insbesondere wichtig, um die Attraktivität von unterschiedlichen Optionen zu beurteilen, die sich sehr oft unerwartet ergeben. Mit einer klaren Vorstellung von der Zukunft lässt sich das Potenzial von sich eröffnenden Chancen und ihre Wirkung auf den eigenen kurz- und langfristigen Erfolg besser einschätzen.

Frauen haben es in aller Regel etwas schwerer in Führungspositionen zu gelangen: einige der externen Faktoren, die es uns schwerer machen sind die gläserne Decke, Old-Boys-Netzwerke und höherer erforderlicher Einsatz im Vergleich zu Männern (vgl. z.B. Groysberg et al. 2013). Manchmal stehen Frauen aber auch typisch weibliche Tugenden, wie z.B. Bescheidenheit, im Wege: die Idee, dass Leistung schon belohnt werde, bewahrheitet sich leider allzu oft nicht. Bescheidenheit ist hier fehl am Platz und Frauen müssen ihre Leistungen sichtbar machen. Auch hinsichtlich des zu verhandelnden Gehalts geben sich Frauen sehr oft mit weniger zufrieden, als möglich wäre. Wenn sie aber für andere Frauen als Mentorinnen das Gehalt erstreiten, so zeigt eine Harvard Studie, dass sie sogar in der Lage sind, weit höhere Gehälter zu verhandeln als die Vergleichsgruppe der Männer, die für sich selbst verhandelte (vgl. Stocker 2017).

Mut zur Veränderung

Für mich persönlich eine der wichtigsten Botschaften für den beruflichen Erfolg ist: „You cannot win, if you don’t play!“ (Barbulescu & Bidwel in: Spotlight HBR 2013). Nur wer ins Rennen einsteigt, kann auch gewinnen. Viele Frauen scheuen noch immer davor zurück, sich für Führungspositionen zu bewerben und vergeben damit die Chance auf Aufstieg von vorherein. Eines meiner Lieblingszitate stammt von Louis Pasteur, einem französischen Chemiker, Wissenschaftler und Erfinder im 19. Jhd., der auch als Mitbegründer der medizinischen Mikrobiologie gilt und der in seinen Aufzeichnungen schrieb: „Chance favours only the prepared mind“ was in etwa bedeutet „Der Zufall hilft dem vorbereiteten Geist“. Es bringt eine Haltung der Aufmerksamkeit und Vertiefung zum Ausdruck, die es der aufmerksamen Beobachterin erlaubt, Veränderungen frühzeitig wahrzunehmen und richtig zu interpretieren. Auch in meiner eigenen beruflichen Laufbahn haben sich immer wieder unerwartet Weggabelungen aufgetan – ich habe mich meist für das Neue entschieden, wenn ich den Eindruck hatte, es würde meine Optionen erweitern und die Aufgabe könnte mir Freude bereiten. Sich für das Unsichere zu entscheiden, ist nicht immer leicht und meist wäre es komfortabler, beim Status-Quo zu bleiben. Aber beruflicher Erfolg ist vor allem auch persönlicher Einsatz und Veränderungsbereitschaft. Wer diese Lust mitbringt, Dinge zu verändern, umzusetzen und gestalterisch tätig zu sein, wird auch dem beruflichen Erfolg nahe sein.

Text zur Autorin

Rita Faullant ist Professorin an der Universität Klagenfurt und geschäftsführende Direktorin der M/O/T School of Management, Organizational Development & Technology (www.mot.ac.at). Sie war von 2014 – 2020 als Professorin für Innovationsmanagement an der University of Southern Denmark tätig und ist akademische Entwicklungspartnerin des Innovations-Benchmarking-Tools innovate!new in Kooperation mit der Plattform für Innovation.

Rita Faullant promovierte im Fach Marketing und Strategisches Management und habilitierte sich in Betriebswirtschaftslehre. Ihre Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Innovationsmanagement, Digitalisierung und Technologiemanagement, Business Model Innovation, Open Innovation, Kreativität und Innovationskultur.

Die M/O/T School of Management ist die Business School der Universität Klagenfurt und bietet akademische Weiterbildungen im Bereich Leadership und Management, Digitalisierung und Gesundheit an und erstellt personalisierte Inhouse-Programme für Weiterbildungen in Unternehmen.

Quellenangaben

Botelho E., Powell K., Kincaid St., Wang D. (2017): “What Sets Successful CEOs Apart”, in: Harvard Business Review. May/June, Vol. 95 Issue 3, p70-77. 8p.

Groysberg B.; Bell D. (2013): „Dysfunction in the Boardroom”, in: Harvard Business Review. June, Vol. 91 Issue 6, p88-95. 8p

Spotlight (2013): “Women in the Workplace: A Research Roundup”, Harvard Business Review, September, Issue 1, p.- 86-89.

Stocker L. (2017): “Karriereplanung, Aufstieg, Führung – was Frauen erfolgreich macht“, in: Buchenau P. (Hrsg): Chefsache Frauen II, Springer Gabler, Wiesbaden, S. 209-241.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Pasteur

Im Normalfall sind wir 40 Jahre im aktiven Berufsleben eingebunden. Wir verbringen damit 72.000 Stunden unseres Lebens MIT unserem TUN. Nicht eingerechnet die Zeit, in der wir uns gedanklich mit unserem Job beschäftigen.

Für den Artikel habe ich mich eingehend mit dem Monatsjournal „brand eins“ und vielen Motivationsbüchern beschäftigt. Allen ist gemein: nur Menschen, die bewusst und mit Freude handeln, werden Erfolg haben.

Was ist Erfolg?

Erfolg kann überall erreicht werden: im Sozialwohl, in der Kunst, in der Wirtschaft, in der Forschung oder Beratung, im Sport und in der Familie. Jede Einzelne von uns hat die Chance, eigene Kriterien für ihren Erfolg zu definieren. Erfolg steht und fällt mit den eigenen Erwartungen.

Was steht am Anfang?

„Vergeuden Sie nicht Ihre Zeit damit, dass Sie das Leben eines anderen leben“.

Steve Jobs

Frau muss sich nicht so verhalten, wie man(n) es von ihr erwartet. Lass dich in kein Schema pressen. Das bedeutet aber nicht, dass wir dazu männlicher, als Männer werden müssen: Erfolg muss (auch) fraulich sein. Finde heraus, was in dir steckt, und tue es mit aller innewohnenden Leidenschaft. Lass dich nicht vom Weg abbringen, höre jedoch auf die Anregungen deines Umfelds.

Es bedeutet auch Rückschläge nicht zu ignorieren oder zu verleugnen, sondern ziehe wichtige Lehren für den künftigen Erfolg.

Akzeptiere Fehler daher als Ressource persönlichen Wachstums, frei nach dem Motto: „Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen“

Was bringt mich meinen Zielen näher?

Viele stecken sich große Ziele, und verzagen dann, wenn nicht gleich alles klappt. Setze dir erreichbare und messbare „Etappenziele“, halte dir aber immer das große Ziel vor Augen. Hole dir Mitstreiter, die dich unterstützen, sei es mental und/oder finanziell. Suche dir Rat bei Menschen, die bereits Erfolg haben. Werde zum Business-Querdenker: denn in der eigenen Branche findest du keine coolen Ideen.

Anja Förster führt in ihrem Buch aus, dass Benchmarking und Best-Practices in der eignen Branche immer nur der magere Versuch sind, die eigene Ideenlosigkeit zu kaschieren. Und weiter:

„Es ist ein alter und dennoch wahrer Spruch: Kein Unternehmen übertrifft seine eigenen Erwartungen. Wenn Manager meinen, dass ihre Firma 5 bis 10 Prozent Wachstum erwirtschaften kann, dann wird auch genau das der Fall sein. Maximal. Wenn Manager der Meinung sind, dass die Branche stagniert, dann werden sie auch ihr Unternehmen nicht vorwärtsbewegen. Die eigenen Überzeugungen und Glaubenssätze bestimmen immer die Obergrenze der Möglichkeiten. Sie sind selbsterfüllende Prophezeiungen. Radikale Innovatoren setzen sich deshalb auch maßlose, ja tollkühne Ziele. Das ist gesunder Größenwahn.“

Anja Förster

Kurzum: „sei realistisch, versuche das Unmögliche“. Dazu kann sich frau – unter anderem – Anregungen aus dem edition brand eins, 4. Jahrgang Heft 13 -Artikel „Vorbilder“ holen.

Für mich als Beraterin war und ist immer wichtig, den anderen zu verstehen, mich zuerst in die Lage des anderen zu versetzen, seine/ihre Ziele und Motivationen zu verstehen, um dann die maßgeschneiderten Vorschläge zu erarbeiten. Empathie ist ein Baustein zum Erfolg.

Lust als Antriebfeder

Der Weg zum Erfolg ist nicht immer mit Freude verbunden; oft erfordert es zähes Durchhalten.

Deshalb vergiss nicht deine Erfolge zu feiern: auch deine (Teil-)Erfolge sind lustvoll zu genießen. Belohne dich für deine Erfolge, sei es mit einem langen Spaziergang oder einem schönen Essen… was immer dir guttut. Aber halte dir immer dein großes Ziel vor Augen … vielleicht schon morgens auf dem Spiegel, an dem ein Bild DEINES Ziels hängt?

Für Fortgeschrittene

Gerate aber auf alle Fälle nicht in die Falle, dich auf deinem Erfolg von gestern auszuruhen. Der amerikanische Leadership-Experte Warren Bennis sagte:

„Selbst erfolgreiche Unternehmen können sich in Zukunft zugrunde ruinieren, wenn sie weiterhin so vorgehen wie in der Vergangenheit“.

Warren Bennis

Deshalb etabliere ein Radarsystem zur Wahrnehmung anstehender sozialer und technologischer Veränderungen deiner Umwelt.

Meine Mutter hat im Jahre 1951 unsere Kanzlei gegründet und war Vorreiterin in der Datenverarbeitung. Die dafür notwendige „Maschine“ wog 1,5 Tonnen; Ersatzteile dafür gibt es seit Jahrzehnten nicht mehr.

Standardisierte Abläufe sind daher keine Errungenschaft der Jetztzeit. Digitalisierung ist heute für uns state of the art. Cloud Computing und softwaregestützte Kollaborationslösungen sind die Schlagworte der Gegenwart. Was aber immer bleibt ist die persönliche Beratung auf Augenhöhe.

Auf zur Zweitkarriere

Hat man erst einmal Erfolg, „von dem anfangs dachte, dort warte ein anderes, leichteres, interessanteres Leben, stellt man bald fest, dass es keinesfalls einfacher wird – oben bleiben ist auch Arbeit. Denn Erfolg ist flüchtig.“ (entnommen aus dem Text von Peter Lau, aus brand eins Heft 1, Januar 2014)

Erfolgreiche Unternehmerinnen, wie auch Künstlerinnen, müssen daher ständig auf der Suche nach Neuerem, Besserem sein. Dies kann, ja muss mit Freude und Lust geschehen.

Es gibt kein Ausruhen auf dem Erreichten.

Wenn frau das verinnerlicht, macht dieser Prozess des ständigen Erneuerns, gleich eines Baumes im Frühling, Lust und hält uns jung – geistig wie körperlich – und führt zu weiteren Höhepunkten auf der Erfolgsleiter. Das hat der französische Politiker Jean Jaurès (1859-1914) schon erkannt, indem er ausführte:

„Tradition bedeutet nicht die Anbetung der Asche (sprich Vergangenes), sondern die Kunst das lodernde Feuer weiterzugeben“.

Jean Jaures

Für die langjährig erfolgreichen Frauen unter uns daher der Tipp: Sprecht nicht über Vergangenes, sondern sucht Erfolg in der Gegenwart.

Über die Autorin:

Mag. Annemarie Pippan, Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin

Als geschäftsführende Gesellschafterin der Pippan & Partner Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatung in Villach, bin ich Teil eines hoch motivierten Teams, das unseren Mandanten mit Rat und Tat zur Seite steht. Um ihnen auch über die Grenzen hinaus beistehen zu können, sind wir Mitglied von UHY International, einem international agierenden Netzwerk.

Mit 23 Jahren wurde ich zur jüngsten Steuerberaterin Österreichs bestellt und übernahm die, im Jahre 1951 von meiner Mutter gegründeten Steuerberatungskanzlei.

Darauf folgten:
– die Vereidigung zum Wirtschaftsprüferin.
– die Prüfung zur Finanzstrafrechtsexpertin
– die Prüfung zur Verfahrensrechtsexpertin und
– Prüfung zur Immobilienrechtsexpertin

In der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer arbeite ich im Fachsenat für Sozialversicherung mit; leiste Berufskollegen finanzstrafrechtlichen Beistand; bin Mitglied der Prüfungskommission für Steuerberater in Kärnten und unterrichte an der Fachhochschule in Villach werdende Berufskollegen. Zudem halte ich laufend Vorträge und bin österreichische Verantwortliche des österreich-/italienischen grenzüberschreitenden Steuerberater-Kongresses.

Ich bin mit einem deutschen Wirtschaftsprüfer verheiratet. Mein Sohn Paul arbeitet bereits als Berufsanwärter in unserer Kanzlei mit.

Frustfreies Golf und laufendes Erleben großer und kleiner Erfolge genieße ich bewusst.

www.pippan-partner.com

Quellenangaben:

Anja Förster, Peter Kreuz: Alles, außer gewöhnlich. Provokante Ideen für Manager, Märkte, Mitarbeiter.
Brand 1, Heft 1, Januar 2014

Lust auf beruflichen Erfolg.

Wow! Was für eine Headline! „Lust“ und „Erfolg“ – gleich zwei so bedeutungsschwangere und emotional aufgeladene Begriffe in einem Atemzug!
Schon ein bisschen dick aufgetragen, nicht?
Und überhaupt, ist diese Kombi nicht einigermaßen realitätsfremd?
Passt ein Begriff wie Lustgewinn überhaupt ins berufliche Umfeld, bzw. darf denn das sein?
Per Wikipedia-Definition bezieht sich der Begriff „Lust“ [… auf Erfahrung, die sich gut anfühlt, … die den Genuss von etwas beinhaltet]*.
Schön, das wäre ja schon einmal recht wünschenswert, denn wer geht nicht gerne einer Tätigkeit nach, die sich „gut“ anfühlt?
Der Eintrag besagt dann auch weiters, dass Lust […in engem Zusammenhang mit Wert, Begierde und Handlung] steht.
Und auch diesen Punkt würden wir gerne abhaken, denn selbstverständlich leiten wir unseren persönlichen Wert auch von beruflichen Handlungen und Erfolgen ab und „messen“ unsere Performance daran.
Darüber hinaus ist dann aber sogar noch vom „Zustand des Flow“, von „Wohlbefinden“, ja sogar „Glück“ die Rede!!!!
Also, spätestens jetzt ist dann aber auch mal gut, nicht?
Schließlich geht es in unseren Jobs um 40-Stunden-Wochen, die ständig lauernde Bedrohung aufgrund von Mehrfachbelastungen und Dauerstress ins Burn-out abzudriften, das tägliche Hick-Hack mit nervigen Mitarbeiter*innen und /oder Kolleg*innen und zum Drüberstreuen vielleicht auch noch narzisstisch veranlagte Vorgesetzte und Kund*innen!?
Wo bitte bleibt da die Lust? Vom Erfolg, der sich auf diesem kargen, von Frustration gedüngten Boden entfalten soll, gar nicht zu reden!

Beruflicher Erfolg – eine geheime Rezeptur?

Und dennoch gibt es sie. Jene Menschen, die diese beiden Begriffe im Zusammenhang mit ihren Jobs ganz selbstverständlich nennen.
Die erzählen, wie „wohl“ sie sich in ihren Jobs fühlen, wie sehr sie ihre Arbeit erfüllt und dass es sich „richtig und gut“ anfühlt, genau das zu tun, was sie tun.

Schon beneidenswert, oder?

Und ganz selbstverständlich drängt sich anders Empfindenden die Frage auf:
„Wie machen die das, bzw. was machen die anders?“
Die Antwort darauf klingt zunächst geradezu unverfroren banal:
Diese Menschen treffen eine Wahl.
Ganz bewusst, ganz persönlich und – das ist der Wermutstropfen dabei – mit allen Konsequenzen.

Denn deren Interpretation von Erfolg mag eventuell ein wenig vom gängigen Verständnis abweichen.
Anstatt des angestrebten „höher, schneller, weiter und mehr“ beziehen diese Menschen ihre persönlichen Erfolgserlebnisse primär aus Anerkennung und Wertschätzung, den positiven Feedbacks ihrer Umgebung, als auch Fortschritten und Errungenschaften in ihrer Arbeit.
Die monetäre Vergütung ihrer Tätigkeit gehört naturgemäß zwar dazu, ist aber eher zweitrangig.

Das zweite Glück – oder: endlich angekommen!

Hier ein praktisches Beispiel zur Veranschaulichung:
Eine ehemalige Kollegin und liebe Freundin von mir, Alleinerzieherin einer damals 17-jährigen Tochter, wurde ganz unvermittelt, kurz vor ihrem 50. Geburtstag mit einem „golden Handshake“ aus ihrem über 25 Jahre, mit hohem Engagement ausgeübten Bürojob, verabschiedet.
Was für ein Wahnsinn – dachte ich zumindest!!! Katastrophe, Zusammenbruch, Panik-Orchester?! Weit gefehlt!
Der Guten kam dieser ungeplante Schubs nämlich ganz recht. Und so hat sie diese anfängliche Herausforderung als „ihre“ Chance an- und wahrgenommen, sich beruflich völlig neu aufgestellt und damit einen Herzenswunsch erfüllt.
Heute – ungefähr 6 Jahre später – begleitet sie, nach erfolgreich absolvierter Schule für Sozialbetreuungsberufe (ja, für ihren Traumjob musste sie auch noch einmal die Schulbank drücken!), Menschen mit Handicap durchs Leben und hat in dieser Aufgabe ihr Glück und ihre Erfüllung gefunden.
Also, ich liebe dieses Beispiel, erzähle und teile es sooft ich kann, denn ich finde, dass es Mut macht!
Mut, sich aus der vermeintlichen Gemütlichkeit in unseren Komfortzonen herauszuwagen, unbekannte Wege zu beschreiten, in unbekannten Wassern zu schwimmen, etwas gänzlich Neues zu beginnen und darin völlig aufzugehen.

Aber dieses Beispiel ist nur eines von vielen, denn auch meine Gespräche mit anderen Frauen, zum Teil Start-Up Gründerinnen beweisen, dass es gerade jetzt – wahrscheinlich auch der momentanen Pandemie-Situation mit Unsicherheit und Unplanbarkeit geschuldet – viele gibt, die ihr Leben neu denken, planen und umsetzen (wollen).
Besonders bemerkenswert bei diesen Neustarts und Umorientierungen ist für mich deren augenscheinliche Alterslosigkeit, denn es scheint auffallend viele jenseits der 50 zu geben, die diesen Schritt wagen.

Ich (ver)traue mich (mir)!


Bitte verstehen Sie mich nicht falsch – dieser Blog-Beitrag soll nicht als Aufforderung verstanden werden, sein Leben auf Biegen und Brechen umzukrempeln, nur weil das jetzt viele tun. Nein, ich möchte ihn vielmehr als Einladung zu bewusster und erwünschter (Ver)Änderung verstanden wissen, für alle jene, die einen Leidensdruck, oder wie im positiven Fall, einfach den Wunsch dazu verspüren. Er soll aber auch Mut und vor allem Lust machen, andere, neue Facetten an sich zu entdecken und zuzulassen, aber gleichzeitig auch das sichere Gefühl vermitteln, dass es niemals zu spät ist, seinem beruflichen Erfolg und Lebensglück – denn diese beiden Dinge sind für mich untrennbar miteinander verbunden – auf die Sprünge zu helfen.

In diesem Sinne: Let`s flow! 😊

Über die Autorin

Birgit Nicolelli-Fulgenzi-Laßnig, gerade noch 48 😉, glücklich verheiratet
Studierte Anglistin/Amerikanistin und Kunsthistorikerin
Marketing-, PR- und CSR-Expertin, Brand Managerin und Mentaltrainerin
Überzeugte Optimistin, neugierige und begeisterte Netzwerkerin

Quellenangaben:

* https://de.wikipedia.org/wiki/Lust

Das Jetzt und das Hier

Der Ausdruck “Achtsamkeit”, bekannt auch als “Mindfulness” könnte mit den Aufforderungen „Lebe in dem Jetzt!“ oder „ Erlebe das Jetzt bewusst!“ umschrieben werden.

Das mag wohl ziemlich abstrakt klingen, ja sogar zu philosophisch und zu weit von unserem Alltag, oder aber zu einfach und banal.

Wir betrachten uns als pragmatische Menschen, die ständig mit materiellen Dingen beschäftigt sind. Besonders wir Frauen müssen oft unzählige Aufgaben unter einen Hut bringen: Karriere, Familie, soziale Beziehungen, Verantwortungen jeglicher Art. Es bleibt uns kaum Zeit für uns, ganz zu schweigen unseren spirituellen Teil zu entwickeln. Denn wer von uns hat mal Zeit für so etwas? Und solange wir in dieser Haltung verharren, verpassen wir vieles.

Wir laufen Gefahr, unsere Jetztzeit zu verschwenden, indem wir den Augenblick ausblenden und vergessen, dass das Jetzt ein wichtiger Teil unseres Lebens ist. Denn das Leben kann nur an einem einzigen Zeitpunkt gelebt und gestaltet werden: genau hier und genau jetzt. Das Leben entfaltet sich in dem Augenblick, den wir gerade erleben. Wir können weder die Vergangenheit ändern noch die Zukunft voraussehen. Das bedeutet, dass jede Energie, die auf Dinge gerichtet ist, auf die wir keinen Einfluss haben können, einfach verschwendete Energie ist. Die Sorge um die Zukunft kann zu Angststörungen, Depressionen und Selbstzweifeln führen, da wir uns dessen bewusst sind, dass wir keinerlei Kontrolle über sie haben. Und dabei bleibt keine Aufmerksamkeit für den Augenblick übrig.

Die Devise lautet also: Statt Eiltempo im Jetzt verweilen! Na ja, einfacher gesagt als getan. Wie lässt sich so was im Alltag tatsächlich verwirklichen? Die Antwort klipp und klar: Das eigene Denken ändern, um uns von negativen Denkmustern zu lösen!

Für die alten Griechen war eine ausgewogene Lebensweise die wichtigste Tugend überhaupt.  Wenn Körper und Seele im Einklang sind, dann befinden wir uns in unserer besten Verfassung.  Und zu diesem Ergebnis können wir aber nur gelangen, wenn wir uns von falschen Vorstellungen befreien und richtig über den Alltag denken.  Ein gesundes Seelenleben ist die beste Medizin gegen vieles Übel.  Oft machen wir mehrere Sachen gleichzeitig – typisch für uns Frauen. Darüber hinaus sind wir oft von Schuldgefühlen geplagt, wenn wir es nicht geschafft haben, das zu tun, was wir uns vorgenommen hatten. Wir schalten den Autopiloten ein und stürzen uns mit Scheuklappen in die tägliche Routine, damit wir das gesetzte Ziel schnell und systematisch erreichen können.

Die innere Unruhe

Oft kommt dazu, dass wir uns mehr zumuten, als wir tatsächlich aushalten können. Der Druck der täglichen Routine wird immer stärker und wir geraten in eine Spirale von unmöglichen Herausforderungen. Sobald wir feststellen, dass wir mit diesen nicht wie geplant umgehen können, werden wir Opfer innerer Unruhe, auch aus Mangel an Selbstwertgefühl und wegen verschiedener Ängste. Der Philosoph Epikur schreibt:

Nicht der Bauch ist unersättlich, sondern die falsche Vorstellung von dem unbegrenzten Anfüllen des Bauches“.[1]

Epikur

Das gesunde Maß wird überschritten, wenn wir unserer Begierde nachgeben. Jedes Mal, wenn wir von allen geliebt werden wollen, wenn wir Erfolg erreichen, die Besten sein oder anerkannt werden wollen, kann es zu einer Überforderung kommen – besonders wenn die Sachen nicht so laufen, wie wir es uns vorgestellt haben. Es kommt zu einer geistigen Überforderung, weil wir unsere Erwartungen nicht entsprechen. 

Der Schlüssel zur Lösung

Der Schlüssel zur Lösung ist hier das gesunde Denken. Wir können damit beginnen, indem wir unsere Werturteile hinterfragen. Diese zu relativieren bedeutet, sich zu fragen, ob sie wirklich mit unserer wahren Natur übereinstimmen oder ob diese uns von der Gesellschaft durch weit verbreitete Konventionen – wie z.B die Anerkennung der anderen oder soziale Absicherung – auferlegt wurden.  Entsprechen meine Wertvorstellungen meinen Bedürfnissen? Warum strebe ich nach Karriere, Erfolg oder Anerkennung? Wenn diese Faktoren meine Gesundheit gefährden, dann sind sie keine Werte.  Indem man in sich geht, hat man größere Chancen, den Weg zu sich zu finden und sich zu verwirklichen, allerdings basierend auf den eigenen Vorstellungen und Werten und nicht auf denen der anderen.  Authentizität und Harmonie mit sich selbst erlauben uns zur inneren Ruhe zu kommen.

Den Sinn im Leben finden

Indem wir unsere Handlungen verlangsamen, erweitern wir unser Bewusstsein und somit kann es uns gelingen, uns auf das Wesentlichste zu konzentrieren. Aber was ist dieses Wesentliche? Für mich ist es, den Sinn im Alltag und im Leben zu finden. Ich meine damit, dass man eine Vision hat oder dass man nach einem Ziel strebt, das einem Freude bereitet. Ohne Visionen, Träume oder Ziele laufen wir Gefahr, den Sinn in unserem Leben zu verlieren und dadurch existentiell frustriert zu werden. Das kann zur Selbstentfremdung führen. Wir erkennen uns nicht mehr, weil wir das Leben leben, das andere für uns gewählt haben oder wir haben uns für ein Leben entschieden, das uns anfangs sicherer erschienen ist. Auf Dauer allerdings stellen wir fest, dass es nicht das ist, was uns glücklich macht. Egal, ob es uns gelingt die Dinge zu ändern (und manchmal kann dies schwierig sein): Wichtig ist es, sich stets zu fragen, ob wir so leben, wie wir es uns vorgestellt haben und ob wir etwas machen können, um das zu ändern, was uns unglücklich macht. Allein dieser Denkprozess kann in uns Wunder wirken. Das Wort Prozess kommt aus dem Lateinischen „procedere“, „vorwärts gehen“, also stellt schon einen ersten Schritt vorwärts in Richtung Veränderung dar. Wie alle Prozesse erfolgt die Veränderung nicht von heute auf morgen, sondern verlangt Zeit und innere Reife. Wunderschön schrieb Rilke über die Geduld:

„Man muß den Dingen

die eigene, stille,

ungestörte Entwicklung lassen,

die tief von innen kommt,

und durch nichts gedrängt

oder beschleunigt werden kann;

alles ist austragen – und

dann gebären….“

Rainer Maria Rilke

Ein Buch kann helfen

Viktor Frankl sprach von einem Sinnlosigkeitsgefühl, welches mit einem existentiellen Vakuum verbunden ist. In seinem Festvortrag zur Eröffnung der Buchwoche `75 in der Wiener Hofburg beschrieb er, wie eine gute Lektüre den Stress des Alltags erleichtern kann. Für ein Buch muss man sich entscheiden, man muss es kaufen oder entleihen, man muss es lesen, durchblättern und sich Gedanken darüber machen. Man muss sich einfach Zeit dafür nehmen, was uns dazu führt, eine Zeit lang unsere Gedanken vom alltäglichen Stress wegzulenken. Das Lesen trägt dazu bei, zu sich zu kommen und sich zu besinnen. Ein Buch hilft uns, von der Peripherie zum Zentrum zu kommen.

Wir rücken in den Vordergrund. „Es (das Buch ) entlastet uns vom Leistungsdruck, von der Vita activa, und ruft uns zurück in die Vita contemplativa, ins beschauliche Dasein, wenn auch nur von Zeit zu Zeit“.[2]

Viktor Frankl

Jedes Mal, wenn wir ein Buch aufschlagen, beginnen wir eine Reise und erforschen ein neues Universum (wie Marguerite Duras sagte). Ich möchte mit einem Zitat von Jorge Bucay, dem bekannten argentinischem Autor und Psychiater schließen:

„Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen“.  

Jorge Bucay

Über die Autorin Alessia Battaglia

Ich schreibe und philosophiere aus Leidenschaft. Das Recherchieren und das Schreiben sind Teil meines Alltags. Seitdem ich mein Studium der Philosophie an der AAU Klagenfurt begonnen habe, vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht mit philosophischen Themen beschäftige. Als gebürtige Italienerin stellt für mich ein Studium der Philosophie in deutscher Sprache eine echte Herausforderung dar, aber meine Herkunft aus der Toskana, Heimat der Kultur und der Kunst, hilft mir dabei, geistig eine Brücke zu schlagen und erleichtert mir dieses intellektuelle Abenteuer.

Ich habe bereits von klein auf begonnen, mir Fragen über das Leben zu stellen. Berühmte Persönlichkeiten wie Dante Alighieri, Lorenzo il Magnifico oder Giordano Bruno haben meine Schuljahre begleitet und mein Denken beeinflusst.
Beruflich bin Ich bin seit vier Jahren Projektmanagerin in Klagenfurt. Vorher war ich fast 15 Jahre lang im Finanzwesen in internationalen Unternehmen tätig. Ich bin Mutter von zwei Mädchen.

Darüber hinaus bin ich Lehrende und Vortragende bei der Dante Alighieri-Gesellschaft.
Vor kurzem habe ich begonnen beim Mädchenzentrum Klagenfurt mitzuarbeiten, weil ich der Meinung bin, dass in Frauen das Potenzial für eine stärkere und gerechtere Gesellschaft liegt.

Quellenangaben:

[1] Kitzler, Albert (2016): Denken Heilt! Philosophie für ein gesundes Leben. München: Drömer Verlag. S.47

[2] Frankl,Viktor E. (2017): Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn. München: Piper Verlag. S. 19

Nehmen Sie ihre Kaffeetasse und trinken Sie die Hälfte aus. Was denken Sie nun, wenn Sie in Ihre Tasse blicken? Ist sie halb voll, oder halb leer?  So einfach prüfen Sie mit welcher Haltung Sie im Leben stehen: Mangelorientiert, oder pragmatisch den Möglichkeiten zugewandt?

Die innere Haltung, unsere Lebenseinstellung ist uns weder in die Wiege gelegt, noch ist sie ein Produkt unserer Lebenserfahrungen. Vielmehr ist sie das, was wir daraus machen, wie wir an einem Beispiel nachvollziehen können, das mich seit Jahren begleitet:

Im Studium hatte ich einen Kollegen aus Ruanda. Er war ein sanfter, höflicher, fröhlicher, zuversichtlicher Mensch, der oft sang und uns gern bekochte. Als er nach Österreich kam, dachte er, die Menschen hier würden wohl immer lächeln, sehr glücklich sein und mit Leichtigkeit durch ihr Leben gehen. Er war verwundert, denn das Gegenteil war der Fall. Obwohl niemand Hunger hatte, jeden Tag in einem warmen Bett einschlief und keine Angst vor nächtlichen Überfällen oder willkürlicher Gewalt haben musste, war niemand grundsätzlich gut gelaunt. Inmitten des Glücks, keine Freude, nicht einmal Dankbarkeit.

Er hätte Grund genug gehabt bedrückt zu sein, denn seine Familie starb in den Stammeskriegen. Schritt für Schritt hatte er buchstäblich alles verloren. Familie, Heimat, finanzielle Existenz. Aber er war dankbar für das Wenige, das ihm geblieben war. Erinnerungen, Freunde, Gesundheit, Frieden und Sicherheit. Er wusste nicht, ob er eine Zukunft haben würde, was ihn aber nicht daran hinderte zu schätzen, was er hatte.

Leicht war sein Leben nicht, aber seine Haltung machte den entscheidenden Unterschied. Heute ist er verheiratet, hat Kinder und einen Beruf.

Warum fällt es uns so schwer im Überfluss genug zu haben? Vielleicht weil der Ritt auf einem sehr hohen Ross auch eine größere Angst vorm Aufprall mit sich bringt? Es gehört hierzulande zum guten Tun immer mehr zu wollen, oder zumindest mit schweren Aufgaben belastet zu sein. Wer sich zufrieden zeigt, oder sogar genießt, macht sich per se verdächtig. 

Dankbarkeit als Geheimwaffe Nr. 1

Tatsächlich ist die Übung des Dankbarseins eine der höchsten Künste der Lebensfreude. Sie wird uns in unserem kultivierten Bildungssystem leider nicht beigebracht, eher aberzogen.

Von frühester Kindheit lernen wir auf Fehler zu achten, über Fehler zu nachzudenken, Fehler jemandem zuzuschreiben, Fehler zu vermeiden. Ein Höllenkultur wird uns da anerzogen, ohne die geringste Chance auf ein redliches Wissen über das Bewahren des Schönen, das Kultivieren des Guten, das Schätzen des Wertvollen.  

Aber bevor wir jetzt frustriert das Handtuch werfen: Erstens geht es allen gleich – und das hat psychologisch einen gewaltigen Trostfaktor – und zweitens können wir jederzeit beschließen auf Schubumkehr zu gehen.

Ein emotional hygienisches Innenleben und die damit einhergehende Resonanz im Außen erfordern Kraft (besonders in der Anfangsphase) und Disziplin im Tun und vor allem im Denken! Die Amortisationsgewinne kommen aber schneller und sind nachhaltiger als wir glauben.

Resonanz – die Geheimwaffe Nr. 2

Was heißt das, Resonanz im Außen erzeugen?

Sehen Sie einem Baby in die Augen und machen Sie ein wütendes Gesicht, am besten auch gleich hässliche Geräusche dazu. Das Baby wird verlässlich weinen – und Sie haben spätestens jetzt verstanden, was sichtbar passiert, wenn sie unsichtbar Scheußlichkeiten denken. Ihre Arbeitskolleg*innen, Lieferant*innen, Chef*innen fangen zwar nicht gleich zu weinen an, aber positiv werden sie bestimmt nicht auf Ihre saure Stimmung reagieren.

Die Theorie der Resonanz besagt, dass genau das geschehen wird, wovon wir innerlich ausgehen. Es gibt unzählige Studien die belegen, dass unser Gehirn alles tut, um zu beweisen, wie Recht wir haben.

Aber ich zitiere hier keine Studien, lieber hole ich unsere eigene Lebenserfahrung ins Boot: Wenn Sie z.B. auf Partnersuche sind und mit der Einstellung hinausgehen, bestimmt wieder nur auf Idioten, Ignoranten und Egoisten zu treffen, werden Sie unter Garantie damit erfolgreich sein und jede Menge Bestätigung erleben. Ob das daran liegt, dass alle Egoisten die wenigen netten Menschen schon für sich einkassiert haben, oder doch an der abstoßenden Resonanz, die Sie erzeugen, überlasse ich Ihrer geschätzten Selbstreflektion.

Die Mutigen unter uns könnten ja den Versuch wagen und der ganzen mühevollen Erziehung ein Schnippchen schlagen: seien Sie eine Woche lang einfach dauernd, grundsätzlich, grundlos und mit glaubwürdiger Dosis freundlich – und bleiben Sie es für diese 7 Tage, ohne Wenn und Aber! Wenn Ihnen da nicht mehr Lächeln begegnet, schönere kleine Momente auftauchen, nettere Gesten zurückkommen, dann kann Ihnen zwar wahrscheinlich niemand mehr helfen, aber ich gebe Ihnen trotzdem eine Stunde gratis Coaching.

Für alle anderen spendiere ich einen Kaffee, gemeinsam am Wörthersee, die Füße im Wasser baumelnd. Und wenn das teuer wird, dann weiß ich zumindest, dass diese Welt noch zu retten ist.

Der Volksmund – die Geheimwaffe Nr. 3

Geht es Ihnen auch so? Sie lesen/hören über einen Bericht, eine Studie, eine Recherche und denken sich „na wirklich, das hätt´ ma vorher aber auch schon gewusst“. Der Volksmund (oder auch gesunder Menschenverstand) dagegen, ist treffend in seiner Einfachheit und schlägt in puncto Probanden jede wissenschaftliche Arbeit. Ein paar Beispiele zum Thema Resonanz: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“, oder „Was du nicht willst, das man dir tu´, das füg´ auch keinem andren zu“. Hier noch eine zarte Einladung zu einer besonderen Form der Resonanz: „Etwas vom Duft der Rose, die du überreichst, bleibt auch an dir hängen.“

Womit wir beim Thema Achtsamkeit sind

In der digitalen Welt steigt die Sehnsucht nach Menschlichkeit indirekt proportional mit der Fähigkeit menschlich zu bleiben. 

Die Kriegs- und Kampfrhetorik, das unselige Wirtschaftspostulat des ständigen Wachstums, das Credo der Gewinnmaximierung hat jede Art von Achtung unschick gemacht. Inzwischen sind wir ja Gottseidank weiter und lehnen uns auf gegen diese vergoldete Selbstzerfleischung.

Wir fordern immer hörbarer Achtung ein, oft auch als Respekt verstanden, tatsächlich aber diesem weit überlegen. Für Achtung brauche ich ein Mindestmaß an „Liebe“, Respekt funktioniert auch mit Angst.

Warum wohl ist unsere Jugend so wehleidig? Wieviel Achtsamkeit, außer dem materiellen Komfort, wurde ihr denn mitgegeben?

Achtsamkeit schließt das Bewahrende genauso ein, wie das Erschaffende. Sie macht aus dem Alltäglichen das Besondere, aus dem Menschen dir gegenüber eine Persönlichkeit, aus dem Versuch eine Einladung, aus dem Anderssein eine neue Möglichkeit.  

Schnappschüsse zur positiven Lebenseinstellung

Bewahren Sie sich also folgende drei Schnappschüsse:

  • Dankbarkeit für das, was da ist, verändert den Fokus ins Positive
  • Resonanz ist ein ganzheitliches Steuerungselement
  • Die soziale Schwarmintelligenz (Volksmund) gibt uns eine unkomplizierte und verlässliche „Anleitung zum Glücklichsein“

Zur Autorin

Johanna Macher-Kramberger arbeitet seit rund 15 Jahren als Trainerin und Coach im Bereich Personal Leadership, Kommunikation und Unternehmenskulturentwicklung. Zuvor hat sie als Architektin an internationalen Projekten u.a. in Amsterdam und Kiew gearbeitet. Die Studien der Architektur und Bildhauerei hat sie in Graz, Venedig und Wien absolviert.

Als Jüngste von drei Kindern musste sie sich früh Strategien überlegen, um mitzuhalten und konnte später diese Strategien in der Interaktion von Pferden und deren Gesetzen zur Herdenstabilität wiederfinden. Umgelegt auf zwischenmenschliche Situationen im Berufskontext werden Schieflagen und Herausforderungen damit überraschend einfach bewältigbar.  Nach dem Grundsatz, je einfacher, desto wirksamer, je intuitiver desto nachhaltiger, entwickelte sie auch den Typenkompass, ein bestechend treffendes und leicht anwendbares Persönlichkeitsmodell.

Ihre Trainerausbildung hat sie an der internationalen Trainerakademie bei Dale Carnegie absolviert, mit der sie immer noch auf nationaler und internationaler Ebene kooperiert.

2018 gehörte sie zu den drei besten Trainer*innen im EMEA Raum (Europa, naher Osten, Afrika) und gründete in diesem Jahr ihr eigenes Unternehmen Stark-Macher, um Ihren Fokus auf Personal Leadership in der Unternehmenskultur, Körpersprache und Selbstwirksamkeit weiter zu vertiefen und die Arbeit mit Pferden im Coaching auszubauen.

Johanna Macher-Kramberger lebt in der Steiermark nahe Graz und bietet dort auch einen exklusiven Rahmen für Seminare und Ausbildungen an. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder.  

www.stark-macher.at

jomacher@stark-macher.at

0043 676 60 70 929