Erfolg ist sehr subjektiv, hinlänglich wird als Erfolg bezeichnet, wenn jemand die gesteckten Ziele erreicht. Erfolg entzieht sich oft einer eindeutigen Messung, vor allem, wenn Erfolg nicht als rein ökonomische Größe definiert wird. Der berufliche Erfolg kann daher nur eine Dimension im Leben eines Menschen sein, sie ist nach außen hin aber die sichtbarste Dimension.

Studien, die die Einflussfaktoren beruflichen Erfolges von Top-Führungskräften untersuchen, attestieren erfolgreichen CEOs folgende Fähigkeiten (vgl. Botelho, Powell, Kincaid, Wang 2017): sie sind in der Lage Entscheidungen treffen. Dabei geht es nicht darum immer die richtigen Entscheidungen zu treffen, sondern darum, entscheidungsfreudig zu sein. Erfolgreiche Führungspersönlichkeiten entscheiden früher, schneller und mit größerer Überzeugung. Sie wissen, dass eine falsche Entscheidung oft besser ist, als keine. Des Weiteren sind erfolgreiche Leader mit einem starken Umsetzungsdrang ausgestattet. Sie setzen sich intensiv mit den Interessen ihrer Stakeholder und Widersacher auseinander um diese an Board zu holen und Dinge in die Umsetzung zu bringen. Sie sind sehr anpassungsfähig und setzen sich aktiv mit der längerfristigen Zukunft auseinander. Die Studie von Botelho et al. (2017) zeigt, dass erfolgreiche Leader bis zu 50% ihrer Zeit mit Langfrist-Denken verbringen. Dazu gehört das Screening von Informationen, die auch weit vom unmittelbaren Aufgaben- und Geschäftsbereich entfernt sind. So können schwache Signale früh erkannt und Entwicklungen pro-aktiv mitgestaltet werden.

Aufstiegskompetenz ins Licht gerückt

Die oben genannte Studie zeigt, wodurch sich erfolgreiche von weniger erfolgreichen Führungskräften unterscheiden, sie erklärt jedoch nicht, wie diese in ihre Führungsposition gelangt sind. Neben der Führungskompetenz sollte daher auch der Aufstiegskompetenz Augenmerk geschenkt werden (vgl. Stocker 2017). Hier zeigt sich, dass eine frühe Auseinandersetzung mit dem eigenen Erfolg und ein gewisses Ausmaß an Planung und Zielsetzung wichtige Bausteine auf dem Weg zum Erfolg sind. Wer eine konkrete Idee zum eigenen Lebensentwurf hat, wird leichter Handlungen setzen können, die diesem Lebensentwurf in die Umsetzung verhelfen. Dies ist insbesondere wichtig, um die Attraktivität von unterschiedlichen Optionen zu beurteilen, die sich sehr oft unerwartet ergeben. Mit einer klaren Vorstellung von der Zukunft lässt sich das Potenzial von sich eröffnenden Chancen und ihre Wirkung auf den eigenen kurz- und langfristigen Erfolg besser einschätzen.

Frauen haben es in aller Regel etwas schwerer in Führungspositionen zu gelangen: einige der externen Faktoren, die es uns schwerer machen sind die gläserne Decke, Old-Boys-Netzwerke und höherer erforderlicher Einsatz im Vergleich zu Männern (vgl. z.B. Groysberg et al. 2013). Manchmal stehen Frauen aber auch typisch weibliche Tugenden, wie z.B. Bescheidenheit, im Wege: die Idee, dass Leistung schon belohnt werde, bewahrheitet sich leider allzu oft nicht. Bescheidenheit ist hier fehl am Platz und Frauen müssen ihre Leistungen sichtbar machen. Auch hinsichtlich des zu verhandelnden Gehalts geben sich Frauen sehr oft mit weniger zufrieden, als möglich wäre. Wenn sie aber für andere Frauen als Mentorinnen das Gehalt erstreiten, so zeigt eine Harvard Studie, dass sie sogar in der Lage sind, weit höhere Gehälter zu verhandeln als die Vergleichsgruppe der Männer, die für sich selbst verhandelte (vgl. Stocker 2017).

Mut zur Veränderung

Für mich persönlich eine der wichtigsten Botschaften für den beruflichen Erfolg ist: „You cannot win, if you don’t play!“ (Barbulescu & Bidwel in: Spotlight HBR 2013). Nur wer ins Rennen einsteigt, kann auch gewinnen. Viele Frauen scheuen noch immer davor zurück, sich für Führungspositionen zu bewerben und vergeben damit die Chance auf Aufstieg von vorherein. Eines meiner Lieblingszitate stammt von Louis Pasteur, einem französischen Chemiker, Wissenschaftler und Erfinder im 19. Jhd., der auch als Mitbegründer der medizinischen Mikrobiologie gilt und der in seinen Aufzeichnungen schrieb: „Chance favours only the prepared mind“ was in etwa bedeutet „Der Zufall hilft dem vorbereiteten Geist“. Es bringt eine Haltung der Aufmerksamkeit und Vertiefung zum Ausdruck, die es der aufmerksamen Beobachterin erlaubt, Veränderungen frühzeitig wahrzunehmen und richtig zu interpretieren. Auch in meiner eigenen beruflichen Laufbahn haben sich immer wieder unerwartet Weggabelungen aufgetan – ich habe mich meist für das Neue entschieden, wenn ich den Eindruck hatte, es würde meine Optionen erweitern und die Aufgabe könnte mir Freude bereiten. Sich für das Unsichere zu entscheiden, ist nicht immer leicht und meist wäre es komfortabler, beim Status-Quo zu bleiben. Aber beruflicher Erfolg ist vor allem auch persönlicher Einsatz und Veränderungsbereitschaft. Wer diese Lust mitbringt, Dinge zu verändern, umzusetzen und gestalterisch tätig zu sein, wird auch dem beruflichen Erfolg nahe sein.

Text zur Autorin

Rita Faullant ist Professorin an der Universität Klagenfurt und geschäftsführende Direktorin der M/O/T School of Management, Organizational Development & Technology (www.mot.ac.at). Sie war von 2014 – 2020 als Professorin für Innovationsmanagement an der University of Southern Denmark tätig und ist akademische Entwicklungspartnerin des Innovations-Benchmarking-Tools innovate!new in Kooperation mit der Plattform für Innovation.

Rita Faullant promovierte im Fach Marketing und Strategisches Management und habilitierte sich in Betriebswirtschaftslehre. Ihre Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Innovationsmanagement, Digitalisierung und Technologiemanagement, Business Model Innovation, Open Innovation, Kreativität und Innovationskultur.

Die M/O/T School of Management ist die Business School der Universität Klagenfurt und bietet akademische Weiterbildungen im Bereich Leadership und Management, Digitalisierung und Gesundheit an und erstellt personalisierte Inhouse-Programme für Weiterbildungen in Unternehmen.

Quellenangaben

Botelho E., Powell K., Kincaid St., Wang D. (2017): “What Sets Successful CEOs Apart”, in: Harvard Business Review. May/June, Vol. 95 Issue 3, p70-77. 8p.

Groysberg B.; Bell D. (2013): „Dysfunction in the Boardroom”, in: Harvard Business Review. June, Vol. 91 Issue 6, p88-95. 8p

Spotlight (2013): “Women in the Workplace: A Research Roundup”, Harvard Business Review, September, Issue 1, p.- 86-89.

Stocker L. (2017): “Karriereplanung, Aufstieg, Führung – was Frauen erfolgreich macht“, in: Buchenau P. (Hrsg): Chefsache Frauen II, Springer Gabler, Wiesbaden, S. 209-241.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Pasteur

Im Normalfall sind wir 40 Jahre im aktiven Berufsleben eingebunden. Wir verbringen damit 72.000 Stunden unseres Lebens MIT unserem TUN. Nicht eingerechnet die Zeit, in der wir uns gedanklich mit unserem Job beschäftigen.

Für den Artikel habe ich mich eingehend mit dem Monatsjournal „brand eins“ und vielen Motivationsbüchern beschäftigt. Allen ist gemein: nur Menschen, die bewusst und mit Freude handeln, werden Erfolg haben.

Was ist Erfolg?

Erfolg kann überall erreicht werden: im Sozialwohl, in der Kunst, in der Wirtschaft, in der Forschung oder Beratung, im Sport und in der Familie. Jede Einzelne von uns hat die Chance, eigene Kriterien für ihren Erfolg zu definieren. Erfolg steht und fällt mit den eigenen Erwartungen.

Was steht am Anfang?

„Vergeuden Sie nicht Ihre Zeit damit, dass Sie das Leben eines anderen leben“.

Steve Jobs

Frau muss sich nicht so verhalten, wie man(n) es von ihr erwartet. Lass dich in kein Schema pressen. Das bedeutet aber nicht, dass wir dazu männlicher, als Männer werden müssen: Erfolg muss (auch) fraulich sein. Finde heraus, was in dir steckt, und tue es mit aller innewohnenden Leidenschaft. Lass dich nicht vom Weg abbringen, höre jedoch auf die Anregungen deines Umfelds.

Es bedeutet auch Rückschläge nicht zu ignorieren oder zu verleugnen, sondern ziehe wichtige Lehren für den künftigen Erfolg.

Akzeptiere Fehler daher als Ressource persönlichen Wachstums, frei nach dem Motto: „Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen“

Was bringt mich meinen Zielen näher?

Viele stecken sich große Ziele, und verzagen dann, wenn nicht gleich alles klappt. Setze dir erreichbare und messbare „Etappenziele“, halte dir aber immer das große Ziel vor Augen. Hole dir Mitstreiter, die dich unterstützen, sei es mental und/oder finanziell. Suche dir Rat bei Menschen, die bereits Erfolg haben. Werde zum Business-Querdenker: denn in der eigenen Branche findest du keine coolen Ideen.

Anja Förster führt in ihrem Buch aus, dass Benchmarking und Best-Practices in der eignen Branche immer nur der magere Versuch sind, die eigene Ideenlosigkeit zu kaschieren. Und weiter:

„Es ist ein alter und dennoch wahrer Spruch: Kein Unternehmen übertrifft seine eigenen Erwartungen. Wenn Manager meinen, dass ihre Firma 5 bis 10 Prozent Wachstum erwirtschaften kann, dann wird auch genau das der Fall sein. Maximal. Wenn Manager der Meinung sind, dass die Branche stagniert, dann werden sie auch ihr Unternehmen nicht vorwärtsbewegen. Die eigenen Überzeugungen und Glaubenssätze bestimmen immer die Obergrenze der Möglichkeiten. Sie sind selbsterfüllende Prophezeiungen. Radikale Innovatoren setzen sich deshalb auch maßlose, ja tollkühne Ziele. Das ist gesunder Größenwahn.“

Anja Förster

Kurzum: „sei realistisch, versuche das Unmögliche“. Dazu kann sich frau – unter anderem – Anregungen aus dem edition brand eins, 4. Jahrgang Heft 13 -Artikel „Vorbilder“ holen.

Für mich als Beraterin war und ist immer wichtig, den anderen zu verstehen, mich zuerst in die Lage des anderen zu versetzen, seine/ihre Ziele und Motivationen zu verstehen, um dann die maßgeschneiderten Vorschläge zu erarbeiten. Empathie ist ein Baustein zum Erfolg.

Lust als Antriebfeder

Der Weg zum Erfolg ist nicht immer mit Freude verbunden; oft erfordert es zähes Durchhalten.

Deshalb vergiss nicht deine Erfolge zu feiern: auch deine (Teil-)Erfolge sind lustvoll zu genießen. Belohne dich für deine Erfolge, sei es mit einem langen Spaziergang oder einem schönen Essen… was immer dir guttut. Aber halte dir immer dein großes Ziel vor Augen … vielleicht schon morgens auf dem Spiegel, an dem ein Bild DEINES Ziels hängt?

Für Fortgeschrittene

Gerate aber auf alle Fälle nicht in die Falle, dich auf deinem Erfolg von gestern auszuruhen. Der amerikanische Leadership-Experte Warren Bennis sagte:

„Selbst erfolgreiche Unternehmen können sich in Zukunft zugrunde ruinieren, wenn sie weiterhin so vorgehen wie in der Vergangenheit“.

Warren Bennis

Deshalb etabliere ein Radarsystem zur Wahrnehmung anstehender sozialer und technologischer Veränderungen deiner Umwelt.

Meine Mutter hat im Jahre 1951 unsere Kanzlei gegründet und war Vorreiterin in der Datenverarbeitung. Die dafür notwendige „Maschine“ wog 1,5 Tonnen; Ersatzteile dafür gibt es seit Jahrzehnten nicht mehr.

Standardisierte Abläufe sind daher keine Errungenschaft der Jetztzeit. Digitalisierung ist heute für uns state of the art. Cloud Computing und softwaregestützte Kollaborationslösungen sind die Schlagworte der Gegenwart. Was aber immer bleibt ist die persönliche Beratung auf Augenhöhe.

Auf zur Zweitkarriere

Hat man erst einmal Erfolg, „von dem anfangs dachte, dort warte ein anderes, leichteres, interessanteres Leben, stellt man bald fest, dass es keinesfalls einfacher wird – oben bleiben ist auch Arbeit. Denn Erfolg ist flüchtig.“ (entnommen aus dem Text von Peter Lau, aus brand eins Heft 1, Januar 2014)

Erfolgreiche Unternehmerinnen, wie auch Künstlerinnen, müssen daher ständig auf der Suche nach Neuerem, Besserem sein. Dies kann, ja muss mit Freude und Lust geschehen.

Es gibt kein Ausruhen auf dem Erreichten.

Wenn frau das verinnerlicht, macht dieser Prozess des ständigen Erneuerns, gleich eines Baumes im Frühling, Lust und hält uns jung – geistig wie körperlich – und führt zu weiteren Höhepunkten auf der Erfolgsleiter. Das hat der französische Politiker Jean Jaurès (1859-1914) schon erkannt, indem er ausführte:

„Tradition bedeutet nicht die Anbetung der Asche (sprich Vergangenes), sondern die Kunst das lodernde Feuer weiterzugeben“.

Jean Jaures

Für die langjährig erfolgreichen Frauen unter uns daher der Tipp: Sprecht nicht über Vergangenes, sondern sucht Erfolg in der Gegenwart.

Über die Autorin:

Mag. Annemarie Pippan, Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin

Als geschäftsführende Gesellschafterin der Pippan & Partner Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatung in Villach, bin ich Teil eines hoch motivierten Teams, das unseren Mandanten mit Rat und Tat zur Seite steht. Um ihnen auch über die Grenzen hinaus beistehen zu können, sind wir Mitglied von UHY International, einem international agierenden Netzwerk.

Mit 23 Jahren wurde ich zur jüngsten Steuerberaterin Österreichs bestellt und übernahm die, im Jahre 1951 von meiner Mutter gegründeten Steuerberatungskanzlei.

Darauf folgten:
– die Vereidigung zum Wirtschaftsprüferin.
– die Prüfung zur Finanzstrafrechtsexpertin
– die Prüfung zur Verfahrensrechtsexpertin und
– Prüfung zur Immobilienrechtsexpertin

In der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer arbeite ich im Fachsenat für Sozialversicherung mit; leiste Berufskollegen finanzstrafrechtlichen Beistand; bin Mitglied der Prüfungskommission für Steuerberater in Kärnten und unterrichte an der Fachhochschule in Villach werdende Berufskollegen. Zudem halte ich laufend Vorträge und bin österreichische Verantwortliche des österreich-/italienischen grenzüberschreitenden Steuerberater-Kongresses.

Ich bin mit einem deutschen Wirtschaftsprüfer verheiratet. Mein Sohn Paul arbeitet bereits als Berufsanwärter in unserer Kanzlei mit.

Frustfreies Golf und laufendes Erleben großer und kleiner Erfolge genieße ich bewusst.

www.pippan-partner.com

Quellenangaben:

Anja Förster, Peter Kreuz: Alles, außer gewöhnlich. Provokante Ideen für Manager, Märkte, Mitarbeiter.
Brand 1, Heft 1, Januar 2014

Lust auf beruflichen Erfolg.

Wow! Was für eine Headline! „Lust“ und „Erfolg“ – gleich zwei so bedeutungsschwangere und emotional aufgeladene Begriffe in einem Atemzug!
Schon ein bisschen dick aufgetragen, nicht?
Und überhaupt, ist diese Kombi nicht einigermaßen realitätsfremd?
Passt ein Begriff wie Lustgewinn überhaupt ins berufliche Umfeld, bzw. darf denn das sein?
Per Wikipedia-Definition bezieht sich der Begriff „Lust“ [… auf Erfahrung, die sich gut anfühlt, … die den Genuss von etwas beinhaltet]*.
Schön, das wäre ja schon einmal recht wünschenswert, denn wer geht nicht gerne einer Tätigkeit nach, die sich „gut“ anfühlt?
Der Eintrag besagt dann auch weiters, dass Lust […in engem Zusammenhang mit Wert, Begierde und Handlung] steht.
Und auch diesen Punkt würden wir gerne abhaken, denn selbstverständlich leiten wir unseren persönlichen Wert auch von beruflichen Handlungen und Erfolgen ab und „messen“ unsere Performance daran.
Darüber hinaus ist dann aber sogar noch vom „Zustand des Flow“, von „Wohlbefinden“, ja sogar „Glück“ die Rede!!!!
Also, spätestens jetzt ist dann aber auch mal gut, nicht?
Schließlich geht es in unseren Jobs um 40-Stunden-Wochen, die ständig lauernde Bedrohung aufgrund von Mehrfachbelastungen und Dauerstress ins Burn-out abzudriften, das tägliche Hick-Hack mit nervigen Mitarbeiter*innen und /oder Kolleg*innen und zum Drüberstreuen vielleicht auch noch narzisstisch veranlagte Vorgesetzte und Kund*innen!?
Wo bitte bleibt da die Lust? Vom Erfolg, der sich auf diesem kargen, von Frustration gedüngten Boden entfalten soll, gar nicht zu reden!

Beruflicher Erfolg – eine geheime Rezeptur?

Und dennoch gibt es sie. Jene Menschen, die diese beiden Begriffe im Zusammenhang mit ihren Jobs ganz selbstverständlich nennen.
Die erzählen, wie „wohl“ sie sich in ihren Jobs fühlen, wie sehr sie ihre Arbeit erfüllt und dass es sich „richtig und gut“ anfühlt, genau das zu tun, was sie tun.

Schon beneidenswert, oder?

Und ganz selbstverständlich drängt sich anders Empfindenden die Frage auf:
„Wie machen die das, bzw. was machen die anders?“
Die Antwort darauf klingt zunächst geradezu unverfroren banal:
Diese Menschen treffen eine Wahl.
Ganz bewusst, ganz persönlich und – das ist der Wermutstropfen dabei – mit allen Konsequenzen.

Denn deren Interpretation von Erfolg mag eventuell ein wenig vom gängigen Verständnis abweichen.
Anstatt des angestrebten „höher, schneller, weiter und mehr“ beziehen diese Menschen ihre persönlichen Erfolgserlebnisse primär aus Anerkennung und Wertschätzung, den positiven Feedbacks ihrer Umgebung, als auch Fortschritten und Errungenschaften in ihrer Arbeit.
Die monetäre Vergütung ihrer Tätigkeit gehört naturgemäß zwar dazu, ist aber eher zweitrangig.

Das zweite Glück – oder: endlich angekommen!

Hier ein praktisches Beispiel zur Veranschaulichung:
Eine ehemalige Kollegin und liebe Freundin von mir, Alleinerzieherin einer damals 17-jährigen Tochter, wurde ganz unvermittelt, kurz vor ihrem 50. Geburtstag mit einem „golden Handshake“ aus ihrem über 25 Jahre, mit hohem Engagement ausgeübten Bürojob, verabschiedet.
Was für ein Wahnsinn – dachte ich zumindest!!! Katastrophe, Zusammenbruch, Panik-Orchester?! Weit gefehlt!
Der Guten kam dieser ungeplante Schubs nämlich ganz recht. Und so hat sie diese anfängliche Herausforderung als „ihre“ Chance an- und wahrgenommen, sich beruflich völlig neu aufgestellt und damit einen Herzenswunsch erfüllt.
Heute – ungefähr 6 Jahre später – begleitet sie, nach erfolgreich absolvierter Schule für Sozialbetreuungsberufe (ja, für ihren Traumjob musste sie auch noch einmal die Schulbank drücken!), Menschen mit Handicap durchs Leben und hat in dieser Aufgabe ihr Glück und ihre Erfüllung gefunden.
Also, ich liebe dieses Beispiel, erzähle und teile es sooft ich kann, denn ich finde, dass es Mut macht!
Mut, sich aus der vermeintlichen Gemütlichkeit in unseren Komfortzonen herauszuwagen, unbekannte Wege zu beschreiten, in unbekannten Wassern zu schwimmen, etwas gänzlich Neues zu beginnen und darin völlig aufzugehen.

Aber dieses Beispiel ist nur eines von vielen, denn auch meine Gespräche mit anderen Frauen, zum Teil Start-Up Gründerinnen beweisen, dass es gerade jetzt – wahrscheinlich auch der momentanen Pandemie-Situation mit Unsicherheit und Unplanbarkeit geschuldet – viele gibt, die ihr Leben neu denken, planen und umsetzen (wollen).
Besonders bemerkenswert bei diesen Neustarts und Umorientierungen ist für mich deren augenscheinliche Alterslosigkeit, denn es scheint auffallend viele jenseits der 50 zu geben, die diesen Schritt wagen.

Ich (ver)traue mich (mir)!


Bitte verstehen Sie mich nicht falsch – dieser Blog-Beitrag soll nicht als Aufforderung verstanden werden, sein Leben auf Biegen und Brechen umzukrempeln, nur weil das jetzt viele tun. Nein, ich möchte ihn vielmehr als Einladung zu bewusster und erwünschter (Ver)Änderung verstanden wissen, für alle jene, die einen Leidensdruck, oder wie im positiven Fall, einfach den Wunsch dazu verspüren. Er soll aber auch Mut und vor allem Lust machen, andere, neue Facetten an sich zu entdecken und zuzulassen, aber gleichzeitig auch das sichere Gefühl vermitteln, dass es niemals zu spät ist, seinem beruflichen Erfolg und Lebensglück – denn diese beiden Dinge sind für mich untrennbar miteinander verbunden – auf die Sprünge zu helfen.

In diesem Sinne: Let`s flow! 😊

Über die Autorin

Birgit Nicolelli-Fulgenzi-Laßnig, gerade noch 48 😉, glücklich verheiratet
Studierte Anglistin/Amerikanistin und Kunsthistorikerin
Marketing-, PR- und CSR-Expertin, Brand Managerin und Mentaltrainerin
Überzeugte Optimistin, neugierige und begeisterte Netzwerkerin

Quellenangaben:

* https://de.wikipedia.org/wiki/Lust

Das Jetzt und das Hier

Der Ausdruck “Achtsamkeit”, bekannt auch als “Mindfulness” könnte mit den Aufforderungen „Lebe in dem Jetzt!“ oder „ Erlebe das Jetzt bewusst!“ umschrieben werden.

Das mag wohl ziemlich abstrakt klingen, ja sogar zu philosophisch und zu weit von unserem Alltag, oder aber zu einfach und banal.

Wir betrachten uns als pragmatische Menschen, die ständig mit materiellen Dingen beschäftigt sind. Besonders wir Frauen müssen oft unzählige Aufgaben unter einen Hut bringen: Karriere, Familie, soziale Beziehungen, Verantwortungen jeglicher Art. Es bleibt uns kaum Zeit für uns, ganz zu schweigen unseren spirituellen Teil zu entwickeln. Denn wer von uns hat mal Zeit für so etwas? Und solange wir in dieser Haltung verharren, verpassen wir vieles.

Wir laufen Gefahr, unsere Jetztzeit zu verschwenden, indem wir den Augenblick ausblenden und vergessen, dass das Jetzt ein wichtiger Teil unseres Lebens ist. Denn das Leben kann nur an einem einzigen Zeitpunkt gelebt und gestaltet werden: genau hier und genau jetzt. Das Leben entfaltet sich in dem Augenblick, den wir gerade erleben. Wir können weder die Vergangenheit ändern noch die Zukunft voraussehen. Das bedeutet, dass jede Energie, die auf Dinge gerichtet ist, auf die wir keinen Einfluss haben können, einfach verschwendete Energie ist. Die Sorge um die Zukunft kann zu Angststörungen, Depressionen und Selbstzweifeln führen, da wir uns dessen bewusst sind, dass wir keinerlei Kontrolle über sie haben. Und dabei bleibt keine Aufmerksamkeit für den Augenblick übrig.

Die Devise lautet also: Statt Eiltempo im Jetzt verweilen! Na ja, einfacher gesagt als getan. Wie lässt sich so was im Alltag tatsächlich verwirklichen? Die Antwort klipp und klar: Das eigene Denken ändern, um uns von negativen Denkmustern zu lösen!

Für die alten Griechen war eine ausgewogene Lebensweise die wichtigste Tugend überhaupt.  Wenn Körper und Seele im Einklang sind, dann befinden wir uns in unserer besten Verfassung.  Und zu diesem Ergebnis können wir aber nur gelangen, wenn wir uns von falschen Vorstellungen befreien und richtig über den Alltag denken.  Ein gesundes Seelenleben ist die beste Medizin gegen vieles Übel.  Oft machen wir mehrere Sachen gleichzeitig – typisch für uns Frauen. Darüber hinaus sind wir oft von Schuldgefühlen geplagt, wenn wir es nicht geschafft haben, das zu tun, was wir uns vorgenommen hatten. Wir schalten den Autopiloten ein und stürzen uns mit Scheuklappen in die tägliche Routine, damit wir das gesetzte Ziel schnell und systematisch erreichen können.

Die innere Unruhe

Oft kommt dazu, dass wir uns mehr zumuten, als wir tatsächlich aushalten können. Der Druck der täglichen Routine wird immer stärker und wir geraten in eine Spirale von unmöglichen Herausforderungen. Sobald wir feststellen, dass wir mit diesen nicht wie geplant umgehen können, werden wir Opfer innerer Unruhe, auch aus Mangel an Selbstwertgefühl und wegen verschiedener Ängste. Der Philosoph Epikur schreibt:

Nicht der Bauch ist unersättlich, sondern die falsche Vorstellung von dem unbegrenzten Anfüllen des Bauches“.[1]

Epikur

Das gesunde Maß wird überschritten, wenn wir unserer Begierde nachgeben. Jedes Mal, wenn wir von allen geliebt werden wollen, wenn wir Erfolg erreichen, die Besten sein oder anerkannt werden wollen, kann es zu einer Überforderung kommen – besonders wenn die Sachen nicht so laufen, wie wir es uns vorgestellt haben. Es kommt zu einer geistigen Überforderung, weil wir unsere Erwartungen nicht entsprechen. 

Der Schlüssel zur Lösung

Der Schlüssel zur Lösung ist hier das gesunde Denken. Wir können damit beginnen, indem wir unsere Werturteile hinterfragen. Diese zu relativieren bedeutet, sich zu fragen, ob sie wirklich mit unserer wahren Natur übereinstimmen oder ob diese uns von der Gesellschaft durch weit verbreitete Konventionen – wie z.B die Anerkennung der anderen oder soziale Absicherung – auferlegt wurden.  Entsprechen meine Wertvorstellungen meinen Bedürfnissen? Warum strebe ich nach Karriere, Erfolg oder Anerkennung? Wenn diese Faktoren meine Gesundheit gefährden, dann sind sie keine Werte.  Indem man in sich geht, hat man größere Chancen, den Weg zu sich zu finden und sich zu verwirklichen, allerdings basierend auf den eigenen Vorstellungen und Werten und nicht auf denen der anderen.  Authentizität und Harmonie mit sich selbst erlauben uns zur inneren Ruhe zu kommen.

Den Sinn im Leben finden

Indem wir unsere Handlungen verlangsamen, erweitern wir unser Bewusstsein und somit kann es uns gelingen, uns auf das Wesentlichste zu konzentrieren. Aber was ist dieses Wesentliche? Für mich ist es, den Sinn im Alltag und im Leben zu finden. Ich meine damit, dass man eine Vision hat oder dass man nach einem Ziel strebt, das einem Freude bereitet. Ohne Visionen, Träume oder Ziele laufen wir Gefahr, den Sinn in unserem Leben zu verlieren und dadurch existentiell frustriert zu werden. Das kann zur Selbstentfremdung führen. Wir erkennen uns nicht mehr, weil wir das Leben leben, das andere für uns gewählt haben oder wir haben uns für ein Leben entschieden, das uns anfangs sicherer erschienen ist. Auf Dauer allerdings stellen wir fest, dass es nicht das ist, was uns glücklich macht. Egal, ob es uns gelingt die Dinge zu ändern (und manchmal kann dies schwierig sein): Wichtig ist es, sich stets zu fragen, ob wir so leben, wie wir es uns vorgestellt haben und ob wir etwas machen können, um das zu ändern, was uns unglücklich macht. Allein dieser Denkprozess kann in uns Wunder wirken. Das Wort Prozess kommt aus dem Lateinischen „procedere“, „vorwärts gehen“, also stellt schon einen ersten Schritt vorwärts in Richtung Veränderung dar. Wie alle Prozesse erfolgt die Veränderung nicht von heute auf morgen, sondern verlangt Zeit und innere Reife. Wunderschön schrieb Rilke über die Geduld:

„Man muß den Dingen

die eigene, stille,

ungestörte Entwicklung lassen,

die tief von innen kommt,

und durch nichts gedrängt

oder beschleunigt werden kann;

alles ist austragen – und

dann gebären….“

Rainer Maria Rilke

Ein Buch kann helfen

Viktor Frankl sprach von einem Sinnlosigkeitsgefühl, welches mit einem existentiellen Vakuum verbunden ist. In seinem Festvortrag zur Eröffnung der Buchwoche `75 in der Wiener Hofburg beschrieb er, wie eine gute Lektüre den Stress des Alltags erleichtern kann. Für ein Buch muss man sich entscheiden, man muss es kaufen oder entleihen, man muss es lesen, durchblättern und sich Gedanken darüber machen. Man muss sich einfach Zeit dafür nehmen, was uns dazu führt, eine Zeit lang unsere Gedanken vom alltäglichen Stress wegzulenken. Das Lesen trägt dazu bei, zu sich zu kommen und sich zu besinnen. Ein Buch hilft uns, von der Peripherie zum Zentrum zu kommen.

Wir rücken in den Vordergrund. „Es (das Buch ) entlastet uns vom Leistungsdruck, von der Vita activa, und ruft uns zurück in die Vita contemplativa, ins beschauliche Dasein, wenn auch nur von Zeit zu Zeit“.[2]

Viktor Frankl

Jedes Mal, wenn wir ein Buch aufschlagen, beginnen wir eine Reise und erforschen ein neues Universum (wie Marguerite Duras sagte). Ich möchte mit einem Zitat von Jorge Bucay, dem bekannten argentinischem Autor und Psychiater schließen:

„Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen“.  

Jorge Bucay

Über die Autorin Alessia Battaglia

Ich schreibe und philosophiere aus Leidenschaft. Das Recherchieren und das Schreiben sind Teil meines Alltags. Seitdem ich mein Studium der Philosophie an der AAU Klagenfurt begonnen habe, vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht mit philosophischen Themen beschäftige. Als gebürtige Italienerin stellt für mich ein Studium der Philosophie in deutscher Sprache eine echte Herausforderung dar, aber meine Herkunft aus der Toskana, Heimat der Kultur und der Kunst, hilft mir dabei, geistig eine Brücke zu schlagen und erleichtert mir dieses intellektuelle Abenteuer.

Ich habe bereits von klein auf begonnen, mir Fragen über das Leben zu stellen. Berühmte Persönlichkeiten wie Dante Alighieri, Lorenzo il Magnifico oder Giordano Bruno haben meine Schuljahre begleitet und mein Denken beeinflusst.
Beruflich bin Ich bin seit vier Jahren Projektmanagerin in Klagenfurt. Vorher war ich fast 15 Jahre lang im Finanzwesen in internationalen Unternehmen tätig. Ich bin Mutter von zwei Mädchen.

Darüber hinaus bin ich Lehrende und Vortragende bei der Dante Alighieri-Gesellschaft.
Vor kurzem habe ich begonnen beim Mädchenzentrum Klagenfurt mitzuarbeiten, weil ich der Meinung bin, dass in Frauen das Potenzial für eine stärkere und gerechtere Gesellschaft liegt.

Quellenangaben:

[1] Kitzler, Albert (2016): Denken Heilt! Philosophie für ein gesundes Leben. München: Drömer Verlag. S.47

[2] Frankl,Viktor E. (2017): Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn. München: Piper Verlag. S. 19

Nehmen Sie ihre Kaffeetasse und trinken Sie die Hälfte aus. Was denken Sie nun, wenn Sie in Ihre Tasse blicken? Ist sie halb voll, oder halb leer?  So einfach prüfen Sie mit welcher Haltung Sie im Leben stehen: Mangelorientiert, oder pragmatisch den Möglichkeiten zugewandt?

Die innere Haltung, unsere Lebenseinstellung ist uns weder in die Wiege gelegt, noch ist sie ein Produkt unserer Lebenserfahrungen. Vielmehr ist sie das, was wir daraus machen, wie wir an einem Beispiel nachvollziehen können, das mich seit Jahren begleitet:

Im Studium hatte ich einen Kollegen aus Ruanda. Er war ein sanfter, höflicher, fröhlicher, zuversichtlicher Mensch, der oft sang und uns gern bekochte. Als er nach Österreich kam, dachte er, die Menschen hier würden wohl immer lächeln, sehr glücklich sein und mit Leichtigkeit durch ihr Leben gehen. Er war verwundert, denn das Gegenteil war der Fall. Obwohl niemand Hunger hatte, jeden Tag in einem warmen Bett einschlief und keine Angst vor nächtlichen Überfällen oder willkürlicher Gewalt haben musste, war niemand grundsätzlich gut gelaunt. Inmitten des Glücks, keine Freude, nicht einmal Dankbarkeit.

Er hätte Grund genug gehabt bedrückt zu sein, denn seine Familie starb in den Stammeskriegen. Schritt für Schritt hatte er buchstäblich alles verloren. Familie, Heimat, finanzielle Existenz. Aber er war dankbar für das Wenige, das ihm geblieben war. Erinnerungen, Freunde, Gesundheit, Frieden und Sicherheit. Er wusste nicht, ob er eine Zukunft haben würde, was ihn aber nicht daran hinderte zu schätzen, was er hatte.

Leicht war sein Leben nicht, aber seine Haltung machte den entscheidenden Unterschied. Heute ist er verheiratet, hat Kinder und einen Beruf.

Warum fällt es uns so schwer im Überfluss genug zu haben? Vielleicht weil der Ritt auf einem sehr hohen Ross auch eine größere Angst vorm Aufprall mit sich bringt? Es gehört hierzulande zum guten Tun immer mehr zu wollen, oder zumindest mit schweren Aufgaben belastet zu sein. Wer sich zufrieden zeigt, oder sogar genießt, macht sich per se verdächtig. 

Dankbarkeit als Geheimwaffe Nr. 1

Tatsächlich ist die Übung des Dankbarseins eine der höchsten Künste der Lebensfreude. Sie wird uns in unserem kultivierten Bildungssystem leider nicht beigebracht, eher aberzogen.

Von frühester Kindheit lernen wir auf Fehler zu achten, über Fehler zu nachzudenken, Fehler jemandem zuzuschreiben, Fehler zu vermeiden. Ein Höllenkultur wird uns da anerzogen, ohne die geringste Chance auf ein redliches Wissen über das Bewahren des Schönen, das Kultivieren des Guten, das Schätzen des Wertvollen.  

Aber bevor wir jetzt frustriert das Handtuch werfen: Erstens geht es allen gleich – und das hat psychologisch einen gewaltigen Trostfaktor – und zweitens können wir jederzeit beschließen auf Schubumkehr zu gehen.

Ein emotional hygienisches Innenleben und die damit einhergehende Resonanz im Außen erfordern Kraft (besonders in der Anfangsphase) und Disziplin im Tun und vor allem im Denken! Die Amortisationsgewinne kommen aber schneller und sind nachhaltiger als wir glauben.

Resonanz – die Geheimwaffe Nr. 2

Was heißt das, Resonanz im Außen erzeugen?

Sehen Sie einem Baby in die Augen und machen Sie ein wütendes Gesicht, am besten auch gleich hässliche Geräusche dazu. Das Baby wird verlässlich weinen – und Sie haben spätestens jetzt verstanden, was sichtbar passiert, wenn sie unsichtbar Scheußlichkeiten denken. Ihre Arbeitskolleg*innen, Lieferant*innen, Chef*innen fangen zwar nicht gleich zu weinen an, aber positiv werden sie bestimmt nicht auf Ihre saure Stimmung reagieren.

Die Theorie der Resonanz besagt, dass genau das geschehen wird, wovon wir innerlich ausgehen. Es gibt unzählige Studien die belegen, dass unser Gehirn alles tut, um zu beweisen, wie Recht wir haben.

Aber ich zitiere hier keine Studien, lieber hole ich unsere eigene Lebenserfahrung ins Boot: Wenn Sie z.B. auf Partnersuche sind und mit der Einstellung hinausgehen, bestimmt wieder nur auf Idioten, Ignoranten und Egoisten zu treffen, werden Sie unter Garantie damit erfolgreich sein und jede Menge Bestätigung erleben. Ob das daran liegt, dass alle Egoisten die wenigen netten Menschen schon für sich einkassiert haben, oder doch an der abstoßenden Resonanz, die Sie erzeugen, überlasse ich Ihrer geschätzten Selbstreflektion.

Die Mutigen unter uns könnten ja den Versuch wagen und der ganzen mühevollen Erziehung ein Schnippchen schlagen: seien Sie eine Woche lang einfach dauernd, grundsätzlich, grundlos und mit glaubwürdiger Dosis freundlich – und bleiben Sie es für diese 7 Tage, ohne Wenn und Aber! Wenn Ihnen da nicht mehr Lächeln begegnet, schönere kleine Momente auftauchen, nettere Gesten zurückkommen, dann kann Ihnen zwar wahrscheinlich niemand mehr helfen, aber ich gebe Ihnen trotzdem eine Stunde gratis Coaching.

Für alle anderen spendiere ich einen Kaffee, gemeinsam am Wörthersee, die Füße im Wasser baumelnd. Und wenn das teuer wird, dann weiß ich zumindest, dass diese Welt noch zu retten ist.

Der Volksmund – die Geheimwaffe Nr. 3

Geht es Ihnen auch so? Sie lesen/hören über einen Bericht, eine Studie, eine Recherche und denken sich „na wirklich, das hätt´ ma vorher aber auch schon gewusst“. Der Volksmund (oder auch gesunder Menschenverstand) dagegen, ist treffend in seiner Einfachheit und schlägt in puncto Probanden jede wissenschaftliche Arbeit. Ein paar Beispiele zum Thema Resonanz: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“, oder „Was du nicht willst, das man dir tu´, das füg´ auch keinem andren zu“. Hier noch eine zarte Einladung zu einer besonderen Form der Resonanz: „Etwas vom Duft der Rose, die du überreichst, bleibt auch an dir hängen.“

Womit wir beim Thema Achtsamkeit sind

In der digitalen Welt steigt die Sehnsucht nach Menschlichkeit indirekt proportional mit der Fähigkeit menschlich zu bleiben. 

Die Kriegs- und Kampfrhetorik, das unselige Wirtschaftspostulat des ständigen Wachstums, das Credo der Gewinnmaximierung hat jede Art von Achtung unschick gemacht. Inzwischen sind wir ja Gottseidank weiter und lehnen uns auf gegen diese vergoldete Selbstzerfleischung.

Wir fordern immer hörbarer Achtung ein, oft auch als Respekt verstanden, tatsächlich aber diesem weit überlegen. Für Achtung brauche ich ein Mindestmaß an „Liebe“, Respekt funktioniert auch mit Angst.

Warum wohl ist unsere Jugend so wehleidig? Wieviel Achtsamkeit, außer dem materiellen Komfort, wurde ihr denn mitgegeben?

Achtsamkeit schließt das Bewahrende genauso ein, wie das Erschaffende. Sie macht aus dem Alltäglichen das Besondere, aus dem Menschen dir gegenüber eine Persönlichkeit, aus dem Versuch eine Einladung, aus dem Anderssein eine neue Möglichkeit.  

Schnappschüsse zur positiven Lebenseinstellung

Bewahren Sie sich also folgende drei Schnappschüsse:

  • Dankbarkeit für das, was da ist, verändert den Fokus ins Positive
  • Resonanz ist ein ganzheitliches Steuerungselement
  • Die soziale Schwarmintelligenz (Volksmund) gibt uns eine unkomplizierte und verlässliche „Anleitung zum Glücklichsein“

Zur Autorin

Johanna Macher-Kramberger arbeitet seit rund 15 Jahren als Trainerin und Coach im Bereich Personal Leadership, Kommunikation und Unternehmenskulturentwicklung. Zuvor hat sie als Architektin an internationalen Projekten u.a. in Amsterdam und Kiew gearbeitet. Die Studien der Architektur und Bildhauerei hat sie in Graz, Venedig und Wien absolviert.

Als Jüngste von drei Kindern musste sie sich früh Strategien überlegen, um mitzuhalten und konnte später diese Strategien in der Interaktion von Pferden und deren Gesetzen zur Herdenstabilität wiederfinden. Umgelegt auf zwischenmenschliche Situationen im Berufskontext werden Schieflagen und Herausforderungen damit überraschend einfach bewältigbar.  Nach dem Grundsatz, je einfacher, desto wirksamer, je intuitiver desto nachhaltiger, entwickelte sie auch den Typenkompass, ein bestechend treffendes und leicht anwendbares Persönlichkeitsmodell.

Ihre Trainerausbildung hat sie an der internationalen Trainerakademie bei Dale Carnegie absolviert, mit der sie immer noch auf nationaler und internationaler Ebene kooperiert.

2018 gehörte sie zu den drei besten Trainer*innen im EMEA Raum (Europa, naher Osten, Afrika) und gründete in diesem Jahr ihr eigenes Unternehmen Stark-Macher, um Ihren Fokus auf Personal Leadership in der Unternehmenskultur, Körpersprache und Selbstwirksamkeit weiter zu vertiefen und die Arbeit mit Pferden im Coaching auszubauen.

Johanna Macher-Kramberger lebt in der Steiermark nahe Graz und bietet dort auch einen exklusiven Rahmen für Seminare und Ausbildungen an. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder.  

www.stark-macher.at

jomacher@stark-macher.at

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Haben Sie sie aufgesetzt? Die berühmte rosarote Brille? Ich finde sie wunderbar als Symbol für eine positive Lebenseinstellung. Sie ist Erinnerung und Anker, blockierende und ungesunde Denk-, Sprech-, Gefühls- und Verhaltensmuster in fördernde und gesunde umzuwandeln. Denn genau darum geht es, wenn wir uns aus den Fesseln unserer Sozialisation und Erziehung herausentwickeln, uns entfalten und unser eigentliches Selbst (wieder) entdecken und leben möchten. Ja, Sie haben Recht, liebe Leserin und lieber Leser! Entfaltung ist ein Prozess, der, einmal in Gang gesetzt, richtig süchtig nach mehr macht.

Bewusst die Wende einläuten

Ich erzähle Ihnen gerne einen Teil meiner eigenen Geschichte. Mein eingelernter Glaubenssatz lautete: „Wenn du Unternehmerin bist, dann hast du für deine Kundinnen und Kunden da zu sein – 24 Stunden, sieben Tage.“ Genau diesen Glaubenssatz lebte ich eine Zeitlang sehr überzeugt. Dann kam der vorprogrammierte Zusammenbruch in Form totaler Erschöpfung. Und – was sehr gut war – mit der Erschöpfung kam die Wende. „So kann ich keinesfalls weiterleben. Das ist ja gar kein Leben!“ Mit dieser Erkenntnis begann mein ganz bewusster Prozess der Persönlichkeitsentfaltung.

Ich stieg aus dem Hamsterrad aus, nahm mein Leben in die Hand und begann, eingelernte und auferlegte Muster zu erkennen und sie zu verändern. Obwohl selbst Coach, gelingt nicht alles alleine. Wenn es ordentlich hakt, gehe auch ich ein Stück des Weges mit externer Begleitung.

Hören Sie Ihrem Körper zu, spüren Sie

Wie könnte es Ihnen gelingen, die Fesseln zu sprengen? Ein guter Weg ist der über den Körper:

  • Verlagern Sie Ihr Denken und das Sehen auf das Spüren. Ihr Körper gibt Ihnen sehr viele Hinweise und unterstützt Sie dabei, Ihren blinden Flecken auf die Schliche zu kommen.
  • Nehmen Sie ganz bewusst Ihren Körper wahr. Hören Sie ihm zu. Was erzählt er Ihnen? Lauschen Sie Ihren Organen – Ihrem Herz, Ihrer Lunge, Ihrer Milz etc. Was erzählt Ihnen Ihre Wirbelsäule, Ihr Nacken, Ihre Beine, die Zehen?
  • Ihr Körper sagt Ihnen ganz genau, was gerade los ist. Seien Sie neugierig und notieren Sie, was Sie hören, spüren und wahrnehmen.
  • Ihr Körper gibt Ihnen auch Antworten. Fragen Sie ihn, was er braucht. Intuitiv kennen Sie die Antworten. Notieren Sie diese.
  • Überlegen Sie kleine Schritte. Was können Sie bewusst tun, damit es Ihrem Körper besser geht?
  • Setzen Sie die gewählten Schritte bewusst um. Tipp: Nehmen Sie sich lieber weniger vor, denn Sie sollten konsequent an der Umsetzung dranbleiben.

Wenn die Seele wieder aufblüht

Viele Körperbeschwerden haben ihre Ursache auf seelischer Ebene. Die oben beschriebene Wahrnehmungsübung ist ein sehr guter Start, um ins Tun zu kommen und die eigene Wahrnehmung zu schärfen. Der eigentliche Prozess geht tiefer. Er berührt die Seele und das innere Kind, nimmt Anpassungen und das Sichverstellen wahr, holt ungesunde Muster ans Tageslicht und unterstützt das Annehmen des eigenen Ichs und die Transformation zum Selbst. Das alles, liebe Leserin und lieber Leser, kann anstrengend sein und darf auch leicht gehen. Mit jedem Schritt löst sich etwas Altes und Neues darf bewusst begonnen werden.

  • Gehen Sie in eine Metaebene. Beobachten Sie sich also „von oben“.
  • Nehmen Sie aus dieser neutralen Metaebene Ihr Mindset, Ihre Sprache, Ihre Gefühlswelt und Ihr Verhalten wahr.
  • Notieren Sie, was Sie beobachten – neutral, ohne zu bewerten. Es ist, was es ist.
  • Notieren Sie im nächsten Schritt, was Sie gerne ändern möchten. Wie soll es für Sie sein, dass es sich gut und gesund für Sie anfühlt?
  • Klären Sie mit sich selbst, was Sie bereit sind aktiv zu tun. Tipp: Nehmen Sie sich weniger vor, damit dies auch konsequent gelingen kann.

Oft gelingen Transformationen hin zu mehr Leichtigkeit, zu einer gesünderen und positiveren Lebenseinstellung, zu mehr Gelassenheit und innerem Frieden besser mit externer Begleitung. Nehmen Sie diese in Anspruch.

Dank der Hirnforschung wissen wir, dass unser Gehirn sehr gerne in der Komfortzone verweilt. Veränderungen sind ihm nicht besonders willkommen, weil anstrengend. Deshalb ist das konsequente Üben so wichtig! Das Gehirn braucht Zeit, um das Neue zu lernen. Dank der Neurobiologie wissen wir auch, dass unser Hirn bis ins hohe Alter lernen und neue Verbindungen bilden kann. Es gibt also keine Ausreden mehr, dass etwas nicht gehe. Veränderung geht. Sie müssen sie nur wollen und können gleich loslegen.

Sprengen wir die Fesseln – mit Achtsamkeit und Meditation

Was haben Achtsamkeit und Meditation mit einer gesunden Lebenseinstellung zu tun? Viel. Sehr viel sogar. Die Achtsamkeit beschreibt die Präsenz, die bewusst wahrgenommene Gegenwärtigkeit, das Sein im Hier und Jetzt. Der Körper, die Seele, das Herz, der Geist sind im gegenwärtigen Moment genau hier, sie nehmen wahr, ohne zu bewerten, nehmen an, was gerade ist. Achtsam sein bedeutet, sich zu sammeln, sich zu fokussieren, in der eigenen Mitte zu sein. Wie oft gelingt Ihnen diese achtsame Haltung? Selbst der Körper ist nicht immer im Hier und Jetzt. Da sind beispielsweise die tänzelnden Füße, die schon Richtung Ausgang zeigen und fort möchten. Die Gedanken schweifen oft völlig ab, sind bereits bei der nächsten Aufgabe, bei den Kindern daheim oder sie machen sich gerade Sorgen.

Eine wunderbare Möglichkeit, Achtsamkeit zu lernen ist die Mediation. Die kürzeste Meditation ist das ganz bewusste Ein- und Ausatmen. Was einfach klingt, braucht Übung. Ich lade Sie ein, täglich zehn Minuten diese Übung zu praktizieren. Nutzen Sie dazu fünf Minuten nach dem Aufwachen und fünf Minuten vor dem Einschlafen. Versuchen Sie in einem nächsten Schritt, länger aus- als einzuatmen. Zählen Sie dazu beispielsweise bei der Einatmung bis vier und bei der Ausatmung bis acht. Atmen Sie durch die Nase ein und durch den leicht geöffneten Mund aus. Der Atem ist die Verbindung zu unserem Selbst, zu unserem Urvertrauen.

Die Meditation hilft uns, zur Ruhe zu kommen, den Lärm draußen zu lassen, den Blick nach innen zu richten. Sie hilft uns, zu wachsen und uns zu weiten. Die positive Wirkung der Meditation ist längst wissenschaftlich erforscht.

Werden Sie zu Forscher*innen

Ich möchte Sie ermutigen, den Schritt zu wagen und sich selbst zu erforschen. Setzen Sie die rosarote Brille auf und sprengen Sie die Fesseln. Beginnen Sie noch heute.

Herzlichst
Andrea Krassnig

 

Über die Autorin

Andrea Krassnig Persönlichkeits- und Organisationsentwicklung

Meine Spezialgebiete: Führung, Teams, Kommunikation, Auftritt, Selbstwert, Resilienz, Burnoutprävention. Als Persönlichkeits- und Organisationsentwicklerin, Trainerin und Coach unterstütze ich meine Kundinnen und Kunden mit achtsamen und schöpferischen Interventionen und Methoden dabei, zu neuen Perspektiven und Lösungen zu gelangen. Ich liebe den Austausch, mehr gerne persönlich!

Andrea Krassnig, 55 Jahre, seit 1995 selbstständige Unternehmerin – welch ein Glück! Meine Begeisterung für den Menschen als Individuum, für das Stärken von Teams und Organisationen führten mich zu unterschiedlichen Aus- und Weiterbildungen. 2014 wandelte ich PUBLIC AFFAIRS, Agentur für Kommunikation, offiziell in Andrea Krassnig, Persönlichkeits- und Organisationsentwicklung um.

Spätestens mit 2021 hat sich diese Frage fast jeder gestellt. Selbstständige und Unternehmer*innen stellen sich diese Frage ab dem Moment, indem sie definieren, was Arbeit und was Privates ist. Vermehrt werde ich zu diesem Thema angefragt und viele wünschen sich „Rezepte“ zur „Work-Life-Balance“. Wieso der Rezeptblock in diesem Fall nicht so schnell gezückt werden sollte und wie man den Spannungsbogen zwischen hoher Freiheit und Entgrenzung gerecht werden kann, gehe ich in diesem Artikel nach.

Work-Life-Blending oder Work-Life-Balance?

In einer Zeit, wo Wissensarbeit zunimmt, Digitalisierung schon im Kindergarten Einzug hält und die Welt immer enger zusammenrückt, scheinen die Grenzen zu verschwimmen. Arbeit kann oft von Ort und Zeit abgelöst werden. Home-Office und Arbeitszeitflexibilisierung entgrenzen die tradierte Vorstellung von getrenntem Arbeit- und Privatleben.

Die Forschungen der letzten Jahre legen nahe, dass Menschen nicht gleichermaßen von einer klaren Trennung profitieren. Je nach Typ, Lebenssituation und –phase kann das Bedürfnis nach Trennung stärker oder schwächer ausgeprägt sein. Es gibt Menschen, die Arbeit und Privates gerne verschmelzen. Laut Rosenstiel und Nerdinger (2011) scheinen die Präferenzen sogar gleich verteilt. Laut Boundary-Theory (Nippert-Eg, 1996) gibt es ein Kontinuum zwischen stark segmentierenden Menschen und stark integrierenden Menschen.

Chancen der Flexibilisierung

In Kärnten stehen viele Unternehmen vor einem erhöhten Fachkräftemangel. Oft ist für begehrte Fachkräfte mitentscheidend wie gut sie Privatleben und Beruf vereinbaren können. Durch erhöhte zeitliche und örtliche Flexibilität wird dem entgegengekommen. Das Betriebsklima und die sozialen Beziehungen im Betrieb spielen eine große Rolle, wenn es darum geht bei hoher Arbeitsbelastung gute Leistung zu erbringen und in Krisenzeiten zueinander zu stehen (Birkner & Fischer, 2020).

Handlungsspielraum und Autonomie führt zu mehr Selbstverwirklichung (Gisin, 2019). Die individuelle Arbeitszeitgestaltung wird oft als sehr positiv empfunden und es entstehen höhere Gestaltungsspielräume für Beschäftigte. Wegfall von Wegzeiten werden besonders von Pendlern als sehr positiven Aspekt gesehen. Größere Spielräume gehen mit einer besseren Bewertung des Gesundheitszustandes einher (BAuA, 2016).

Wer sich im Home-Office gut strukturieren kann, empfindet die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als einfacher und schätzt die Konzentrationsmöglichkeiten höher ein (Reduzierung der Unterbrechungen), was zu einer gesteigerten Produktivität führt (Dahlke et al, 2018).

Dies zeigte sich auch während Corona deutlich:

Abb.1: Frauenhofer Institut www.fit4homeoffice.de n = 500 April 2020

Gefahren der Flexibilisierung

Arbeitgeber brauchen gewisse Planungssicherheit und flexible Zeitgestaltung sollte auch zur Tätigkeit passen. Da die Bereitschaft zur Flexibilisierung sehr individuell ist, sind einheitliche Lösungen in Unternehmen schwer zu finden. Individuelle Lösungen bedeuten hohen organisatorischen Aufwand (Birkner & Fischer, 2020). Teams mit einer großen Mischung der „Boundary-Typen“ weisen eher erhöhtes Konfliktpotential auf, daher ist es wichtig für unterschiedliche Typen auch unterschiedliche Taktiken zur Verfügung zu stellen.

Die Zusammenarbeit im Team wird erschwert, wenn die zeitliche Flexibilität sehr hoch ist. Die Kommunikation muss stärker geplant werden, weil die Zeitfenster für den Austausch schrumpfen. Die Reduzierung des sozialen Kontaktes wirkt sich negativ auf die Beziehung zu KollegInnen und Vorgesetzten aus (Dahlke et al, 2018).

Abb. 2: Frauenhofer Institut www.fit4homeoffice.de n = 2000 Mai 2020

Der Gestaltungsspielraum wird ausgeweitet und MitarbeiterInnen werden in höherem Maß als bisher für Ziele und Ergebnisse verantwortlich gemacht. Sie bekommen eine UnternehmerInnen-Rolle im Unternehmen. Dies kann positiv sein, wenn die Kennzahlen realistisch sind und Ziele erreicht werden können. Sie sind unrealistisch hoch oder werden verfehlt, wird es zur Fehlbelastung (BAuA, 2016).

Die Hauptgefahren der hohen Zeitflexibilität in Kombination mit den technischen Möglichkeiten unserer Zeit liegen mit Sicherheit in der ständigen Erreichbarkeit und der Tendenz zur Selbstüberforderung. Geht flexible Arbeit mit erweiterter Erreichbarkeit einher steigt die Wahrscheinlichkeit gesundheitliche Beschwerden zu entwickeln (BauA, 2016). Menschen klagen über Überforderung, Schlafprobleme, usw. (Gisin, 2019).

Gegenmittel bei Selbstüberforderung

Lernen Sie sich kennen. Es hilft ungemein zu wissen:

  • Woran merke ich, dass meine Grenzen erreicht sind? Spüre ich es körperlich, neige ich zu Gedankenmuster, beginne ich in Ärger, Trauer, usw. zu kippen?
    Hier kann Achtsamkeitstraining oder Körperarbeit, sowie Entspannungstraining helfen, um sich gut kennen zu lernen.
  • In welchen Situationen neige ich dazu meine Grenzen zu überschreiten?
  • Welchen Nutzen hat es für mich die Grenzen zu überschreiten?
  • Welchen Nutzen hat es für mich meine Haltung zu verändern? Grenzen früher zu ziehen?

Holen Sie sich Unterstützung. Dies kann bedeuten, dass ihnen jemand hilft sich selbst kennen zu lernen, Sie Ihre Grenzen erkennen lässt oder dass ihnen jemand hilft in typischen Überforderungssituationen bewusst unter die Arme zu greifen und ihnen hilft einen anderen Weg einzuschlagen. Es ist sehr hilfreich sich einen Rahmen zu schaffen, in dem man sich bewegen möchte. Daher kann es helfen:

  • Die Erreichbarkeit klar zu regeln und sich an diese Vereinbarungen zu halten. Dies gilt für Telefon wie auch e-mail-Kommunikation. Es gilt für die Firma wie auch für Familienmitglieder im Home-Office.
  • Den Arbeitsplatz so gestalten, dass er bei Pausen verlassen werden kann und am Wochenende „nicht sichtbar“ wird.
  • Gespräche mit KollegInnen und Vorgesetzte über Erwartungen und Ziele suchen, um das Bild zu schärfen und die Akzeptanz für die eigenen Möglichkeiten zu schärfen.

Wenn zeitliche und örtliche Vorgaben wegfallen, ist es wichtig sich selbst Grenzen zu setzen und klare Regeln mit sich zu vereinbaren. Nehmen Sie sich kleine Veränderungsschritte vor und setzen Sie diese zeitnah um. Seien Sie geduldig mit sich. Auch Radfahren haben Sie nicht in einer Stunde gelernt.

Tipps für die betriebliche Praxis

Es braucht für MitarbeiterInnen wie auch Führungskräfte neue Kompetenzen, um mit den neuen Möglichkeiten konstruktiv umzugehen. Besonders ein hohes Maß an Selbstmanagement und die Fähigkeit produktivitätssteigernde Grenzen zu setzen werden für MitarbeiterInnen immer wichtiger. Führungskräfte sind gefordert als gutes Beispiel voran zu gehen und ihre MitarbeiterInnen auf dem Weg in eine neue Arbeitskultur zu unterstützen.

Auf organisatorischer Ebene braucht es einen Werte- und Kulturwandel, der zur Flexibilität und Digitalisierung passt. Ein innovativer Arbeitskontext braucht Strukturen, die MitarbeiterInnen ressourcenerhaltende Arbeitsweisen ermöglichen.

Die Erreichbarkeit kann im Unternehmen so behandelt werden, dass es keine Gefährdung darstellt. Es ist zu überlegen, in welchen Bereichen tatsächlich wieviel Erreichbarkeit außerhalb der Kernzeiten notwendig ist und wie diese zu gestalten ist. Zudem halten viele Betriebe Regeln zu mobilem Arbeiten in Betriebsvereinbarung fest und definieren dadurch einen Rahmen, der für MitarbeiterInnen auch Verbindlichkeit schafft (z.B. E-Mail-Beantwortungs-Zeiten, Zeiten der Erreichbarkeit, usw.)

Um Konflikte in Teams zu minimieren, Ressourcen zu schonen und Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten ist ein individuelles Eingehen auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter*innen notwendig. Bereits das Ansprechen der Boundary-Präferenzen zeigt große Wirkung meint Gisin (2019). Wenn man sich mit (Team-) Kolleg*innen austauscht, ob eher eine Segmentierung oder eine Integration von Arbeit- und Privatleben bevorzugt wird, kann ein gemeinsames Verständnis darüber geschaffen werden. In weiterer Folge können gemeinsame Vereinbarungen getroffen werden, um das Stresserleben zu reduzieren und Reibungsverluste zu minimieren. Z.B. gerät ein Teammitglied unter hohen Stress, weil es denkt, es müsse e-mails am Abend beantworten, weil andere Teammitglieder um 22:00 Uhr noch antworten.

Sie wollen Ihre eigene Boundary-Tendenz herausfinden, dann klicken Sie rein. Die Hochschule Luzern stellt einen standardisierten Fragebogen kostenfrei zur Verfügung:

https://www.hslu.ch/de-ch/hochschule-luzern/ueber-uns/medien/magazin/archiv/2018/10/10/gesunde-grenzen-setzen/ (Druckversion) oder https://rcc.hslu.ch/?id=168 (Onlineversion).

Über die Autorin

Claudia Felder-Fallmann ist selbstständige Arbeits- und Organisationspsychologin, Gesundheitspsychologin und Klinische Psychologin. Nach dem Motto „Weil Gesundheit auch Kopfsache ist“ unterstützt Sie Unternehmen in der betrieblichen Gesundheitsförderung und in der Gefährdungsbeurteilung, sowie Einzelpersonen in der Stärkung ihrer Individualgesundheit.

In ihrem neuesten Buch „Evaluierung psychischer Belastung und Betriebliche Gesundheitsförderung: Eine Gegenüberstellung“ zeigt sie gemeinsam mit ihrer Mit-Autorin Susanne Mittermayr auf, was Betriebe bedenken sollten und gibt Anregungen aus der betrieblichen Praxis.

Der neue Podcast mutmacher-innen.at, den sie seit Frühling 2021 mit Georg Brandenburg betreibt, lädt Unternehmer und Unternehmerinnen ein, über Fehler und Misserfolge zu reden und soll anderen die Möglichkeit geben, Anregungen mitzunehmen, wie sie Mut fassen können, wenn es nicht optimal läuft.

Im Herbst wird ein Ratgeber im Hermagoras Verlag erscheinen, den sie gemeinsam mit Barbara Hanfstingl von der Universität Klagenfurt verfasst hat: „Resilienz – Praxisbuch zur Stärkung der seelischen Widerstandskraft.“

Quellenangaben

Birkner, Susanne & Fischer, Peter (2020). Werteblätter New Work & Werte. Dresden: IGA

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Hrsg., 2016a. Arbeitszeitreport Deutschland 2016. Dortmund. Verfügbar unter: www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Berichte/F2398.pdf ?__blob=publicationFile [02.07.2021]

Dahlke et al (2018).  Interessierte Selbstgefährdung im Home-Office: Eine qualitativ-empirische Untersuchung am Beispiel von HR-Beschäftigten. Hamburg: Universität Hamburg

Gisin (2019). Boundary Management: Dem persönlichen Bedürfnis entsprechende Grenzen zwischen Arbeit und privat setzen. Verfügbar unter: https://www.organisator.ch/boundary-management-dem-persoenlichen-beduerfnis-entsprechende-grenzen-zwischen-arbeit-und-privat-setzen/ [17.05.2021]

Rosenstiel, L. v. & Nerdinger, F. W. (2011). Grundlagen der Or­ganisationspsychologie (7., überarbeitete Aufl.). Stuttgart: Schäffer-Poeschel.

Wie sieht dieser Spagat eigentlich aus, den viele Familien vollziehen? Die meisten Familien sind sogenannte Doppelverdienerfamilien. Es ist längst schon so, dass das Einkommen eines Elternteiles nicht mehr ausreicht, um die Lebenserhaltungskosten einer Familie mit Kind oder mehreren Kindern zu kompensieren. Dies bedeutet, dass es im Grunde nur für sehr wenige Mütter, manchmal Väter, die postulierte Entscheidungsfreiheit gibt, ob sie arbeiten oder sich in den jungen Jahren ihrer Kinder ausschließlich der Familie widmen wollen. Tatsächlich sind über 90% der Familien, deren Kinder in Betreuung sind, Doppelverdiener.

Beobachtungen

Das Land Kärnten hat in den vergangenen Jahren auch mit Hilfe des Bundes große Summen in die Errichtung von Kinderbildungs- und Betreuungsplätzen investiert und parallel dazu das Kinderstipendium in Richtung kostenlose Kinderbetreuung im Elementarbereich auf den Weg gebracht.

Zwei Phänomene machen sich bemerkbar. Erstens wurde vor einigen Jahren das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld wieder eingeführt, welches sich am letzten Einkommen der Mutter bemisst und nach der Karenz von maximal 12 Monaten sehr oft in Anspruch genommen wird. Dies führt dazu, dass die Kinder in den Kindertagesstätten bereits mit der Vollendung des ersten Lebensjahres aufgenommen werden.

Zweitens nehmen junge Eltern sehr gerne die Möglichkeit einer Bildungskarenz im Anschluss an bzw. innerhalb der ersten 12 Monate nach der Karenz wahr. Dies ermöglicht vor allem Frauen eine Höherqualifizierung vor dem Wiedereinstieg. Auch hier unterstützt das Arbeitsmarkservice maßgeblich.

Kindertagesstätte: der erste außerfamiliäre Kontakt

In der Regel suchen die Eltern den Betreuungsplatz schon gegen Ende der Schwangerschaft, spätestens jedoch nach der Geburt des Kindes aus. Hier sollte man auf sein Gefühl vertrauen und so viele Informationen wie möglich einholen. Spätestens mit dem zweiten, oft auch mit dem ersten Lebensjahr werden Kinder in die Obhut von anderen Institutionen zugunsten der Berufstätigkeit der Eltern gegeben. Außerfamiliär stehen Tagesmütter oder Kindertagesstätten als Betreuungsangebot zur Verfügung. Eine Tagesmutter kann maximal 6 Kinder unterschiedlichen Alters betreuen. Der Vorteil ist das familiäre, kleine Betreuungsangebot welches oft, außer bei Betriebstagesmüttern im privaten Heim der Tagesmütter stattfindet. Der Nachteil ergibt sich aus der Tatsache, dass im Krankheitsfall der Tagesmutter auch das Betreuungsangebot nicht vorhanden ist, die Familie braucht für so einen Fall ein backup. Leider sind die Großeltern oft keine Ressource, da sie selbst noch berufstätig sind.

Ein Platz in einer Kindertagesstätte bietet hier mehr Sicherheit. Viele Kitas sind darüber hinaus ganzjährig geöffnet, sodass man als Familie auch bezüglich der Urlaubsplanung sehr flexibel sein kann.

Wichtig zu wissen ist, dass sich die Familie für die Eingewöhnung mindestens zwei Monate Zeit nehmen sollte. Da die Kinder in der ersten außerfamiliären, institutionellen Betreuung sehr viele Infekte aufschnappen und die Eingewöhnung dadurch oftmals unterbrochen werden könnte, ist es ratsam dementsprechend Puffer einzubauen. Dies ist auch im Hinblick auf die sehr eingeschränkten Pflegeurlaubsregelungen (max. 2 Wochen) im Berufsalltag ratsam. Leider ist das österreichische Arbeitsrecht nach wie vor starr und realitätsfremd geregelt. Mit dem zusätzlichen Druck der Arbeitgeber*innen haben Kleinkinder nicht immer die Möglichkeit sich ordentlich auszukurieren. Dies wird an dieser Stelle ausdrücklich bemängelt.

Kindergarten: eine neue Herausforderung

Auch hier, wenn die Eltern einen Platz ergattert haben, gilt es fragen, fragen, fragen. Gut geführte Kindergärten sehen für neue Kinder wiederum eine mindestens einwöchige Eingewöhnung vor. Was nach wie vor in Kindergärten ein Problem darstellt, ist der Betreuungsschlüssel. Pro Gruppe von 25 Kindern stehen ein*e Elementarpädagog*in und ein*e Assistent*in zur Verfügung. Dies bedeutet, dass die individuelle Förderung und Betreuung der Kinder in den Hintergrund rücken muss. Der Tagesablauf ist stark strukturiert, da die Pädagog*innen einen enorm umfangreichen Bildungsauftrag bis hin zur Schulvorbereitung zu erfüllen haben.

Auch hier ist das Land Kärnten Vorreiter und beginnt in den kommenden Jahren mit der sukzessiven Reduktion der Gruppengrößen, um die Kinder und die Pädagog*innen zu entlasten und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dies könnte zunächst zu einer Verknappung von Betreuungsplätzen führen, daher ist es umso wichtiger, die Kinder rechtzeitig anzumelden.

Es empfiehlt sich außerdem, die Wahl des Kindergartens von der späteren Schulwahl abhängig zu machen. Die Wohnortnähe sowohl von Kindergarten als auch Schule dient auch dem besseren Vernetzen betroffener Eltern. Hier kann man sich gegenseitig vor allem in den Ferienzeiten unter die Arme greifen. In die Kriterien für die Wahl der Volksschule sollte das nachmittägliche Betreuungsangebot für die Kinder unter die Lupe genommen werden, auch was die ferialen Schließzeiten betrifft.

Appell

Im letzten Jahrzehnt ist hinsichtlich der Betreuungsqualität, dem Ausbau der Kinderbetreuung und der Unterstützung von Familien viel Gutes passiert. Das Land Kärnten hat sich zur Aufgabe gemacht die kinderfreundlichste Region Europas zu werden und einiges tatkräftig und gut in diese Richtung bewegt. Hinsichtlich der Entlastung der Kosten für die Eltern mit Hilfe des Kinderstipendiums wurden positive Anreize für den weiteren institutionellen Bildungsverlauf von Kindern geschaffen. Ausständig sind noch die Absicherung der Frauen, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen inklusive Einkommen der Arbeitnehmer*innen und die Verbesserung der Rahmenbedingungen, in welchen sich die Bildung und Betreuung der Kinder abspielt.

Die Politik ist nach wie vor gefragt, denn Altersarmut ist hauptsächlich weiblich, geschuldet dem 40- jährigen Pensionsdurchrechnungszeitraum und der mangelnden Abgeltung der Familienarbeit, welche noch hauptsächlich von Frauen abgedeckt wird. Dies schlägt sich in Teilzeitbeschäftigungen und Karenzzeiten nieder und mindert somit die Höhe des künftigen Pensionsanspruches drastisch. Früher wurden die 15 bestentlohnten Versicherungsjahre für die durchschnittliche Berechnung der Pensionshöhe herangezogen, dies sollte wieder eingeführt werden.

Frauen müssen vielleicht noch mehr als bisher für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in frauendominierten Berufen, wie Kinderbetreuung, Pflege und Handel solidarisch einstehen. Nicht zuletzt die Coronakrise hat aufgezeigt, wie wichtig die Frau insgesamt für das Funktionieren der Gesellschaft ist und wie systemrelevant gerade frauendominierte Berufe sind. Gewürdigt, angemessen abgegolten wurde und wird das nicht, geschweige denn die Bedingungen verbessert.

Über die Autorin

Cornelia Blaas wurde 1975 in Klagenfurt geboren und als Tochter einer alleinerziehenden, berufstätigen Mutter aufgezogen. Nach der Matura erfolgte die Studienzeit für Wirtschaftspsychologie in Wien. Neben dem Studium arbeitete sie in einem Konzern in der Abteilung External Relations. Mit 27 Jahren gebar sie ihren ersten und einzigen Sohn und entschloss sich nach Kärnten zu ihren Wurzeln zurückzukehren. Als ebenfalls alleinerziehende Mutter hatte sie das Glück ihre berufliche Heimat in der damals noch sehr kleinen „Kindernest“ gem. GmbH zu finden. Sie arbeitete 2003 zunächst in Teilzeit und ab 2004 bis heute stets Vollzeit und hatte das Glück an der Quelle einer zuverlässigen Kinderbetreuung zu sein. Parallel zum beruflichen Werdegang, welcher letztendlich 2014 in der Geschäftsführung mündete, absolvierte Blaas ein Wirtschaftsstudium 2009 und ist Systemischer Coach seit 2012 sowie NLP Master seit 2019. Sie ist als Arbeits- und Organisationspsychologin tätig und unterrichtet seit vielen Jahren am Institut für Bildung und Beratung in Führungskräftelehrgängen für angehende LeiterInnen in Kindertagesstätten.

Die Kindernest GmbH:

Die „Kindernest“ gem. GmbH in Kärnten entstand aus einer Initiative des Arbeitsmarktservice Kärnten zunächst über den Verein „Kindernest“ im Jahr 1993. Heute betreibt sie in zahlreichen Kärntner Gemeinden Kindertagesstätten, Kindergärten, Kinderhorte und schulische Tagesbetreuungen. Die Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen richten sich stark nach den Bedürfnissen der Familien. Insgesamt sind an etwa hundert Standorten 420 MitarbeiterInnen, welche ca. 4000 Kinder täglich und ganzjährig betreuen und in ihrer Entwicklung begleiten, beschäftigt.

Ich möchte diesen Blogartikel nicht den Themen Überalterung, Generationenmanagement, notwendige Reformen, gesetzliche Regelungen widmen. Dazu gibt es andere Expertinnen und Experten.

Und dennoch steht noch nicht fest, wie wir mit den derzeitigen und zukünftigen Herausforderungen tatsächlich umgehen werden.

Spannend ist auf persönlicher Ebene die Frage, was spielt wirklich eine Rolle, wenn man selbst eine Familie gründen möchte. Kann diese Entscheidung frei von nicht direkt beeinflussbaren Rahmenbedingungen und vagen Zukunftsszenarien überhaupt getroffen werden?

  • Hast du schon mal eine Visionsarbeit gemacht oder dir die Frage gestellt, wie du in Zukunft leben willst?
  • Wer die Menschen sein werden die dich umgeben?
  • Ist er dabei aufgepoppt… dein Wunsch nach einer eigenen kleinen/großen Familie?
  • Und haben sich dann auch gleich wieder dein „Verstand“ und die berühmte „Vernunft“ gemeldet und kritisch hinterfragt ob jetzt wohl wirklich der richtige Zeitpunkt dafür ist?

Good and bad News …

Den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht

Das ist die „schlechte“ Nachricht, die in Wahrheit auch eine „gute“ ist. Denn wenn du einen Kinderwunsch hast, deinen Partner/deine Partnerin dafür an deiner Seite weißt und ihr euch zutraut, Verantwortung für einen weiteren Menschen zu übernehmen, dann GO! Es wird immer den einen oder anderen Zweifelsmoment geben. Das gehört einfach dazu. Aber auch da gilt: „Erstens kommt es anders & zweitens als man denkt.“ Nicht alles was man fürchtet, wird sich so bewahrheiten. Manches wird ganz anders kommen, einiges überraschen und so vieles mehr das Herz einfach zum Hüpfen bringen.

Aus meiner dreifach-Mama-Sicht: Das Leben ordnet sich komplett neu und zwar mit jedem Kind erneut. Aber beim ersten Kind ganz besonders. Denn die Karten werden sprichwörtlich neu gemischt. Es wird nicht nur ein kleines Wunder geboren, sondern auch eine Mama und ein Papa. Das bedeutet, man hat plötzlich neue Rollen im Leben, mehr Verantwortung und du wirst neue Seiten an dir und deiner Partnerin / deinem Partner kennenlernen, Wertigkeiten verschieben sich und die „Ordnung“ in der Beziehung verteilt sich anders. Natürlich werden auch die Nächte kürzer, die Belastung verstärkt sich, die Aufgaben wachsen und der Alltag hat einen meistens fest im Griff. Die Zukunftsgedanken und auch die um die eigene berufliche Zukunft rücken im ersten Moment in den Hintergrund. Man ist einfach froh, wenn neue Abläufe schön langsam vertrauter werden. Klingt anstrengend? Ist es auch – aber auch mindestens genau so schön. Du wächst in dieser Zeit schon einige Male weit über dich hinaus. Dein Nervenkonstrukt ist eventuell etwas dünner, aber kein Vorteil ohne Nachteil: Manche Diskussionen werden sich zeitlich immens verkürzen.

Mit der Routine und dem Wachsen an der neuen Aufgabe rückt dann natürlich auch das Berufsthema wieder in den Vordergrund und damit auch die große Frage nach der Vereinbarkeit. Wie gelingt es so einige Rollen – Frau/Mann, PartnerIn, Mutter/Vater, Angestellte*r/Unternehmer*in – unter einen Hut zu bringen?

Es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind zu erziehen

Die goldene Regel im Business Frauen Center lautet „Baue dir deine Kontakte auf, bevor du sie brauchst“ – Eine Weisheit die auch bei der Vereinbarkeitsfrage essentiell ist.

Auch wenn es um das Thema Familie geht, so kann das „Dorf“, das einem bei der Vereinbarkeit unterstützt, außerhalb der eigenen Kernfamilie liegen. Persönlich finde ich das sogar wichtig, weil es dann viel reichhaltiger und mit anderen, neuen, zusätzlichen Blickwinkeln gespickt ist. Wichtig ist jedenfalls, dass es Menschen sind, denen du selbst vertraust und damit auch guten Gewissens dein Kind in deren Hände gibst.

Die Lösung der Vereinbarkeit muss aus meiner Sicht auf mehrere Säulen gestützt sein. Einer der größten Hemmer in diesem Zusammenhang ist wohl das eigene „schlechte Gewissen“ und die Angst, die Bindung zu verlieren. Doch auch hier kommt aus meiner Sicht eine alte Weisheit zu tragen „Es kommt nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität an“. Die qualitative Zeit mit deiner Familie ist die, die bleibt und zählt. Das ist für mich ungeteilte, also volle Aufmerksamkeit in der Zeit, die als Familie zur Verfügung steht.

Und noch einmal ehrlich unter uns, JA, auch andere Menschen, tun unseren Kindern und Familien gut. Wir können also getrost ihre Unterstützung annehmen und auch da gilt es, das Loslassen zu lernen. Auch wenn nicht immer alles in unserem Sinne ist, aber zum Finetunen gibt es schlussendlich wieder uns selbst.  

freiRAUM für die Zukunft & Kraft der Vision

Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Familiengründung meinen Raum zunächst sehr eingeschränkt und verkleinert hat. Doch um gut in der eigenen Kraft zu bleiben und auch Zukunftsgedanken entwickeln zu können, braucht es freiRAUM.

Kinder sind WUNDERbar, erfüllend, ein großer Schatz und dennoch habe ich als Person auch das Recht, mir Gedanken um die eigene Zukunft zu machen.

Und genau hier sprechen wir von der Kraft der Visionen.

  • Was möchte ich zukünftig tun,
  • in welche Abhängigkeiten kann und will ich mich begeben,
  • was möchte ich ausprobieren,
  • was möchte ich mir erhalten?
  • Wie schaffe ich mir die Freiheiten, die mir wichtig sind?
  • Was ist notwendig, damit alles von mir Gewünschte auch in Erfüllung geht?

Mit der Vereinbarkeitsfrage rückt auch die Frage nach den eigenen Ressourcen plötzlich in den Fokus. Ein Tag hat nur 24 Stunden und zumindest 4-6 Stunden davon sollten wir mit Schlaf verbringen. Stehen also maximal 18 bis 20 Stunden für Familie, berufliche Tätigkeit, Haushalt, Hobbies uvm. zur Verfügung.

Die Frage ist, wie teile ich mir diese Zeit am besten ein? Wann was und vor allem: was muss ich wirklich selbst erledigen und was kann ich gut delegieren – Stichwort effizientes Zeitmanagement. Und genau hier ist das „Dorf“ wieder entscheidend. Denn alles auf einmal & alles alleine – no way – so funktioniert Vereinbarkeit nicht.

Die Kraft der Visionen kann beim persönlichen Ressourcenmanagement ebenfalls sehr unterstützen. Denn wenn ich das persönliche Zukunftsbild kenne, die Ziele klar vor Augen habe, dann zieht es mich in die gewünschte Richtung und die Sondierung der Prioritäten gelingt mir zumindest wesentlich leichter.

Achtung an dieser Stelle vor den zwei Killeraspekten:

Erwartungen der Außenwelt und eingefahrene Rollenbilder

Denn die Erwartungshaltung ist eine hohe – was muss eine Frau/Mann in der jeweiligen Lebensphase machen und schaffen. Doch in Wahrheit ist es eine Frage der Wertigkeit und der Leistbarkeit. Wichtig ist, zu wissen, auf was man sich einlässt. Damit meine ich, welche Auswirkung hat die Entscheidung auf dich und dein Leben.

Dazu gehört neben der „träumerischen“ Visionsarbeit für mich jedenfalls auch eine konkrete Recherche der sogenannten „harten“ Fakten, die in deinem Leben eine Rolle spielen. Und was immer dir andere in dem Zusammenhang erzählen, es gilt: nur du weißt was für dich wichtig ist und welche Informationen in deinem Leben relevant sind. Credo: Nur ICH selbst kann die Entscheidungen für MEIN Leben treffen.

Das ist auch ein Appell, der mir persönlich sehr am Herzen liegt: „Liebe Mamas da draußen, vertraut eurem Gefühl! Denn nur ihr selbst wisst, was ihr und euer/eure Kind(er) brauchen.“

Ist die Vereinbarkeit Beruf und Familie also tatsächlich schaffbar?

JA, klar! – Beruf und Familie sind zu vereinbaren. Die Antwort auf diese Frage ist jedoch immer und in allen Fällen eine sehr individuelle und kann jede/r nur selbst für sich lösen.

Visionen, Werte und Ressourcenmanagement sind Tools, die aus meiner Sicht bei der Entscheidungsfindung unterstützen können.

Über die Autorin

Isabella Hold, Eigentümerin von MAMABO, Miteigentümerin von adcomo, dreifach Mama, ehemalige BFC Vorständin und BFC Projektmanagerin, 2 Studien abgeschlossen (BWL und Organisationsentwicklung & Coaching)

Nachdem ich den persönlichen Austausch liebe – mehr Info’s gerne persönlich. 😊

Als ich gebeten wurde zum Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ ein paar Worte zu schreiben, war ich zunächst etwas irritiert. Zum einen da dieses Thema nun schon oftmals diskutiert wurde, zum anderen da ich (noch) keine Kinder habe und keine eigenen Erfahrungen nachweisen kann. Bei der Recherche stelle ich aber fest, dass zwar stets über die zeitlichen Ressourcen und Rahmenbedingungen diskutiert wird, die rechtlichen Erwägungen und Konsequenzen dieser Entscheidung aber kaum einmal nähere Betrachtung finden. Ich hoffe daher mit diesem Beitrag ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen und vielleicht eine kleine Entscheidungshilfe oder auch einen Denkanstoß bieten zu können. Im Übrigen verzichte ich auf eine genderneutrale Schreibweise. Meine Ausführungen betreffen stets Männer wie Frauen gleichermaßen, auch wenn die Praxis zeigt, dass vermehrt Frauen betroffen sind.

Entscheidungsgrundlagen

Es stellt sich für mich immer wieder die Frage, ob die Entscheidung, sich der Familie oder dem Beruf zu widmen bzw. den Beruf hintanzustellen manchmal zu schnell getroffen wird, ohne zu bedenken, welche langfristigen Konsequenzen damit einhergehen. Hauptsächlich spielen bei diesen Entscheidungen wirtschaftliche Fragestellungen und insbesondere das Einkommen der Ehepartner ein großes Thema. Wie kann dafür Sorge getragen werden, dass am Ende des Monats so viel Familieneinkommen als möglich verbleibt. Aber ist gerade diese Fragestellung nicht etwas zu kurz gedacht?

Konsequenzen während aufrechter Ehe

Der Gesetzgeber geht davon aus, dass die Ehepartner derartige Entscheidungen gemeinsam treffen. Jeder der Ehegatten hat entsprechend seiner Leistungsfähigkeit zum gemeinsamen Leben beizutragen, einer indem der Haushalt geführt und die Kinder betreut werden, der andere indem einer Beschäftigung nachgegangen wird. Jener Ehepartner, der gar kein Einkommen hat, hat daher gegenüber dem (voll) erwerbstätigen Ehepartner einen Unterhaltsanspruch in Höhe von 33% des durchschnittlichen Nettoeinkommens. Hat einer der Ehegatten zwar ein Einkommen, ist dieses aber weit geringer als jenes des anderen Ehepartners, so besteht ein Anspruch auf 40% des Familiennettoeinkommens unter Abzug des Eigeneinkommens (maximal aber 33%).

Innerfamiliär ist zumindest während aufrechter Ehe eine vernünftige Absicherung des einkommenslosen Ehegatten bzw. des Ehegatten mit weniger Einkommen gegeben.

In der Praxis habe ich oftmals erlebt, dass jener Ehepartner, der den Haushalt führt und sich um die Kinder kümmert, vom erwerbstätigen Ehepartner ein sog. „Taschengeld“ erhält, welches in vielen Fällen weit hinter den tatsächlichen Unterhaltsansprüchen zurückbleibt. Auch während aufrechter Ehe kann der Anspruch auf Unterhaltsleistung gerichtlich geltend gemacht werden, wenn der erwerbstätige Ehegatte sich weigert, seinen Beitrag zu leisten. In akuten Fällen kann auch ein „einstweiliger Unterhalt“ zugesprochen werden. Selbst ein Beitrag zu den Rechtsanwalts- und Gerichtskosten kann vom unterhaltspflichtigen Ehegatten verlangt werden (mit anderen Worten der unterhaltspflichtige Ehegatte muss unter Umständen den Unterhaltsprozess gegen sich selbst vorfinanzieren). Auf einen Unterhaltsanspruch sollte schon während aufrechter Ehe daher nicht verzichtet werden, worauf ich später noch näher eingehe.

Nach der Ehescheidung

In Situationen in denen sich eine Scheidung abzeichnet, wird vielfach nicht mehr darüber nachgedacht, was eine solche wirtschaftlich bedeuten kann. Hauptsächlich ist nur mehr die Frage, wann die Ehe (endlich) beendet werden kann. Gerade nach der Ehescheidung ist aber die wirtschaftliche Lage meist für beide Partner prekär. Der bislang haushaltsführende Ehepartner findet nur schwer eine Vollzeitanstellung, für Betriebskosten/Miete etc. ist nunmehr selbst aufzukommen und zumeist sind auch weiterhin die Kinder hauptsächlich zu betreuen. Zwar gibt es vom Gesetzgeber und der Rechtsprechung eindeutige Tendenzen zum sog. „Doppelresidenzmodell“, in welchem die Kinder von beiden Elternteilen gleich viel betreut werden sollen, dies ist aber manchmal schlichtweg unmöglich. Auch hier gibt es aber auch in der Rechtsprechung und in der Gesetzgebung ein Umdenken. Es sollen die nicht betreuenden Elternteile immer mehr in die Alltagssituation miteingebenden werden, indem beispielsweise auch ein Betreuungstag unter der Woche zugesprochen wird (der Wochenendvater soll somit der Vergangenheit angehören). Weigert sich aber einer der Ehepartner, Kontakt mit dem eigenen Kind zu haben oder will er dies nicht in dem vom Gesetzgeber angestrebten Umfang, so kann er hiezu nicht verpflichtet werden. Es gibt immer noch „nur“ das Kontaktrecht, nicht aber die Kontaktpflicht.

Der zuvor den Haushalt und die Kinder betreuende Elternteil hat meistens weiterhin Anspruch auf Unterhalt. Grundsätzlich unterliegt er jetzt aber dem sog. Anspannungsgrundsatz. Das bedeutet, der unterhaltsberechtigte Ehepartner hat vorzubringen und allenfalls auch durch Vorlage von Bewerbungsschreiben nachzuweisen, dass er einer Vollzeitbeschäftigung nicht nachgehen kann. Allenfalls besteht auch nur ein Anspruch auf sog. „Billigkeitsunterhalt“ (insbesondere wenn die Ehe aus dem Verschulden des Partners geschieden wird, der den Haushalt geführt und die Kinder betreut hat).

Für den unterhaltspflichtigen Ex-Ehegatte führt die Ehescheidung durch die ihn treffenden Unterhaltspflichten zu massiven monatlichen Mehrbelastungen (Schulden für die Anschaffung der ehemaligen gemeinsamen Wohnung etc. können nicht in Abzug gebracht werden). Auch für diesen Ehepartner hat die Scheidung zumeist negative Folgen, da der bisher gewohnte Lebensstandard in den überwiegenden Fällen nicht mehr gehalten werden kann.

Eine Ehescheidung ist daher aus wirtschaftlicher Sicht stets eine „loose-loose-Situation“.

Teilzeitbeschäftigung – ein Ende mit Schrecken

Gerade in Fällen, in denen sich ein Ehepartner während der Ehe dafür entscheidet, sich dem Haushalt und der Kindererziehung zu widmen, ist es von großer Bedeutung sich die sozial- und pensionsrechtlichen Folgen einer Ehescheidung näher anzusehen. Bei einer Ehescheidung bestehen – von bestimmten Ausnahmefällen abgesehen – zumeist keine Ansprüche auf Auszahlung einer Witwenpension oder Ähnlichem. Das bedeutet, dass Ehegatten, die den Haushalt geführt und die Kinder versorgt haben, von ihrer eigenen Pension abhängig sind. Spätestens zu diesem Zeitpunkt rächt sich der Umstand, dass der Ehegatte seine eigene Berufstätigkeit hintangestellt hat und – vielleicht mangels Geltendmachung eines Unterhaltsanspruchs – nicht für die eigene Pension vorsorgen konnte.

In letzter Zeit kommt es nach meinen Wahrnehmungen immer wieder zu Scheidungen von Ehen, die bereits jahrzehntelang andauerten und in welchen sich Frauen stets dem Haushalt und der Kindererziehung widmeten. Gerade bei Ehepaaren, die bereits beide in Pension sind, kann dies aber ein hohes wirtschaftliches Risiko darstellen. Der haushaltsführende Ehepartner hat – mangels eigenen Erwerbseinkommens – gerade einmal Anspruch auf die Mindestpension. Während aufrechter Ehe besteht der eheliche Unterhaltsanspruch, nach einer Ehescheidung hat man schlimmstenfalls nur Anspruch auf die Ausgleichszahlung. Selbst wenn man Anspruch auf Unterhalt gegenüber dem ehemaligen Partner hat, ist eine solche Zahlung auf den zu gewährenden Ausgleich anzurechnen. In Zahlen ergibt sich nachstehendes Beispiel:

Die Ehefrau bezieht eine monatliche Pension in Höhe von € 560,—; der Ehemann bezieht eine monatliche Pension von € 1.500,—. Der Ehefrau wird Unterhalt von € 260,— zugesprochen. Dieser Unterhaltsanspruch wird auf die Ausgleichszulage in Anrechnung gebracht und der Betrag um den Unterhaltsbetrag gemindert, sodass der Ehefrau monatlich trotz Zuspruchs des Unterhalts nur rund € 1.000,— zur Verfügung stehen. Selbst wenn ihr € 300,— an Unterhalt zugesprochen werden, erhält die Ehefrau immer noch nur € 1.000,—, da sich die Ausgleichszulage entsprechend vermindert.

„… und die Moral von der Geschicht’?“

Die Frage, wer sich um den Haushalt und die Kinderentziehung kümmert und wer – salopp gesprochen – das Geld nach Hause bringt, hat weitreichende Konsequenzen, die kaum nähere Betrachtung finden. Die Folgen dieser Entscheidung werden erst offenbar, wenn Jahrzehnte vergangen sind und führen oftmals in die Armutsfalle, wobei davon leider vielfach Frauen betroffen sind. Es ist daher unumgänglich, dass sich auch Frauen schon jetzt immer stärker mit dem Thema der eigenen Pensionsvorsorge und des Vermögensaufbaus widmen.

Erst in letzter Zeit wurde man auch in der Politik auf diese Problematik aufmerksam und will Rahmenbedingungen schaffen um Kinderbetreuungszeiten auf Pensionszeiten anrechnen zu lassen. Diese Diskussion ist für jene wichtig, die die Entscheidung bereits getroffen haben und mit dieser Situation nunmehr konfrontiert sind. Über lange Sicht kann diese Regelung aber meines Erachtens nicht zum Ziel führen, da sie schlichtweg nicht finanzierbar ist. Bereits jetzt ist das vorliegende Pensionssystem kaum haltbar, da viel zu wenig Berufstätige einzahlen und die Zahl jener, die Anspruch auf Auszahlung haben, immer weiter steigt.

Langfristig benötigt es daher sowohl für Mütter als auch für Väter Anreize, Berufliches und Privates zu vereinen (flexiblere Arbeitszeiten, Kinderbetreuungsplätze etc.). Die Lösung wird nicht darin liegen, nunmehr vermehrt Väter in die Pflicht zu nehmen, sondern es sowohl Müttern als auch Väter zu ermöglichen, auf die familiären Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen und die Kinder in der Nähe gut betreut zu wissen.

Zur Autorin:

Mein Name ist Kornelia Kaltenhauser. Ich bin seit 2015 Rechtsanwältin und Kanzleipartnerin bei Fink + Partner Rechtsanwälte in Klagenfurt am Wörthersee. Unter anderem beschäftige ich mich mit ehe- und familienrechtlichen Fragestellungen und stehe auch bei Ehescheidungen beratend zur Seite. Auch als Rechtsanwältin stellt sich die Frage der Vereinbarung von Beruf und Familie und das Thema nimmt in der „work-life-balance“ einen hohen Stellenwert ein. Gerade in der Selbständigkeit ist es sehr gut möglich, die dafür notwendige Flexibilität von Arbeitszeit und -ort zu gewährleisten.