Claudia Mischensky

Wie geht Karriere? Jedenfalls: Do it your way!

Wenn mich nach der Matura jemand gefragt hätte, ob und wo ich Karriere machen möchte, dann hätte ich geantwortet: „Dort, wo ich meine Talente und Begabungen einsetzen kann. Dort, wo ich mit Freude tätig sein kann. Dort, wo ich etwas bewegen, mitgestalten und ein Stück weit aus meiner Perspektive zum Positiven verändern kann. Dort, wo ich mit Menschen wertschätzend und mit Respekt zusammenarbeite.“ Das alles gilt auch heute noch für mich!

Das Rüstzeug dazu haben mir auch meine Mutter und meine Familie mitgegeben, nicht nur, weil sie mir eine ausgezeichnete Ausbildung ermöglicht haben, sondern weil sie mir ein Vorbild waren, ein erfülltes Berufsleben und Familie zu leben, sowie Konsequenz, Zielstrebigkeit und Eigenverantwortung meinem Handeln zugrunde zu legen. Was mich und meine berufliche Laufbahn noch geprägt hat, habe ich als Denkanstöße zusammengefasst:

Tipp 1: Fokus auf Stärken & Mut zu Entscheidungen

Wenn ich Ihnen also einen ersten Tipp geben darf, dann schauen Sie sich einmal ganz genau an, wo Ihre Stärken liegen: Was können Sie gut? Was machen Sie mit Freude? Wo läuft es wie selbstverständlich gut? Wo wollen Sie Ihre Kraft einbringen? So war das mein gesamtes Berufsleben hindurch: Jede meiner beruflichen Stationen war geprägt von Einsatz, Engagement – Sie können es harte Arbeit nennen – und vom Fokus auf die Erreichung meiner gesteckten Ziele. Die Reflexion und dann vor allem der Mut zu Entscheidungen waren für mich die Grundlage, mich weiterzuentwickeln, Themen abzuschließen, Erfahrungen mitzunehmen, Neues in Angriff zu nehmen und Anderes fortzusetzen. An der Universität hat mir die Arbeit mit den Studierenden Spaß gemacht, im Hörsaal zu stehen, war Herausforderung und Freude zugleich. Daraus habe ich für mich mitgenommen, ich möchte in Interaktion mit Menschen sein, eine Tätigkeit im sogenannten „stillen Kämmerlein“ würde mich nicht zufrieden stellen. Daher folgten meine nächsten Karriere Schritte in das Marketing der Creditanstalt und in die Industriellenvereinigung.

Tipp 2: Aus- & Weiterbildung und Weiterentwicklung

Die Zeit der Ausbildung ist wichtig: Da erwerben Sie Fähigkeiten und Fertigkeiten, die die Basis Ihrer beruflichen Tätigkeit legen. Für mich war das damals junge, moderne Studium der Angewandten Betriebswirtschaft mit Fremdsprachen- und Praktikumsfokus nicht nur eine ausgezeichnete Ausbildung, sondern gab mir auch die Möglichkeit, dabei viel über meine Talente und Vorlieben zu lernen.

Doch Ausbildung reicht bei weitem nicht aus. Unser Umfeld, die an uns gestellten Anforderungen und auch wir selbst verändern uns. Daher braucht es lebensbegleitende Weiterbildung und persönliche Weiter­entwicklung. Ein zentraler Baustein im Berufsleben ist für mich lösungsorientiertes Denken und Handeln: Ich versuche, meine Ressourcen weniger darauf zu verwenden, was nicht funktioniert, denn das bringt mich und alle Beteiligten nicht weiter.

Tipp 3: Beruf & Familie

Erfüllte berufliche Tätigkeit ist für mich untrennbar mit Privatleben und Freizeit verbunden. Meine Erfahrung ist, Karriere und Familie lassen sich vereinbaren, wenn auch je nach Lebensphase mit unterschiedlicher Organisation und Aufwand.

Unser Sohn ist während meiner Assistenten- und Doktoratszeit an der Universität geboren, da hatte ich ein wirklich gutes Umfeld. Das schließt vor allem meinen Mann, meine Mutter, sozusagen eine richtige Großfamilie ein. Dazu kam ein flexibler Kindergarten und wenn erforderlich, ein unterstützendes Netzwerk.

Als zehn Jahre später unsere Tochter zur Welt kam, war ich beruflich bereits etabliert. Der Job einer Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung Kärnten endet räumlich und zeitlich nicht am Ausgang des Büros in Klagenfurt. Wieder war es ein gut funktionierendes Netzwerk, das es mir ermöglicht hat, nach sehr kurzer Zeit beruflich wieder einzusteigen – ohne eigentlich jemals ausgestiegen gewesen zu sein.

Für mich und für uns als Familie war es immer wichtig, gemeinsam Zeit zu verbringen. Daher habe ich mich auch entschieden gewisse berufliche Chancen nicht anzunehmen. Sie wären zum damaligen Zeitpunkt und durch zu große räumliche Distanz zur Familie für mich nicht denkbar gewesen. Übrigens ist mein aktueller Karrieresprung in die Position der Vizegeneralsekretärin der Industriellenvereinigung auf Bundesebene idealerweise mit der Matura unserer Tochter zusammengefallen. Sie studiert nun in München und ich arbeite jede Woche einen Tag in Wien.

Und auch der Sport für mich ein unverzichtbarer und beinahe täglicher Bestandteil.

Tipp 4: Führen braucht Prinzipien

Neben den fachlichen Anforderungen sind es für mich insbesondere die Führungsaufgaben, die Verantwortung für Kolleg*innen, die das berufliche Umfeld wesentlich prägen. Abseits von theoretischem Wissen um Methoden und Instrumente braucht es Erfahrung und für mich ganz wesentliche Werte und Prinzipien. Eines meiner Grundprinzipien ist es, jedem Menschen auf Augenhöhe, mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen. Das durfte ich im Zuge meiner beruflichen Karriere von einer Reihe von Wegbegleiter*innen erfahren. Auf den ersten Blick mag es vielleicht eine Selbstverständlichkeit sein, dennoch ist es für mich zu einem Credo im Umgang mit Menschen und in der Führungsaufgabe geworden.

Über die Autorin Dr. Claudia Mischensky

Nach dem Studium habe ich an der Universität in Forschung und Lehre gearbeitet und das Doktorat abgeschlossen. Der nächste Schritt meiner Karriere führte mich in die Privatwirtschaft und in das Marketing der Creditanstalt. Diese intensive Zeit prägte mich zum einen durch ein hochprofessionelles Umfeld und Arbeiten und zum anderen durch Wertschätzung und Vertrauen meine*r Kolleg*innen. Die Position der Geschäftsführung der Industriellenvereinigung Kärnten hat mich sofort fasziniert. In diesem komplexen Wechselspiel aus wirtschaftspolitischer Interessenvertretung, Netzwerk in die verschiedensten Ebenen der Unternehmen, der Politik und Institutionen im Land habe ich mich von Anfang an der richtigen Stelle gefühlt. Mit welcher Professionalität und welch großem Engagement die ehrenamtlichen Funktionäre aus Präsidium, Vorstand, Arbeitsgruppen hier am Werk sind, findet man sonst nirgends. Das engagierte Team im Büro in Kärnten, die top-kompetenten Fachexperten auf Bundesebene, da habe ich ein einzigartiges Umfeld. Der Zugang zu diesem Netzwerk ist nur wenigen im Land möglich; für mich ist es ein Privileg und Herausforderung zugleich hier tätig zu sein. Zudem schaue ich laufend über diesen – wenn auch sehr großen – Tellerrand und engagiere mich in Aufsichtsräten im Bildungs- und Forschungsbereich und wechsle als Stiftungsvorstand eines Familienunternehmens immer wieder die Perspektive. Ergänzend zu alledem ist es der Sport, der Fixpunkt in meinem Leben ist.