Nachhaltigkeit – versteht keiner, ist aber so

Nachhaltigkeit – versteht keiner, ist aber so

Immer wenn ich erzähle, dass ich mich selbstständig gemacht habe, um Unternehmen dabei zu unterstützen, ihr Nachhaltigkeitsengagement weiterzuentwickeln, höre ich Sätze wie: „Das ist DAS Thema der Zukunft. Sooo wichtig. Tolle Entscheidung!“ In Aufträgen schlägt sich diese Begeisterung nur selten nieder. Aber warum ist das so? Warum sehen viele nicht das Potential, das ich sehe? Oder bin ich vielleicht am Holzweg? Darüber habe ich natürlich viel nachgedacht. Mit dem Ergebnis: Nachhaltigkeit versteht keiner – zumindest nur sehr wenige.

Der Begriff Nachhaltigkeit ist alles- und nichtssagend. Er ist nicht griffig. Das ist auch der Grund, warum so wenige etwas damit anfangen können. Wenn ich mich beispielsweise als Texterin selbstständig gemacht hätte, wüssten die Kunden, dass sie für ihr Geld einen Text bekommen. Punkt. Ganz einfach, klar und verständlich. Man könnte pro Wort, pro Seite, pro Magazin abrechnen. Und anhand der Anzahl der Leser und der Rückmeldungen, könnte man das Ergebnis auch noch messen. Aber was bekommen Unternehmen, wenn sie Nachhaltigkeit „kaufen“? Worin investieren sie da ihr Geld?

Vielleicht kann ich hier ein bisschen Aufklärungsarbeit leisten und einen Einblick geben, was dieses große Wort Nachhaltigkeit wirklich bedeutet, welchen Mehrwert ein nachhaltiges Geschäftsmodell bietet und warum es kein nice-to-have mehr ist, sondern essentiell für den Erfolg des Unternehmens.

Ein Licht geht auf – natürlich aus Strom aus erneuerbaren Energien 🙂

Zuallererst mal: Nachhaltigkeit bedeutet nicht (oder nicht nur) Strom sparen, Müll trennen und regional einkaufen. Die Vielfalt dieses Themas geht weit darüber hinaus. Der Umgang mit den Mitarbeitern, Diversitymanagement, die Verankerung und Präsenz des Unternehmens in der Region, Innovationsmanagement, Kommunikation und Lieferantenbeziehungen zählen genauso dazu, wie eine ressourcenschonende Produktentwicklung, Biodiversität und die Auswahl des Kaffeeangebotes für Mitarbeiter. Ein vielfältiges, spannendes und abwechslungsreiches Thema. Doch fällt es Unternehmen oft schwer, das Thema Nachhaltigkeit auf das eigene Unternehmen runterbrechen. Was heißt das für das eigene Unternehmen? Was muss man tun und wo fängt man damit an? Es ist zu unnahbar, zu weit weg, zu viel.

Regelmäßig passiert es in Gesprächen bzw. Beratungen zum Thema Nachhaltigkeit, dass ich geradezu beobachten kann, wie meinem Gegenüber ein Licht aufgeht. Wie ich langsam merke, dass meine Gesprächspartner anfangen zu verstehen, worum es eigentlich geht. Wie sie das Potential erkennen, dass das Thema für sie und ihr Unternehmen bereithält. Die Augen beginnen zu leuchten und oft kommt dann der Satz: „Eigentlich machen wir ja schon einiges im Bereich Nachhaltigkeit. Das war mir gar nicht bewusst.“ Und wie das Rädchen sich dann weiterdreht und plötzlich Ideen kommen, was noch alles möglich wäre. Oft sogar ohne großen finanziellen Aufwand oder viel men- bzw. womenpower. Die Erkenntnis, dass manchmal eine kleine Prozessumstellung einen großen Einfluss auf die Umwelt hat oder eine Feedback-Box für Mitarbeiter das Betriebsklima und die Fluktuation stark verbessern, kommt dann ganz schnell.

Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, dieses „große“ Wort in kleine Maßnahmen runter zu brechen. In konkrete Beispiele, mit denen Unternehmen was anfangen können. Die greifbar sind und nicht auf wissenschaftlicher Flughöhe.

Eine gute Orientierung, was Nachhaltigkeit alles beinhaltet, bieten auch die Sustainable Development Goals – die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Sie veranschaulichen, was man als Unternehmen, aber auch als Privatperson, alles tun kann, um einen Beitrag für eine lebenswertere Welt zu leisten.

Wenn ein Unternehmen am Anfang steht und mit dem Thema starten möchte, ist es im ersten Schritt wichtig, den IST-Stand des aktuellen Nachhaltigkeitsengagements herauszufinden. Um das zu tun, stelle ich einen kostenlosen und unverbindlichen Nachhaltigkeits-Quick-Check auf meiner Homepage zur Verfügung. Dieser gliedert sich in die Bereiche Ökologie, Ökonomie, Soziales und Kommunikation und gibt den Unternehmen einen guten Überblick, wie vielfältig das Thema Nachhaltigkeit ist und wie weit sie schon im Thema drin sind. Auf Basis dieser Ergebnisse kann dann gemeinsam weitergearbeitet werden.

Nachhaltigkeit ist kein nice-to-have mehr

In vielen Unternehmen passiert folgendes: Eine junge Kollegin wird mit dem Thema Nachhaltigkeit betraut – ja, Nachhaltigkeit ist meistens weiblich (zumindest, wenn es ums hackeln geht). Sie soll sich schlau machen, was dieses „Nachhaltigkeit“ eigentlich heißt und ob es dem Unternehmen was bringt, sich da ein wenig zu engagieren. Soll aber nicht viel kosten und die anderen Kollegen sollen damit auch nicht belästigt werden.

Vielleicht schafft sie es, die großen Herren – ja, die Entscheidungsträger sind meistens männlich – davon zu überzeugen, dass man sich dem Thema annehmen sollte und es nicht schaden kann, sich damit ein wenig auseinanderzusetzen. Und wenn sie Glück hat, bekommt sie ein kleines Budget. Die hervorragenden Ergebnisse, die die Kollegin trotz viel Gegenwind, wenig Budget und dem immer vorhandenen leicht süffisanten Lächeln vieler Kollegen, die das Thema für nicht wichtig halten, erzielt hat, werden dann von den Chefs mit geschwollener Brust und voller Stolz, präsentiert. Welcome to reality. Doch wenn der erste Schritt, der Einstieg ins Thema, nur so möglich ist, dann ist es in Ordnung. Besser als nichts. Mein Wunsch wäre es allerdings, dass die Führungsebene, die Leader, diesen Weg der Nachhaltigkeit vorausgehen. Dass sie eine klare Vision haben und den Mitarbeitern und Kunden zeigen, wo die Reise hingeht.

Spenden an Hilfsorganisationen, einmal im Jahr einen Baum pflanzen oder Kekse backen im Altersheim sind nett, aber kein ernsthaft betriebenes Nachhaltigkeitsmanagement. Schnell einen Insta-Post machen und alle nett lächeln. Das ist zu wenig.

Mir geht es darum, den Unternehmen klar zu machen, dass Nachhaltigkeit kein nice-to-have mehr ist. Mit einem nachhaltigen Geschäftsmodell kann man Geld verdienen. Der nachhaltige Umgang mit den Mitarbeitern ist essentiell für ein gutes Betriebsklima und die Gesundheit, was wiederum die Außenwirkung des Unternehmens und die Fluktuation bzw. Krankenstände beeinflusst. Ein klares, auf Nachhaltigkeit ausgelegtes Sponsoringkonzept zahlt auf das Image des Unternehmens ein. Ein transparenter und nachhaltiger Produktkreislauf schafft Vertrauen beim Kunden und den Stakeholdern. Und und und… Außerdem wird es in ein paar Jahren egal sein, wieviel Geld am Firmenkonto ist, wenn jetzt nichts gegen die akute Klimakrise und die teilweise grausamen Lebensbedingungen vieler Menschen getan wird. Denn dagegen gibt es keine Impfung. Unternehmen, die nicht ernsthaft nachhaltig agieren, haben künftig keine Überlebenschancen am Markt. Die Kunden, die Lieferanten, die Stakeholder und hoffentlich auch bald die Politik, werden es nicht mehr erlauben. Es wird nicht mehr funktionieren, unseren Müll in den Meeren zu verstecken oder nach Indien oder Afrika zu schicken. Eiswürfel aus Polen, Erdbeeren aus Uganda und T-Shirts um 3 Euro dürfen in unseren Regalen keinen Platz mehr finden. Wir alle können dazu einen Beitrag leisten. Die Nachfrage bestimmt das Angebot.

Der Butterfly-Effekt

In den Köpfen der Menschen muss auf alle Fälle ein Umdenken stattfinden. Es liegt noch viel Arbeit vor uns. Ich glaube, dass wir verstehen müssen, dass wir Teil dieser Welt sind und nicht die Herrscher darüber. Wir sind nicht besser oder schlechter als ein anderer Mensch, ein Tier oder eine Pflanze. Alles steht miteinander in Verbindung. Ein Flügelschlag eines Schmetterlings in Kärnten kann einen Wirbelsturm in Orlando auslösen. Der freundliche Umgang mit einem Mitarbeiter und die Werte, die im Unternehmen vermittelt werden, wirkt sich auch auf das Familienleben und die Art und Weise, wie die Kinder erzogen werden, aus. Vielleicht ist gerade dieses Kind die nächste Bundeskanzlerin und kann Einfluss auf die großen Entscheidungen nehmen. Die Eiswürfel aus Polen, die bei uns im Regal zu finden sind, hinterlassen einen nicht unerheblichen Fußabdruck.

Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das nicht im Einklang mit der Natur lebt, sondern sie zerstört. Er nimmt sich viel mehr, als er eigentlich braucht und lässt andere Menschen verhungern. Obwohl eigentlich für alle genug da wäre. Der große Zusammenhang ist nur sehr wenigen bewusst. Es geht immer nur um Wirtschaftswachstum und Gewinn. Es ist wirklich traurig das mitansehen zu müssen.

Oft ist der Umgang mit der Umwelt, den Menschen in unserer Umgebung und unserem Umfeld ein Spiegel des Umgangs mit uns selbst. Höher, schneller, weiter. Immer busy und keine Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Ein Leben am Energie-Limit und kein Platz für Erholung. Wie sollen wir die Ressourcen der Erde schätzen und beschützen und im Umgang mit anderen Menschen empathisch und verständnisvoll sein, wenn wir das nicht mal mit uns selbst schaffen?

Deshalb: Ein nachhaltiger Umgang mit uns selbst fördert auch ein nachhaltiges Handeln im Umgang mit anderen Menschen, Unternehmen und der Umwelt.

Der Mensch, der hinter dem Unternehmen steht, trifft die Entscheidungen. Wenn sein Mindset stimmt, stimmt auch die Ausrichtung des Unternehmens.

„Tue Gutes und sprich darüber“. Werte sind WERTVOLL

Weg von meinen philosophischen Ergüssen wieder hin zu der konkreten Anwendung des Themas Nachhaltigkeit im Unternehmen. Es gibt einige Unternehmen, die in ihrer Entwicklung im Bereich Nachhaltigkeit schon etwas weiter sind. Sie haben schon eine Nachhaltigkeits- oder CSR-Strategie und leisten einen Beitrag für ein nachhaltiges Miteinander. Diese Unternehmen brauchen oft Unterstützung in der Kommunikation. „Tue Gutes und sprich darüber“. Die Erarbeitung eines Berichtes oder Magazins, Bewusstseinsbildung bei den Mitarbeitern, Stakeholderkommunikation oder die Neuausrichtung von Homepageinhalten. Es gibt hier kein Schema F.

Wichtig ist, dass die Unternehmen wissen, wer sie eigentlich sind. Das klingt vielleicht etwas komisch, aber es gibt sehr viele Unternehmen, die nicht wissen, wofür das eigene Unternehmen eigentlich steht, welche Werte und Wertvorstellungen kommuniziert und gelebt werden sollen. Setzen Sie sich einmal in Ruhe hin und überlegen Sie sich, für welche Werte Ihr Unternehmen steht. Welchen Wertvorstellungen soll Ihr unternehmerisches Tun entsprechen?

Ist es Zusammenhalt, Sicherheit, Nachhaltigkeit und Freundlichkeit. Oder doch eher Innovation, Regionalität und Mitarbeiterzufriedenheit?

Wenn Sie sich darüber im Klaren sind und wissen, wie ihr Unternehmen nach innen und nach außen wahrgenommen werden soll, wird jede weiter Entscheidung ganz automatisch mit der Vereinbarkeit dieser Werte abgeglichen. Gelebte, mit Leben erfüllte und klar kommunizierte Werte sind, sowohl für den Mitarbeiter, als auch für den Kunden, eine Orientierung und ein Mehrwert im Miteinander.

In der Kommunikation merkt man recht schnell, ob ein Unternehmen ernsthaft versteht, worum es geht und wofür es steht oder ob es green-washing betreibt. Man merkt auch, ob Nachhaltigkeit in der DNA angekommen ist oder nur oberflächlich behandelt wird. Im besten Fall ist die Kommunikation nur noch das Ergebnis aller Maßnahmen, die das Unternehmen bereits umgesetzt hat.

Fazit

Nachhaltigkeit ist nicht schwer zu verstehen, wenn man sich die Mühe macht, hinter dieses große Wort zu blicken. Wenn man erkennt, dass gewisse Dinge logisch und meistens mit keinem großen Mehraufwand verbunden sind. Dass oft nur die Änderung des Blickwinkels große, innovative und nachhaltige Prozesse und Produkte entstehen lässt.

In diesem Sinne – #letsmaketheworldabetterplace – together!

Zur Person

MMag.a Verena Ogris

Hello world! It’s me. Unternehmerin, Mama, Yogini, Ehefrau und seit Kurzem auch Autorin. Was ich tue, tue ich mit Leidenschaft und Hingabe. Ob als Nachhaltigkeitsexpertin, im Yogaunterricht oder im Alltag – do things with passion or not at all.

Unternehmen dabei zu unterstützen, ihr Nachhaltigkeitsengagement weiterzuentwickeln ist herausfordernd und interessant zugleich. Es gibt kein Schema F, jedes Unternehmen hat ganz eigene Voraussetzungen und Bedürfnisse. Das macht meine Arbeit sehr vielfältig.

Es war sehr spannend, sich in einem Corona-Jahr selbstständig zu machen. Vieles musste neu gedacht und Pläne oft hinterfragt werden. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen bin ich sehr froh, diesen Schritt gegangen zu sein. Es ist schön, alles tun zu können, was mir Spaß macht und was ich für sinnvoll erachte. Nach knapp 10 Jahren in einem Konzern ist das etwas ganz Neues.

In meinem Buch „Hauptsache die Frisur sitzt – Who the f*** is Dharma“ verarbeite ich meinen ganz eigenen Weg. Den Drahtseilakt einer Mutter zwischen Job, Familie und den Erwartungen an sich selbst. Mit viel Wortwitz und einer Portion Selbstironie beschreibe ich darin, wie ich es gelernt habe, mit meinen eigenen Ressourcen wieder achtsamer umzugehen. Nachhaltigkeit – aber in einem anderen Kontext.

Mehr von mir: www.gaiana.eu

 

 

 

 

 

Culture in the Soft Power Policy

Culture is the lifeblood of a vibrant society and in addition to its intrinsic values, culture enhances the quality of life and increases overall well-being for both individuals and communities. Our creative expression helps define who we are, and helps us see the world through the eyes of others.

Soft power : the attractive and persuasive approach to international relations

„Power with others can be more effective than power over others“, Joseph Samuel Nye[1]. In contrast to the coercive nature of hard power, soft power describes the use of positive attraction and persuasion to achieve foreign policy objectives. This non-violent power suggests that the power is ideological and cultural. Soft power seeks to achieve influence by building networks, communicating compelling narratives, establishing international rules and drawing on the resources that make a country naturally attractive to the world.

From cultural soft power towards cultural influence

As he developed the concept, Nye initially set out three primary sources of soft power: political values, culture and foreign policy. Therefore, culture would play an important role in shaping a nation’s internal and external behaviours in today’s world. The countries would bind their political and economic power with their cultural influence. Turning a classic policy of dissemination or cultural spreading into a logic of influence is the way to build a strategy of influence. By doing so, a country needs to have an aspirational and inclusive national story and to know how to tell it.

Cultural diplomacy: strategic lever at the heart of struggles for influence

Many countries realised the role culture can play in foreign policy strategy by increasing their level of influence. Therefore, building and spreading over their own cultural diplomacy is one of the best tool to widen their own interests. Certainly, the concept of cultural diplomacy is historically a French specificity, invented in the 19th century. It coincides with the use of the word francophonie and the creation of the Alliance Française in 1883. Taking the example of France and its cultural diplomacy, we can admit France’s cultural outreach policy is recognized as a benchmark and a source of inspiration by a number of countries[2]. Today, it appears a nation’s brand is most credible when carried by sportsmen, artists or businesses, and most importantly by people. As it is often easier to promote the power of Premiership football rather than a position on human rights, governments should encourage those that can best promote the cultural values.

The way to a new cultural diplomacy?

New countries have become aware of the need of developping a soft power policy in order to consolidate their power status on the international scene. Because they consider there is a direct link between cultural and linguistic investment and economic growth, countries such as Brazil, Russia, India, China, South-Africa (BRICS), Singapore decided to set up culture one of the pillars of their economic development. In this regard, the example of China, real cultural juggernaut which seeks to improve its image, is particularly striking. The Chinese strategy is certainly evoluting from economic power to global cultural influence. China has sought to capture the zeitgeist, establishing the National Office for Teaching Chinese and setting up several hundred Confucius Institutes all around the world whose overt goal is teaching Chinese but which also project soft power.

Towards a cultural confrontation?

As they are seeking to increase their influence in the international community, the cultural confrontation of the rising powers with the West is underway. These states are trying to protect their own culture by defending a non-interference and partnership approach in which cultural projects adapt to local demand, while in some other countries still exists this temptation to see oneself as the bearer of a universal civilizing mission. A way out would be to deepen the perception of each other’s cultures in increasing cross-cultural understanding. In today’s world, the winning posture is not unilateral influence, but rather openness to the influence of the other and the elaboration of cooperative strategies.

New tools giving new perspectives

A dynamic policy of influence is also based on the rise of civil societies and new telecommunications technologies. These two intrinsically linked phenomena are shaking up the states and culture is now considered a global issue. Priorities and instruments of influence differ from country to country, from public initiative to profitable private equity. The development of media for foreign audiences is also no less impressive. Finally, the digital tool which is internet has certainly taken on a fundamental role in the global order and is worldwide a good vector of linguistic and cultural influence.

Today, the peoples are facing a destructive globalization of meanings, cultures, traditions and values which has sparked a deep identity crisis. This leads us to put man back at the heart of the great global game. Change is possible if we collectively demand cultural diversity and pluralism as well as freedom of thought and speech, which are currently crushed by one-track thinking and mainstream culture.

Laure du Teilhet, MAS
Kulturexpertin
Kontakt: laure.girolle@gmail.com

Zur Person:
Laure du Teilhet ist 47 Jahre alt und eine erfahrene, mehrsprachige Managerin mit agiler Führungs- und erfahrener Vertretungskompetenz. Sie arbeitete in den Ländern Mexiko, Peru, Mauretanien, Indonesien, Kirgistan, Russland, Belarus, Ukraine, Moldawien und Kasachstan. Derzeit lebt sie in Villach.

 

[1] Joseph Samuel Nye Jr., born January 19, 1937, is an renowned American political scientist and former policymaker.

[2] According to the Soft Power 30 index published by Portland Communications and the USC Center on Public Diplomacy, France got the first place in 2019. www.softpower30.com

 

 

 

 

„Fempower meets Artbusiness“: Interview mit Christine Wetzlinger-Grundnig von Eva Gruber-Letz

„Es ist für Frauen ganz wichtig einfach mal reinzuspringen, auch in Aufgaben, denen sie sich eigentlich nicht gewachsen fühlen. Mit der Leistung wächst dann auch das Selbstbewusstsein und natürlich auch die finanzielle Unabhängigkeit.“ Dr.in Christine Wetzlinger-Grundnig, Direktorin des Museums der Modernen Kunst

„Fempower meets artbusiness“ – Engagierte Frauen in der Kärntner Kulturszene

 

In der zweiten Ausgabe der Interview Reihe „Fempower meets Artbusiness“ spricht Eva Gruber-Letz mit der Direktorin des Museums der Modernen Kunst, Mag.a Christine Wetzlinger-Grundnig. Die couragierte Kunsthistorikerin erzählt, wie sie ihre persönlichen Herausforderungen meisterte und daran wuchs, wie wichtig es ist, bereits in jungen Jahren mit dem Schönen der Künste in Berührung zu kommen, und wie entscheidend der Blick über den Horizont ist.

Sie gehören zu den wenigen weiblichen Führungskräften in Kärnten. Wie wurden Sie Direktorin des Museums Moderner Kunst Kärnten?

Ich habe in Graz Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt auf zeitgenössische Kunst bei Prof. Wilfried Skreiner studiert. Während des Studiums habe ich bereits mein erstes Kind bekommen und war, nach kurzer Ehe, alleinerziehend. Ich erwähne das, weil es meinen Werdegang maßgeblich beeinflusst hat. Denn nach der Scheidung war ich auf mich alleine gestellt und musste mein Studium selbst finanzieren. Ich habe aber stets ganz bewusst nur Jobs im Bereich der Kunst angenommen.

Ich war u.a. in der Neuen Galerie und am Institut für Kunstgeschichte angestellt, machte Führungen und ich habe zu diesem Zeitpunkt bereits auch publizieren können. Mit diesen Voraussetzungen fand ich gleich nach meinem Abschluss eine Anstellung als Kunsthistorikerin an der Kärntner Landesgalerie in Klagenfurt. Ich wurde dann relativ schnell stellvertretende Leiterin des Hauses. Im Jahr 2004 bin ich in die Kulturabteilung des Landes gewechselt und war als Sammlungsleiterin tätig. Ich habe dann zwei weitere Kinder bekommen und war für vier Jahre in Karenz. In dieser Zeit wurde mir die Leitung des Museums angeboten. Nach längerem Überlegen und einigen Zweifeln habe ich die Stelle angenommen, denn mir war bewusst, dass ich diese Gelegenheit ergreifen muss, sollte ich wieder in meinen Beruf zurückkehren.

Natürlich muss man für eine Führungsposition neben der fachlichen Qualifikation auch gewisse andere Fähigkeiten, sogenannte Soft Skills, besitzen, aber es ist weit weniger schwierig als man denkt. Ich sage das, weil sich viele Frauen so eine Position von vornherein nicht zutrauen und lieber in der zweiten Reihe agieren. Grundsätzlich war das auch bei mir so. Aber durch das Zutrauen der anderen wurde ich herausgefordert. Es ist für Frauen ganz wichtig einfach mal reinzuspringen, auch in Aufgaben, denen sie sich eigentlich nicht gewachsen fühlen.

Mit der Leistung wächst dann auch das Selbstbewusstsein und natürlich auch mit der finanziellen Unabhängigkeit, die damit einhergeht. Es ist wichtig, dass Frauen selbstständig im Leben stehen und von niemandem abhängig sind, denn nur ein unabhängiger Mensch ist im Denken und in seinen Entscheidungen frei. Jeder Mensch sollte für sich in jeder Lebenslage aus freiem Herzen unabhängig entscheiden können. Das kann man nur, wenn man auch finanziell unabhängig ist.

Meiner Erfahrung nach gibt es immer noch zu viele Menschen, die Hemmungen haben, in ein Museum zu gehen und sich auf Kunst einzulassen. Worin sehen Sie die Herausforderungen, einer breiten Öffentlichkeit Kunst näherzubringen?

Ich glaube, das Problem liegt in unserem Bildungssystem. Kunst und Kultur haben einen geringen Stellenwert. Wenn Kinder und Jugendliche keinen Bezug zu Kunst und Kultur entwickeln können und diese nicht als bedeutende Lebensbestandteile wahrnehmen, dann funktioniert das später nur mehr in den geringsten Fällen.

Für mich ist die Kunstvermittlung im Museum ein ganz wichtiger Bereich. Wir versuchen bereits im Kindergartenalter anzusetzen und bieten viele verschiedene Programme an. Auch für den gesamten Schulbereich haben wir angepasste Formate und versuchen gute Kontakte zu den BE-Lehrer*innen aufzubauen bzw. zu halten. Wir machen Programme für alle Altersstufen. Es gibt z.B. sogar Yoga im Museum, Führungen für demenzkranke Personen und unterschiedliche Inklusionsveranstaltungen. Grundsätzlich müssen die Menschen aber irgendwann die Erfahrung gemacht haben, Kunst als etwas zu sehen, das das Leben bereichert, zum Denken anregt oder auch einfach etwas Positives, Schönes sein kann, sonst fruchten auch unsere Bemühungen wenig.

Derzeit sind Themen wie – ich nenne hier ein paar Schlagworte – Female Empowerment, Nachhaltigkeit, Klimawandel, Migration – aus guten Gründen omnipräsent. Inwiefern beeinflussen diese Themen Ihre Ausstellungs-Auswahl?

Diese Themen sind meist schon in der künstlerischen Arbeit brisant, bevor sie als allgemeiner öffentlicher Diskurs ganz durchschlagen. Und damit sind sie klarerweise auch früh für unser Haus relevant, das aktuelle gesellschaftspolitische Fragestellungen im Programm berücksichtigt. Zurzeit machen wir drei große Ausstellungen im Jahr: eine Personalausstellung, eine Sammlungsausstellung und eine Themenausstellung.

Für die Themenausstellungen laden wir jeweils um die 20 junge Künstler*innen ein, die virulente Fragestellungen wie z. B. zum Thema Urbanität oder Umwelt bearbeiten. Die Themenausstellungen sind für uns auch wichtig, weil wir in diesem Rahmen nicht nur Kärntner Künstler*innen präsentieren, sondern auch weiter ausgreifen und österreichische aber auch internationale Künstler*innen einladen. Somit erfüllen wir nicht nur unseren regionalen Auftrag, sondern kommen auch der Aufgabe nach, aktuelle zeitgenössische Positionen von internationaler Relevanz vorzustellen.

Nehmen wir an, Sie bekommen von einer seriösen Kunstgönnerin 3 Mio. Euro für das Museum und können frei darüber verfügen. Was würden Sie mit dem Geld machen?

Das ist eine schwierige Frage, weil es so viel zu tun gäbe. Zuerst würde ich das Museum IT- und personalmäßig auf einen Stand bringen, der internationalen Museumsstandards entspricht. Davon wäre vor allem die Sammlung aber auch die Besucher*innenkommunikation betroffen. Dann würde ich eine*n Restaurator*in und jemanden für die Öffentlichkeitsarbeit anstellen.

Wir könnten uns auch kostspieligere (prominentere) Ausstellungen (und Ankäufe) leisten. Des Weiteren würde ich mir eine bessere Sichtbarkeit des Museums und eine Verbesserung der Zugangssituation – mit einer großzügigen Zufahrt, größerem Lift, Parkplätzen – und natürlich ein größeres Depot wünschen. Ich hätte auch gerne einen eigenen Ausstellungsaum, in dem ich ganz unkompliziert und spontan kleine Projekte umsetzen könnte.

Es geht nichts über das Betrachten eines Kunstwerkes im Original. Nur so kann man dessen Ausstrahlung und Aussagekraft tatsächlich wahrnehmen. Nun leben wir leider gerade inmitten einer globalen Pandemie und die Museen werden regelmäßig geschlossen. Also braucht es alternative Denkansätze, um Kunst konsumieren zu können. Was ist Ihre Meinung dazu?

Ich kann Ihnen nur beipflichten. Ich glaube auch, dass man der Kunst, und vor allem jener, die wir präsentieren, im Original begegnen muss. Wenn das nicht möglich ist, muss man andere Formate finden. Und das ist wiederum eine Frage der Ressourcen und – wiederum davon abhängig – der Kompetenzen. Während des Lockdowns stellen wir unsere Ausstellungen digital auf unserer Homepage vor. Wir vermitteln die Ausstellungen über fotografische Ansichten der Räume und stellen jeden Tag eine künstlerische Position mit Bild und Text vor. Und es gibt ein virtuelles Kreativprogramm. Diese digitale Ebene ist gut für Zeiten, in denen man nicht die Möglichkeit hat, sich real vor Ort zu befinden, aber es ist kein Ersatz.

Wie auch in vielen anderen Lebensbereichen haben es weibliche Künstlerinnen immer noch schwerer sich am Kunstmarkt erfolgreich zu positionieren und Anerkennung für Ihr Werk zu erhalten als Männer. Wie erklären Sie sich das und wie können wir dem entgegenwirken?

Grundsätzlich möchte ich da zwischen Kunstbetrieb und Kunstmarkt unterscheiden. Im Kunstbetrieb weiß ich nicht, ob das überwiegend immer noch so ist. Da ist heute einiges im Umbruch. Es hat sich auch etwas dadurch geändert, dass es heute viele weibliche Führungskräfte im Kunstsektor gibt. Für uns ist es selbstverständlich, dass wir Künstlerinnen genauso einladen wie Künstler. Wenn ich unseren Sammlungsbereich betrachte, kaufen wir nicht mehr Kunstwerke von Männern als von Frauen. Aber nicht nur, weil wir das so nicht möchten, sondern, weil das Angebot von den Künstlerinnen in bester Qualität da ist. Ich muss aber sagen, dass ich bestimmt mehr Einzelausstellungen von männlichen Künstlern kuratiert habe als von weiblichen. Das hängt damit zusammen, dass Einzelausstellungen arrivierte und damit ältere Künstler*innen betreffen und das sind häufiger (in dieser Generation) noch Männer.

Gerade die Künstlerinnen in der 2. Hälfte des 20. Jh. mussten sich Ihre Stellung und Anerkennung ja erst erkämpfen.

In Kärnten waren es letztlich nur Maria Lassnig und Kiki Kogelnik, die sich über die Jahre erfolgreich durchsetzen konnten. In den jüngeren, darauffolgenden Generationen gibt es schon bedeutend mehr.

Ich habe viele Jahre in Wien gelebt, wodurch ich mir einen neutralen bzw. kritischen Blick „von außen“ auf die Kulturszene in Kärnten angeeignet habe. Auch Sie haben das im Zuge der von Ihnen kuratierten Ausstellung „Das andere Land. Kärnten | Koroška in Wort und Bild.“ im Jahr 2018 gemacht. In diesem Zusammenhang fiel der Satz: „In Kärnten wird viel und gerne über Kärnten nachgedacht“. Können Sie diese Aussage etwas ausführen?

Der Gedanke wird dadurch befeuert, dass der Blick oft nicht weiter als bis zur eigenen Landesgrenze reicht. Viele Menschen öffnen ihren Blick nicht für eine globale Sichtweise, sondern lassen ihn gerne nur im Kleinen schweifen. Bei vielen Problematiken wird ein verharrender Standpunkt eingenommen, ohne sich zu öffnen oder gar zu konfrontieren. So muss man seine Meinung nicht reflektieren und nichts verändern. Das ist ein bequemer Weg, den man sehr gerne wählt.

Eva Gruber-Letz, BA MA
Kunsthistorikerin
Kontakt: eva.gruberletz@gmail.com

 

 

Zur Person:
Christine Wetzlinger-Grundnig (geb. 1966 in Klagenfurt) ist eine österreichische Kunsthistorikerin. Seit 2010 ist sie Direktorin des Museums Moderner Kunst Kärnten. Sie studierte Kunstgeschichte in Graz mit dem Schwerpunkt auf zeitgenössische Kunst. Bereits seit 1996 war Christine Wetzlinger-Grundnig stellvertretende Leiterin der Kärntner Landesgalerie und seit 2003 Leiterin der Kunstsammlung des Landes Kärnten. Sie hat zahlreiche Publikationen im Bereich der zeitgenössischen Kunst veröffentlicht. Christine Wetzlinger-Grundnig hat 3 Kinder und lebt in Klagenfurt.

Mag.a Christine Wetzlinger-Grundnig ist Leiterin des Museums für Moderne Kunst in Kärnten
www.mmkk.ktn.gv.at

 

 

 

„Fempower meets Artbusiness“: Interview mit Ute Liepold von Eva Gruber-Letz

Frauen sollen als Teil des Lebens mit ihrem Input präsent sein. Es geht darum, sich Kompetenzen anzueignen und diese auch zu präsentieren, dafür gerade zu stehen und dafür etwas zu fordern.
Dr.in Ute Liepold, Regisseurin, Intendantin, Autorin und Gender Philosophin

„Fempower meets artbusiness“ – Engagierte Frauen in der Kärntner Kulturszene

Wenn du in Kärnten im Kulturbereich tätig sein willst, musst du selbst aktiv werden. Mit diesem Leitsatz starte ich meinen neuen Lebensabschnitt in Klagenfurt, nachdem ich die letzten 10 Jahre in Wien gelebt und mich sowohl beruflich als auch privat mit Kunst beschäftigt habe. So kam ich auf die Idee, in Zusammenarbeit mit dem Business Frauen Center, eine Interview-Reihe über engagierte Frauen in der Kärntner Kulturszene zu starten. Im Zuge dessen sind überaus interessante und inspirierende Gespräche mit starken Frauen entstanden, die ihren beruflichen Weg erfolgreich in der Kunst- und Kulturbranche gegangen sind. Sie finden hier nicht nur Gespräche über Kunst, sondern auch Geschichten über Frauen, die ihr Leben selbst bestimmen.

Den Anfang der Interview-Reihe bildet die bemerkenswerte Autorin, Regisseurin, Theaterleiterin und Gender-Philosophin Dr.in Ute Liepold. 

Sie sind Gender-Philosophin, Autorin, Theaterleiterin und Regisseurin. Inwiefern beeinflusst Ihre wissenschaftlich-universitäre Seite Ihre kreative Theaterarbeit?

Diese zwei Arbeitsbereiche von mir greifen direkt ineinander. Ich habe meine Abschlussarbeiten in feministischer Philosophie geschrieben, d. h. das philosophisch-feministische Wissen ist die Basis meines Tuns und speist jede meiner Arbeiten. Ich klopfe ein Theaterstück immer auf Genderfragen ab: Wie gehe ich mit der Sprache um? Besetze ich das Stück von einem männlichen Autor, dessen Stück männliche Rollen vorsieht, rein weiblich? Ich versuche zu intervenieren und eine Gerechtigkeit herzustellen bzw. eine Irritation zu erzeugen, indem Frauen unkommentiert Männerrollen spielen. Ich versuche immer den Weg des Paradoxen zu gehen. Mein Schlagwort ist „Subversion durch Affirmation“ – also die Übertreibung oder Bestärkung des Bestehenden. Das sind natürlich komplexe, theoretische Fragen bei der Herangehensweise an ein Theaterstück, aber die philosophische Seite hilft mir sehr in meiner Arbeit Klarheit und Struktur zu finden.

Die Kärntner Kulturszene und ihre Entscheidungsträger sind immer noch männlich dominiert. Die Auflösung dieser festgefahrenen Strukturen geht leider nur sehr langsam vonstatten. Was muss sich Ihrer Meinung in unserer Gesellschaft verändern, damit mehr Frauen die Rolle der Entscheidungsträgerin übernehmen?

Das ist eine große und auch langwierige Frage. Ich glaube, das Thema muss ein politisches Projekt sein. Dieser politische Wille, Frauen in Entscheidungspositionen zu bringen muss von oben kommen. Unter Johanna Dohnal als Frauenministerin gab es ein Bekenntnis zu frauenpolitischen Maßnahmen. Sie hat gekämpft und unglaublich viel für Frauen erreicht. Nach ihr sind eigentlich nicht viele Frauen mit dieser Vehemenz und Klarheit nachgekommen. Es braucht ganz klar die Quote oder mehr. Es gibt überall kompetente Frauen. Aber solange Männer in den Entscheidungsstrukturen sitzen, ist das ein Problem. Männer werden den Männeranteil nie reduzieren. Deshalb braucht es politische Konzepte dazu. Und Frauen müssen es weiter vehement fordern. Frauenministerinnen müssen diese Agenden übernehmen.

Es braucht mehr Frauen wie Alma Zadić in der Politik.

Ja das stimmt. Leider ist sie nicht Frauenministerin, aber sie ist ein Role Model und sie ist sehr klarsichtig. Frauenpolitisch steht Österreich gerade gar nicht gut da, da sich die Frauenministerin hauptsächlich um Gewaltschutz kümmert. Das ist aber nicht das einzige Thema. Frauenpolitik wird immer in die soziale Richtung betrieben. Es gibt aber ganz viele andere Bereiche, z.B. die Kulturbranche. Da kümmert sich niemand darum, dass Frauen kaum Leitungsfunktionen haben und viel schlechter verdienen. Dass das Theater eine patriarchale Institution sondergleichen ist, glaubt man gar nicht. Alle meinen immer, das Theater sei so frei und offen, weil man das von den Inhalten ableitet. Aber als Apparat ist es zutiefst patriarchal, autoritär und hierarchisch.

Traditionelle Geschlechterklischees sind in Kärnten sehr fest verankert. Was kann Ihrer Meinung nach die Kunst dazu beitragen, diese Geschlechterklischees aufzubrechen?

Ich beschäftige mich schon lange damit und versuche zu intervenieren und Bewusstsein zu schaffen. Das ist aber nicht genug. Es ist immer die politische Komponente. Es geht um Macht, es geht um Geld, es geht um Positionen. Natürlich kann man versuchen, das Bewusstsein über die Kunst zu verändern. Das ist auch meine Aufgabe, die ich wahrnehme.

Sie haben einmal gesagt, dass es Ihr Ziel sei, „Frauen als Gestalterinnen des gesellschaftlichen Lebens in Kärnten bewusst zu machen“. Welche Ansprüche haben Sie v. a. an junge engagierte Frauen, die diese Gestalterinnen-Rolle einnehmen sollen?

Frauen sollen als Teil des Lebens mit ihrem Input präsent sein. Sie müssen mit dem was sie leisten sichtbar sein. Es geht darum, sich Kompetenzen anzueignen und diese auch zu präsentieren, dafür gerade zu stehen und dafür etwas zu fordern.

Viele Frauen sind viel zu bescheiden, zurückhaltend und wollen nicht anecken. Das steckt sehr tief in uns Frauen drin.

Genau, Frauen müssen selbstbewusster werden. Maria Tusch, eine Vorkämpferin, die erste Kärntner Nationalratsabgeordnete und Tabakarbeiterin aus Klagenfurt, hat jede ihrer Reden damit beschlossen, dass sie gesagt hat „Frauen, ihr müsst selbstbewusster werden“. Das gilt noch heute. Forderungen stellen, selbstbewusst auftreten, nicht immer in die zweite Reihe zurücktreten.

In unserer stetigen Weiterentwicklung orientieren wir uns oft an sog. Role Models. Sie haben vor ein paar Jahren das Buch „Kärnten weiblich.“ geschrieben, in dem Sie 150 engagierte Frauen porträtieren, die das Land geprägt oder verändert haben. Wer sind Ihre Role Models?

Ich habe Simone de Beauvoir immer sehr für ihr Werk und ihren scharfen Verstand bewundert. Ich habe feministische Philosophie bei Ingvild Birkhan studiert, sie war sehr wichtig für meinen weiteren Weg, denn sie ist eine kluge und sehr selbstständig denkende Frau. Mich haben Mut, die Kraft des eigenständigen Denkens und eine unabhängige Urteilskraft immer schon sehr beeindruckt. In dem Sinne finde ich auch immer noch Johanna Dohnal großartig. Sie war ein berührender Mensch aus einfachen Verhältnissen mit einer unglaublichen Stärke und Konsequenz.

Nun tauchen wir in die märchenhafte Welt des Theaters ein. Eine Fee sucht Sie auf und bietet Ihnen an, die Kulturlandschaft in Kärnten frei nach Ihren Vorstellungen zu gestalten. Was würden Sie sich wünschen?

Ich würde ausnahmslos alle Theater mit Frauen besetzen. Und es gäbe eine Männerquote – das würde ich also umdrehen. Ich würde Frauen auswählen, die eine emanzipatorische Agenda haben und in dem Sinne möglichst frei und offen für zeitgenössisches, postkolonialistisches, antirassistisches, migrantisches Theater sind – also ein vielstimmiges Theater. So wie unsere Institutionen und Theater besetzt sind, repräsentieren sie die Gesellschaft in keiner Weise. Ich möchte einen Reflexionsraum für zeitgenössisches Leben haben, kuratiert von Frauen.

Das Theater Wolkenflug agiert ohne fixe Spielstätte. Stattdessen bringen Sie das Theater an verschiedenste Orte, die zu den jeweiligen Projekten passen. Gibt es für Sie die eine Traum-Location, an der Sie einmal ein Theaterstück umzusetzen möchten?

Ich war schon an vielen Orten, im Wappensaal, im Sitzungssaal der Landesregierung, am Magdalensberg, am See in der Villa Miralago, an vielen Orten in Kärnten. Ich denke, es müsste auf einem Berg sein. Ich spiele oft Outdoor. Da entstehen Eindrücke, die kriegt man in einem Theaterhaus nicht zu fassen. Das sind auch immer riskante Unternehmungen, weil es von der Organisation schwierig ist. Aber gerade dem gehört meine Leidenschaft, weil das Ganze dadurch so unkontrollierbar und auch vielseitig wird.

Eva Gruber-Letz, BA MA
Kunsthistorikerin
Kontakt: eva.gruberletz@gmail.com

 

 

Ute Liepold – Foto © Puch Johannes

Zur Person:
Ute Liepold (geb. 1965 in Bregenz) ist eine österreichische Regisseurin, Autorin, Gender-Philosophin und Intendantin von Theater Wolkenflug. Sie studierte Philosophie, Germanistik, Publizistik und Soziologie in Wien und Klagenfurt. Ihr Arbeitsschwerpunkt ist Feminismus und Gender-Theorie. Neben journalistischen Tätigkeiten, der Durchführung diverser Studien und einem Lehrauftrag an der Universität Klagenfurt schreibt sie seit 2001 Theaterstücke sowie Drehbücher und führt Regie. Gemeinsam mit ihrem Mann Bernd Liepold-Mosser gründete sie das Theater Wolkenflug. Ute Liepold hat 3 Töchter und lebt in Klagenfurt.

Dr.in Ute Liepold ist seit 2013 Leiterin des „THEATER wolkenflug“.
www.wolkenflug.at

 

Warum habe ich das BFC gegründet?

Vor mittlerweile mehr als 20 Jahren habe ich aus dem Bedürfnis eines qualitativen Austausches mit beruflich engagierten Frauen dieses weibliche Wirtschaftsnetzwerk gegründet. Die Kernwerte des Business Frauen Centers decken sich mit meinen persönlichen, wie Freude am Leben, Authentizität, Chancengleichheit und hoher Qualitätsanspruch in vielen Bereichen des Lebens.

Nach wie vor kann ich meine Kompetenzen als Personalentwicklerin und Unternehmensberaterin sehr gut einsetzen und erlebe noch immer einen großen Sinn in meiner Arbeit.
Meine Leidenschaften liegen bei der Mitgestaltung an gesellschaftlichen Veränderungen zu mehr Diversity und Nachhaltigkeit in der Wirtschaft und der Gesellschaft.

Ich glaube fest an die schöpferische Kraft der Frauen und ihre positive Gestaltungskraft für die Welt.

Bündeln wir unsere Kräfte und setzen wir uns dafür ein, dass wir eine lebenswerte Welt für unser Kinder und Kindeskinder hinterlassen.

Besonders stolz bin ich, dass ich meinen Traum – Mutter von vier gesunden Kindern – parallel zur Umsetzung eines herausfordernden Social Business erfüllt habe. Ich wünsche allen Frauen, dass sie so viele Kinder wie sie wollen bekommen und sich trotzdem beruflich verwirklichen können.

Mag.a Daniela Stein

Business Frauen Center

Die Weberin

Die Weberin

Ich freue ich mich über die Einladung von Mag.a Daniela Stein vom Business Frauen Center, Ihnen meinen ersten Roman „Die Weberin“ in einem Blog vorzustellen. Danke dafür! Im Lockdown mussten ja die Präsentation und Lesungen abgesagt werden.

Neben der Tätigkeit als Psychologin konnte ich in den letzten Jahren einige Erzählungen in Anthologien veröffentlichen. Das Manuskript – „Die Weberin“ – wurde einige Monate vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie vom Wiener Verlagshaus Hernals angenommen. Der Roman erschien Anfang Dezember 2020.

Was bewegt mich beim Schreiben?

Meine Geburtsstadt Klagenfurt ist reich an Geschichte und Geschichten, die es wert sind, erzählt zu werden. Gerade im 21. Jahrhundert, in dem es immer weniger Zeitzeugen gibt, ist es wichtig, die Erinnerung an Bemerkenswertes wachzuhalten, aber auch an Düsteres und lange Verdrängtes. Die Literatur, die Darstellenden und Bildenden Künste, die Musik usw. sind mehr denn je gefordert, gesellschaftlich wichtige Themen aufzugreifen und dem Vergessen entgegen zu treten.

Erste Prosatexte entstanden in meiner Volksschulzeit. Schon als Kind berührten mich die Erzählungen, die in der Familie weitergegeben wurden. Es waren Schilderungen von Lebensschicksalen, die mit der konfliktreichen Geschichte Österreichs verbunden waren und sind.

Ein Beispiel: Mein Vater wurde 1936 während der Zeit des autoritären Ständestaates wegen seines mutigen Eintretens für die Demokratie und die Freiheitsrechte am Landesgericht Klagenfurt zu schwerer Kerkerhaft verurteilt. Auch in der NS-Zeit und während des Krieges trat er für seine sozialdemokratische Gesinnung sowie für die Rechte der Kärntner SlowenInnen ein.

„Die Weberin“ ist ein poetischer Roman, der von der Familiengeschichte ausgeht. Rund achtzig Jahre nach Ende des Krieges entwickelt sich vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse der Flüchtlingskrise eine Liebesgeschichte. Die Wiener Dramaturgin Carla lernt den Musiker Boris kennen und kehrt auf Spurensuche nach Kärnten zurück, wo die Großeltern lebten. Sie wird mit Erinnerungen konfrontiert, die sie lange weggeschoben hat und denen sie sich zu stellen beginnt.

Ein zentrales Motiv ist für mich, über die Zerbrechlichkeit des Friedens und der Demokratie zu schreiben. Jüngeren Menschen erscheint unsere demokratische Lebensweise als selbstverständlich. Sie ist jedoch eine Errungenschaft, die sich über Jahrzehnte (trotz des zeitweilig scharfen Gegenwinds) entwickelt hat und deren Bestehen gerade in schwierigen Zeiten verteidigt werden muss. Es gilt weiterhin, wachsam zu sein.

Spannend für mich ist auch die Frage, wie eine Gesellschaft und ihr Umgang mit der Vergangenheit das Erleben und Handeln der Figuren in der Gegenwart beeinflusst. Auch diesem Thema gehe ich in der Erzählung nach.

Und: Was hält unsere Gemeinschaft zusammen, was sichert ihren Zusammenhalt? Kann Musik und die Kunst konstruktive Kräfte in Bewegung setzen? Und Egoismen überwinden? Eine Liebe retten?

Apropos Musik: Sprache ist Musik für mich (ich wuchs in einem musikalischen Elternhaus auf). Auch einige lyrische Passagen sind in der „Weberin“ zu entdecken.

Ich wünsche Ihnen anregende Lesestunden und alles Beste für 2021!

MMag.a Eva Possnig-Pawlik

Verlagshaus Hernals – „Die Weberin“

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Reise des Lebens: Über das Tagebuch-Schreiben

Reise des Lebens: Über das Tagebuch-Schreiben

12.000 Tage und noch ein paar mehr mein eigener Storyteller

Eigentlich sollte ich nach dieser Headline, wie vermutlich erwartet, eine professionelle Anleitung zum Tagebuchschreiben liefern. Verzeihen Sie! Ich mache es nicht, da es aus meiner Sicht so eine gar nicht gibt. Denn es geht hierbei um eine zutiefst persönliche Angelegenheit, die sich in keine Schablone zwängen lässt. Ist dieses Zwiegespräch mit sich selbst einmal zur Herzenssache geworden, funktioniert es ohnehin ganz von allein. Das ist meine Erfahrung – sie ist nun stolze 33 Jahre alt.

Wie alles begann

„Viel Schlaf!“ lautete meine müde Premieren-Eintragung am Neujahrstag des Jahres 1988. Und sie stand noch dazu in einem optisch zweifelhaften Kalender – ein gutgemeintes Werbegeschenk. Wie die Silvesternacht zuvor verlaufen war, an das kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich werde es wahrscheinlich auch nie mehr erkunden können, vielleicht auch ganz gut so. Seit diesem Zeitpunkt jedenfalls ist die Reise meines Lebens auf Papier festgehalten – Tag für Tag und fast immer ausgeschlafen! Zugegeben auf Tag eins folgte noch der Vermerk „Vormittag langer Schlaf“ am Tag drei. Der Rutsch ins Neue Jahr muss also wirklich anstrengend gewesen sein – aber Schritt für Schritt wurden die Notizen in den Tagesspalten des guten alten Kalenders ausführlicher, munterer und gehaltvoller. Ohne dass ich es bewusst vorhatte, schrieb ich wie selbstverständlich täglich weiter. Mit Jahresmitte trat ich meinen Dienst bei der Österreich Werbung an und wusste bald meine Intuition zu deuten. Reisen, viel unterwegs sein, ständig neue Impulse, viele Begegnungen, Eindrücke und Erlebnisse boten immer mehr Schreibstoff und forderten zumindest am Papier ihre Ordnung ein.

Das Papier

Der Werbekalender wurde mit dem nächsten Jahreswechsel gegen ein würdigeres Format eingetauscht, den „Tebe Ideal Luxus-Chefkalender“. Ideal für mich nicht des Namens wegen (nein!), sondern weil er mir für jeden Tag eine ganze leere Seite bietet und weitere wertvolle Nützlichkeiten in puncto Übersicht. Ich bleibe ihm nun – resistent gegen alle möglichen virtuellen Versuchungen –  bereits seit 33 Jahresausgaben aus voller Überzeugung treu. Einzig die Farbe wechsle ich ab und zu. Jährlich bereits im Frühherbst fragt der nette Mitarbeiter des Schreibwarengeschäftes meines Vertrauens bei mir nach, für welche Optik des Ledereinbandes (dieser Luxus ist wahrlich berechtigt!) ich mich diesmal entschieden habe. Ein Ritual, das mich jedes Jahr aufs Neue in Rührung versetzt und meinem Tagebuchkauf die persönliche Wertigkeit verleiht, die ein anderer vielleicht seinem Autokauf zuschreiben würde.

Dokumentation, Reflexion, Von-der-Seele-Schreiben, Demut

Warum schreibe ich nun täglich seit über 12.000 Tagen in mein lederverkleidetes Buch? Aus vier Gründen: Ganz oben auf der Liste steht die Dokumentation. Ich finde es einfach wunderbar, nicht zuletzt in Zeiten angehender Vergesslichkeit, mein Leben aufgezeichnet zu wissen, wann ich wo war, was ich erlebt habe, welche Begegnungen ich mit welchen Menschen wann hatte. Ich liebe es, meine persönlichen Jahresstatistiken aufgrund meiner Notizen zu machen. Wie oft war ich mit meiner (nun leider verstorbenen) Hündin Bertha joggen? Über 2050 Mal entlang des Forstsees – unvergessliche gemeinsame Stunden! Wie oft war ich im Wörthersee schwimmen, wie oft in Wien in welchem Theater, wie oft mit den Gästen meines Reiseunternehmens TLS Reisekultur www.tlsreisekultur.at in Venedig, welche Bücher habe ich gelesen und und und. Allein durch das Niederschreiben habe ich das Gefühl, dass sich das alles in irgendeiner Weise manifestiert und erst so wirklich abgeschlossen ist. Vor allem aber wird es durchs Nachlesen wieder in wertvolle Erinnerung gerufen. Und nicht nur das! Es ist auch höchst spannend, sich selbst zeitversetzt zu lesen und dabei seinen eigenen Wandel in Bezug auf Prioritäten, Ansichten, Einstellungen, Handschrift etc. zu beobachten.

Ein zweiter für mich bedeutender Anreiz, Tagebuch zu schreiben, ist die tägliche Übung der Reflexion. Als munterer Morgenmensch schreibe ich beim Frühstückskaffee meine Notizen zum Vortag. Da bin ich gezwungen, die Geschehnisse noch einmal Revue passieren zu lassen, zu reflektieren, zu überlegen, was gut und weniger gut war. Mit dieser bewussten Analyse habe ich die Chance, auch nützliche Lehren zu ziehen, mich zu loben oder zu tadeln. Und diese Überlegungen wirken auch oft wie ein Ideengenerator für Neues, für Kreatives.

Und natürlich gibt es noch einen gewichtigen Grund, zur persönlichen Feder zu greifen. Ich kann mir damit einfach von der Seele schreiben. Ob Leid, ob Freud! Boxsack, Klagemauer, Beichtstuhl, Schwester, Freundin, Psychotherapeut – ein Tagebuch ist multifunktional

Über die Jahre kristallisierte sich für mich noch ein weiteres Bedürfnis heraus, dem ich im ständigen Zwiegespräch mit mir selbst ganz gut nachkommen kann: dem bewussten Danken. Täglich gilt es drei „Dinge“ niederzuschreiben, für die ich dankbar bin. Und schon fühle ich mich wieder ein Stück zufriedener – nach dieser Übung der Demut.

Lebensbegleiter

Zu schreiben gibt es für mich immer viel – ob auf meinen zahlreichen Reisen, im ganz normalen Alltag oder im Lockdown. Einmal über jenes, das von außen einströmt, einmal über jenes, das von innen kommt und auf Papier festgehalten werden will. Rund 4000 Schreibstunden habe ich bis jetzt meinem eigenen Leben und mir ganz persönlich gewidmet. Das Tagebuch ist zu meinem treuen und engst vertrauten Begleiter, nicht nur auf meinen Reisen durch die Welt, sondern auf meiner Reise durch das ganze Leben geworden, das Schreiben zu einem unverzichtbaren Ritual – mindestens auf Stufe des Zähneputzens. Und um die positive Wirkung von Ritualen weiß man ja.

Gerade jetzt bewegen wir uns in Zeiten, in denen selbstverständliche Gewohnheiten, darunter jene mit rituellem Charakter, plötzlich nicht mehr selbstverständlich sind. Warum sich nicht auf Neues einlassen, was möglich und erlaubt ist? Wie wäre es mit Tagebuch-Schreiben? In welcher Form, in welcher Intensität und in welcher Absicht auch immer. Denn sein eigener Storyteller zu sein, das hat etwas. Besonders auch mit der Perspektive auf zumindest einen sehr interessierten Zuhörer, respektive Leser – den Protagonisten selbst. Und die Story wird sicher gut. Denn: Das Leben schreibt eben die besten Geschichten!

Mag.a Regina Rauch-Krainer, MAS
TLS Reisekultur GmbH

 

Dummheit ist: immer wieder dasselbe zu tun und unterschiedliche Ergebnisse zu erwarten. (Eli Jaxon-Bear)

Dummheit ist: immer wieder dasselbe zu tun und unterschiedliche Ergebnisse zu erwarten. (Eli Jaxon-Bear)

Mein Leben ist eigentlich immer in geraden Bahnen verlaufen. Hochschulabschluss, gut bezahlter Job, Mann, Kinder, Haus. Alles was ich angepackt habe, ist mir geglückt. Stets auf Vollgas unterwegs – im Job, in der Familie, in der Freizeit. Schwäche zu zeigen, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Fehler habe ich mir keine erlaubt. Meine Chefs waren immer zufrieden mit meiner Leistung, mein Haus war immer geputzt, und wenn wer was gebraucht hat, war ich sofort zur Stelle. Braves Schäfchen, tolle Freundin, immer pünktlich, immer alles selbst gebacken. Immer funktionieren, immer fleißig, immer arbeiten. Immer, immer, immer. Superwoman par excellence. Das typische Hamsterrad oder besser gesagt: der ganz normale Alltagswahnsinn.
Bis eines Tages diese eine Frage immer lauter wurde. WARUM TUE ICH MIR DAS AN?

Die Arbeit in einem Konzern oder in einem großen Unternehmen hat zweifelsfrei viele Vorteile. Ein sicheres Einkommen, viele Sonderleistungen und die Möglichkeit, „Karriere“ zu machen. Aber ist das wirklich alles im Leben? Ist es so wichtig, der Chef von jemanden zu sein, „was zu sagen zu haben“? Was sagt die Position in einem Unternehmen über mich als Mensch aus? Möchte ich mein Leben lang davon abhängig sein, dass irgendjemand meine Projekte und Ideen unterstützt? Möchte ich immer von A nach B hetzen, immer am Sprung sein und nie im Moment leben?
Oder möchte ich die Verantwortung für das, was ich mache und wie ich lebe, selbst tragen? Selbst bestimmen mit wem, wann und was ich arbeite? Ich habe mich ganz klar für Letzteres entschieden.

Was mir bei meinem damaligen Job besonders zu schaffen machte, waren die Rahmenbedingungen. Rahmenbedingungen, die für eine gut ausgebildete Frau mit Karriereabsichten, die aber auch ein gesundes Familienleben führen möchte, einfach nicht gepasst haben.
Alles in mir sträubte sich, in diesem Hamsterrad weiter zu funktionieren. Denn funktionieren war so ziemlich das einzige, was ich zu der Zeit noch tat.
Also entschied ich mich, aus dem Hamsterrad auszusteigen und mein Leben neu zu definieren.

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ (Hermann Hesse)

Nach einer kurzen Kreativpause gründete ich Gaiana by Verena Ogris. Mein Unternehmen — meine Regeln — meine Verantwortung. Gaiana ist mein Beitrag, meine Vision von einer besseren Welt. Egal ob als Nachhaltigkeitsexpertin, Autorin oder Yogini. Es ist meine schöpferische Kraft, die mir entweder Erfolg bringt oder auch nicht. Es liegt in meinen Händen. Ich entscheide!

Als Nachhaltigkeitsexpertin liegt mein Fokus bei kleineren und mittleren Unternehmen, die keinen eigenen CSR- oder Nachhaltigkeitsbeauftragten haben, jedoch das Thema als wichtig erachten und daran arbeiten möchten. Ich unterstütze unter anderem bei der organisatorischen Verankerung, der Bewusstseinsbildung, der Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichtes oder bei der Entwicklung von konkreten Maßnahmen zum Thema Nachhaltigkeit. Eine nachhaltige Ausrichtung ist kein „nice to have“ mehr, sondern essentiell für ein erfolgreiches Unternehmen.

Die momentane Situation stellt viele Unternehmen vor große Herausforderungen. Mich als selbstständige Einzelkämpferin hat die Krise natürlich auch getroffen. Trotzdem bereue ich keinen Tag, den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt zu haben.

Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen

In diesem Sinne: #letsmaketheworldabetterplace – together!

MMag.a Verena Ogris

www.gaiana.eu

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Lösungsorientiert für die Klienten im Einsatz

Lösungsorientiert für die Klienten im Einsatz

„Der Besuch beim Anwalt ist wie der Besuch beim Zahnarzt. Ich bin froh, wenn ich das nicht brauche“. Diesen Satz hörte ich bei Rechtsberatungen immer wieder. Der Besuch beim Anwalt hat für Personen immer wieder einen negativen Beigeschmack und wird als unangenehm empfunden.

Diese Ansichten sind überholt und entsprechen nicht mehr dem modernen Rollenbild des Anwalts. Aufgabe des Rechtsanwalts soll es sein, nicht die Probleme in den Vordergrund zu stellen, sondern Lösungskompetenz zu beweisen und dem Mandanten Möglichkeiten aufzuzeigen, sein Recht bestens durchzusetzen. Dazu gehört insbesondere, vorliegende Sachverhalte rechtlich zu analysieren und festzustellen, ob bei Streitigkeiten eine einvernehmliche, außergerichtliche Lösung noch möglich ist oder gerichtliche Hilfe in Anspruch genommen werden muss. Auch gehört es zu den wesentlichen Aufgaben des Anwalts, dem Klienten offen zu kommunizieren, wenn rechtliche Schritte nicht erfolgversprechend sind.

Bei Streitigkeiten setze ich mich mit vollem Engagement für meine Mandanten ein, erkläre aber auch offen, wenn Rechtsansichten unrichtig oder Erfolgsaussichten gering sind. Meist ist auch der wirtschaftliche Zugang zu beachten und zu prüfen, ob im Sinne einer „Kosten-Nutzen-Rechnung“ eine gerichtliche Verfolgung des Anspruchs zielführend ist oder nicht doch allenfalls die Durchführung einer Mediation zu einer rascheren Lösung führt, die auch den Wünschen des Mandanten entspricht.

Insbesondere bei Vertretungen von Unternehmen ist der „Kosten-Nutzen-Faktor“ wesentlich, um zu beurteilen, welche rechtlichen Schritte man setzt. Immerhin kann auch eine schlussendlich zwar erfolgreiche, aber jahrelange gerichtliche Auseinandersetzung den gewünschten Erfolg, beispielsweise eine Zahlung nicht garantieren, insbesondere wenn die gegnerische Partei insolvent wird.

Zu beobachten ist, dass die Frage, welchen Aufwand man betreiben muss, um zu seinem Recht zu kommen, in familienrechtlichen Auseinandersetzungen meist völlig untergeht. Hier wird nicht nur der pekuniäre Kostenfaktor unberücksichtigt gelassen, sondern werden Streitigkeiten zwischen Eltern oder Ehegatten meistens am Rücken derer ausgetragen, die es eigentlich zu schützen gilt, der Kinder. Besonders in jenen Bereichen, in denen die Eltern emotional noch in der Trennungsphase verhaftet und andere, als sachliche Argumente bedeutsam sind, ist die Beiziehung eines Rechtsanwalts von wesentlicher Bedeutung. Gerade in diesen sensiblen familiären Rechtsstreitigkeiten gilt es, Lösungen zu finden, um auch nach Abschluss eines allfälligen Gerichtsverfahrens die Begegnung der Eltern auf Augenhöhe und Gespräche miteinander zu ermöglichen. Leider gibt es aber gerade auch in diesem sensiblen Lebensabschnitt Standeskollegen/-innen, die ohne Rücksicht auf Verluste prozessieren und zum Schluss nur gegenseitige Anschuldigungen/Verletzungen übrig bleiben. Eine Akzeptanz zwischen den Eltern ist in derartigen Fällen nur mehr schwer möglich.

Bereits in meinen ersten Jahren als Anwältin erkannte ich, dass zahlreiche Streitigkeiten vor Gericht auf Missverständnisse zwischen Parteien zurückzuführen waren, die nicht aufgetreten wären, hätte man beispielsweise vor Vertragsabschluss über diese Punkte gesprochen. Es war mir daher ein Anliegen, mich im Bereich der Vertragsgestaltung weiterzubilden und beschloss ich in den Jahren 2017/2018 berufsbegleitend ein postgraduate Studium an der Universität Krems zu absolvieren. Seit meinem ausgezeichneten Abschluss konnte ich bei der Vertragserrichtung zwischen Parteien bereits oftmals Punkte aufzeigen, die niemand beachtet hatte und die möglicherweise in der Abwicklung des Vertrages zu Unstimmigkeiten geführt hätten. Man wird als Vertragserrichter niemals alle Eventualitäten berücksichtigen können. Wer hätte vor zwei Jahren bei Erstellung eines Mietvertrages daran gedacht, dass wir mit einer Pandemie konfrontiert sein werden? Dennoch sollte es das Ziel sein, allenfalls bereits getroffene, unklare Regelungen zwischen den Vertragsparteien aufzuzeigen und Lösungsvorschläge anzubieten.

Der Besuch beim Anwalt kann nur dann unangenehm sein, wenn man zu spät rechtliche Beratung in Anspruch nimmt. Erkennt man jedoch früh genug die Notwendigkeit, einen Rechtsbeistand beratend beizuziehen, können viele – auch kostenintensive Streitigkeiten – verhindert werden. Dies gilt sowohl für die allgemeine Vertragserstellung (beispielsweise beim Bau eines Hauses oder bei Abschluss eines Mietvertrages), als auch besonders im familiären Bereich (Errichtung von Partnerschafts- oder Eheverträgen).

Mit vollem Engagement und Ehrlichkeit für meine Mandanten da zu sein, ist mein Credo und versuche ich dies auch stets bestmöglich umzusetzen.

Mag.a Kornelia Kaltenhauser, LL.M.
FINK + PARNTER Rechtsanwälte

Warum Digitalisierung im Finance unverzichtbar ist

COVID-19 hat die Digitalisierungslücken im Finanz- und Rechnungswesen offengelegt. Es gilt, sie schnell und nachhaltig zu schließen.

Mitarbeiter im Homeoffice, virtuelle Konferenzen oder die radikale Umstellung der Prozesse auf digital: Die Corona-Krise verändert die Arbeitswelt vieler Unternehmen in Österreich. Das stellt gerade Mittelständler vor enorme Herausforderungen. Vor allem ihr Rechnungswesen droht wegen bisher oft nur schleppender Digitalisierung zum Engpass zu werden. Dabei sind gerade jetzt schnelle und zuverlässige Informationen notwendig, um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern, um Stakeholder zeitnah zu informieren, aber auch um Überbrückungskredite von Banken zu bekommen oder Stundungen beim Finanzamt zu beantragen.

Fehlende digitale Prozesse sind ein Risiko

Finanzabteilungen verfügen schon unter normalen Umständen selten über ausreichend Personal. In der Corona-Krise ist die Leistungsfähigkeit des Finanzbereichs durch steigende Krankmeldungen und fehlende Kinderbetreuung zusätzlich eingeschränkt. Zu Beginn der Pandemie haben die Unternehmen zunächst nur das Notwendigste getan. Mit der Erstellung des ersten Monatsabschlusses im Lockdown waren viele anfangs überfordert, denn oft fehlen definierte Prozesse, die man „remote“ ausführen kann.

Papierbasierte Prozesse und die hinausgeschobene Digitalisierung aller wichtigen Unterlagen, zum Beispiel die Digitalisierung von Verträgen, rächen sich im Lockdown und erfordern zumindest eine rotierende Mitarbeiterpräsenz in den Büros. Daneben existieren zwar große Mengen an digitalen Dokumenten, jedoch wurden in der Regel die entsprechenden Daten nicht strukturiert in Systeme überführt, was eine automatisierte Verarbeitung erschwert. Viele Daten existieren zudem nur auf individuellen Laufwerken einzelner Mitarbeiter, was Vertretungen und Arbeitsteilung, zum Beispiel mit externen Dienstleistern, zusätzlich erschwert.

Ein klassisches, aber in der aktuell akut angespannten Liquiditätslage für viele Unternehmen sehr relevantes Beispiel: Eingangs- und Ausgangsrechnungen liegen meist nur in Papierform und unstrukturiert in verschiedenen Formaten für unterschiedliche Kunden vor.

Eine systematische Digitalisierung würde dazu führen, dass Rechnungen grundsätzlich maschinenlesbar wären und dadurch automatisiert bearbeitet und gebucht werden könnten. Schon heute kann ein KI-basiertes System bis zu 90 Prozent der Eingangsrechnungen selbstständig abwickeln. Solange Rechnungen in Papierform erstellt werden, bleiben wir trotzdem von der physischen Präsenz der Mitarbeiter abhängig, die einerseits Rechnungen drucken und versenden, und andererseits Umschläge öffnen und Rechnungen einscannen.

Finance und Accounting: Leistungsfähigkeit wiederherstellen – und nachhaltig aufrechterhalten

Eine der wichtigsten Maßnahmen ist die schnellstmögliche Umstellung auf eine maximal automatisierte Bearbeitung in diesen Abteilungen. So bleiben die Abteilungen leistungsfähig und können die Compliance- und Fraud-Risiken der aktuellen Notfalllösungen schnell beherrschen. Das reicht von einfacher, auf Tätigkeiten einzelner Mitarbeiter fokussierte Desktop-Automatisierung, über die Ausführung von Teilprozessen durch eigens dafür programmierte Software-Roboter, bis hin zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI).

Viele Unternehmen, die derzeit aus der Schockstarre aufwachen, erkennen zwar, dass dringender Automatisierungsbedarf im Finance und Accounting besteht. Doch sie wissen nicht, wie die ersten Schritte aussehen sollten, damit die Umstellung auch gelingt.

Wie eine mehrstufige Vorgehensweise bei der Umstellung hilft

Zunächst müssen die neuen Prozeduren umgehend dokumentiert und für Bereiche mit offensichtlichen personellen Engpässen Quick Fixes, also schnelle Automatisierungen, durchgeführt werden.

Im Anschluss an die Ad-hoc-Maßnahmen gilt es mit einer umfassenden Analyse der Unternehmensprozesse weitere Fragen zu beantworten:

  • Wo sind Engpässe absehbar, falls die Krisensituation länger andauern sollte?
  • Wie können Engpässe vermieden werden, wenn es zu einer möglichen neuen Ausnahmesituation kommt, zum Beispiel einem erneuten Lockdown oder dem Ausfall von Mitarbeitern mit Spezial-Know-how?
  • Wie kann das Unternehmen durch Technologie effektiv gegensteuern, um künftig drohende Arbeitsausfälle zu großen Teilen durch Einsatz von Technologie abfedern zu lassen?

Daraus resultiert eine Automatisierungs-Roadmap, die die Unternehmen in den nächsten drei bis sechs Monaten konsequent umsetzen sollten.

Auf mittlere Sicht muss es ein maßgebliches Ziel im Finance und Accounting sein, überall dort, wo Standardarbeiten anfallen, die menschliche Komponente zu entlasten und die Prozesse durch Technologie wesentlich effizienter und sicherer zu gestalten. So sollten möglichst viele transaktionale Tätigkeiten digitalisiert werden. Prinzipiell ist auch jede andere regel- oder datenbasierte, wiederkehrende Tätigkeit im Accounting umgehend automatisierbar.

In drei Wochen zur Automatisierung

Im schnellsten Fall hat es nur drei Wochen gedauert, bis Automatisierung im Unternehmen eingeführt war. Ist eine hinreichende Datenmenge vorhanden, kann KI Teilprozesse innerhalb von acht bis zwölf Wochen weitgehend übernehmen. Fangen Unternehmen sofort an, ihre wunden Punkte anzugehen, können sie bereits für den nächsten Monatsabschluss besser gewappnet sein.

Ein weiterer Aspekt, der nicht zu unterschätzen ist, ist der Aufbau von web-basierten „Krisenhandbüchern“, die schnell und effizient Handlungsanweisungen – sogenannte Standard Operating Procedures – an die remote arbeitenden Mitarbeiter adressieren können. Damit wird sichergestellt, dass alle Mitarbeiter möglichst zeitnah „per Knopfdruck“ über neueste Entwicklungen und Änderungen informiert werden und gleichzeitig alle wichtigen Informationen zu ihrem Arbeitsumfeld im Blick haben.

Automatisierungsschub im Finance und Accounting

Insgesamt erwarten wir einen massiven Automatisierungsschub im Finance und Accounting. Denn auch große Konzerne mit ihren regionalen Shared Service Centern (SSC) werden eine noch stärkere Automatisierung im Rahmen eines tatsächlich leistungsfähigen Business Continuity Systems forcieren, um für künftige Krisenfälle besser gewappnet zu sein – und um kurzfristig schlichtweg fehlende Kapazitäten auszugleichen.

Wirtschaft wird aber vor allem durch eins definiert: den Wettbewerb, der jede Ineffizienz früher oder später abstraft. Auch in der aktuellen Corona-Krise dürfen wir diesen Aspekt nicht aus den Augen verlieren. Asien war nicht nur als erster Kontinent von COVID-19 betroffen. Es ist auch Heimat von 70 Prozent der weltweiten Shared Services Centern für Finance und Accounting. Unser Netzwerk berichtet schon heute von einer regelrechten Automatisierungswelle, die in Asien losgeht. Es ist davon auszugehen, dass sie in einem erheblichen Wettbewerbsvorteil für diese Unternehmen resultieren wird.

Mag.a Kristina Aichwalder
Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft m.b.H.