Edith Zuschmann

Spüre die Angst und tu es trotzdem

Wie Bewegung hilft, mutig(er) zu sein.

Wer kennt sie nicht, die Angst zu scheitern, sich zu verletzen, ebenso die Angst von anderen belächelt oder negativ bewertet zu werden. Aber auch die Angst etwas zu Verlieren oder Gewalt ausgesetzt zu sein.

Doch was ist Angst genau? Sie ist ein ungerichteter Gefühlszustand, der eine unbestimmte Bedrohung signalisiert. Dieses Gefühl kennt jede von uns, es ist menschlich. Und doch ist sie in den meisten Fällen negativ behaftet. Wir wollen sie nicht spüren – ihr aus dem Weg GEHEN, am besten DAVONLAUFEN. Besonders in unsicheren Zeiten, wo Verluste, Krankheiten und auch Krieg das Tagesgeschehen bestimmen, verstärken sich unsere Ängste. Doch wie damit umgehen? Was tun?

Angst als Kraftquelle

Angst ist eine normale, menschliche Reaktion. Sie ist ein Schutzmechanismus, der uns auf potenzielle Gefahren hinweist. Unsere Intuition vermittelt uns, wir müssen kämpfen oder fliehen. Sie macht uns wachsam und wir sollten diesen Instinkt auf keinen Fall nicht ignorieren. Er schärft unsere Sinne und zwingt uns, Entscheidungen zu treffen.

Um Angst als Kraftquelle zu nützen, erachte ich es für entscheidend zu erkennen, was Angst nicht ist: Sie ist kein/-e

  • Schwäche
  • Zeichen, das wir mit etwas nicht zurechtkommen
  • Einschränkung oder Strafe
  • Grund, uns zurückzuziehen und zu verstecken
  • Zeichen, mit dem aufzuhören, was wir tun
  • Und auch kein Zeichen, dass unser Vorhaben unmöglich ist.

Ich habe gelernt Angst als Geschenk dankbar anzunehmen. Denn jedes Mal, wenn ich sie überwinde, lerne ich dazu und kann am Ende Freude spüren und auf mich stolz sein. Angst kann eine treibende Kraft sein, um meine Werte zu verteidigen, das Leben zu bejahen, Kreativität und geistige Beweglichkeit zu erlangen. Angst kann uns helfen, Verbündete zu suchen, Teams und Partnerschaften zu bilden. Sie zeigt uns, dass wir stark genug sind, um Herausforderungen zu meistern und lässt uns dadurch mutig werden.

Der Angst mutig begegnen

„Spüre die Angst und tu es trotzdem“ ist ein Zitat von Susan Jeffers, Autorin des Buchs „Selbstvertrauen gewinnen“. Sie meint damit, wir können lernen, die Angst anzunehmen. Um nicht gleich ins kalte Wasser zu springen, möchte ich hier einen Weg aufzeigen, um mutig der Angst in die Augen zu blicken und in einem geschützten Umfeld Mut für diesen Schritt tanken können.

Ich weiß aus eigener Erfahrung sowie aus meiner Arbeit als Trainerin, dass körperliche Bewegung Menschen hilft, Angst zu überwinden. Durch Bewegung können wir uns immer wieder im geschützten Rahmen Angst aussetzen. Die erste Teilnahme an einem Sportkurs flößt einigen Menschen Angst ein, denn sie wissen nicht was auf sie zukommt, was passieren wird, wie es ihnen ergehen wird. Es ist da dieser kleine Zweifel im Hinterkopf, ob wir das, was wir uns vorgenommen haben, schaffen. Durch diese Bewegungserfahrung lernen wir, mutig den Dingen entgegenzutreten, sich der Angst zu stellen und mitzumachen. Eines kann ich versprechen: außer einem Muskelkater kann wirklich nichts passieren!

Wie körperliche Bewegung hilft, Angst zu reduzieren:

  • Wir tun etwas, das uns Angst macht, in einer sicheren, kontrollierten Umgebung.
  • Symptome wie Atemlosigkeit und ein schneller Herzschlag werden mit etwas Positivem assoziiert.
  • Wir stärken den Glauben an uns selbst, weil wir etwas geschafft haben.
  • Wir werden augenblicklich mit Glückshormonen belohnt.
  • Wir treten mit anderen Menschen in Kontakt, die ähnliche Ängste haben oder hatten, und erhalten von ihnen Unterstützung.
  • Diese „Mutproben“ können leicht auf andere Lebensbereiche übertragen werden – frei nach dem Motto: „Wenn ich das schaffe, dann meistere ich auch andere Dinge.“
  • Und durch die Bewegung stärken wir unseren gesamten Körper, wir entwickeln ein selbstsicheres Körpergefühl, das uns wiederum in schwierigen Situationen hilft – im wahrstem Sinne des Wortes – STARK zu sein.
  • Bewegliche Menschen können sich schneller an neue Bedingungen anpassen, sie tun sich leichter sich neu auszurichten und durchzustarten.

Körperliche Bewegung hat noch einige weitere, entscheidende Vorteile, Angst in den Griff zu bekommen:

  • Bewegen können wir uns überall – und kostenlos
  • Und das ohne jegliche negative Nebenwirkungen.

Durch die Bewegung können wir uns der Angst auf kontrollierte Weise stellen. Wichtig ist einen Schritt nach dem anderen zu tun und langsam die Anforderungen zu steigern, anstatt uns zu überfordern. Wenn wir erste Erfolge erzielen, dann hilft uns das, den Glauben an uns selbst zu stärken und Selbstvertrauen zu entwickeln.

Und sollten wir einmal Scheitern, dann lernen wir in einem geschützten Umfeld damit umzugehen. Wenn ich etwas nicht gleich beherrsche, dann werde ich nicht ausgelacht, sondern bekomme Unterstützung es nochmals zu versuchen. Das zu erfahren, hilft im Alltag mit vermeintlichen Ängsten umzugehen.

Sich zu bewegen, heißt somit nicht DAVONZULAUFEN, sondern mutig der Freiheit und seinen Träumen entgegenzugehen oder zu laufen. Ich habe erfahren, dass Angst die Chance in sich birgt, zu lernen und zu wachsen. Manchmal suche regelrecht ich die Angst, denn dann weiß ich, dass ich mutig weiterkomme. Probiere es aus!

Edith Zuschmann

Über die Autorin

Edith Zuschmann: Mitbegründerin, Präsidentin und von 261 Fearless Inc – dem globalen Frauen Laufnetzwerk, das aktuell in 12 Ländern auf 5 Kontinenten aktiv ist, unter anderem in Österreich. 261 Fearless bildet weltweit Frauen zu Lauftreff Betreuerinnen aus, um lokal Frauen durch Bewegung und speziell durch Laufen Frauen mutiger zu machen und ihnen eine geschützte Community anzubieten. Seit 2012 gibt es in Österreich den Club 261, der unter anderem in Klagenfurt, Sankt Veit, Sankt Kanzian, Spittal an der Drau und Sankt Andrä wöchentlich hunderte Frauen bewegt.

Zudem arbeite ich als Unternehmensberaterin bei diversen Frauen-Sportprojekten mit, bin staatlich geprüfte Athletik- und Lauftrainerin und unterrichte als Vortragende an der FH Wr. Neustadt / Training und Sport.

Bewegung – vor allem Laufen – ist meine Energiequelle. Durch den Sport konnte ich mich vieler Barrieren und auch Ängste erfolgreich stellen und ich ermutige in und durch meine Projekte Frauen diese Kraftquelle ebenfalls auszuprobieren.

261fearless.org

Club261.com