„Und dann kommt die Musik…“ oder: „…die Sache mit dem Geld“

„Kannst du einmal etwas über „finanzielle Eigenständigkeit“ schreiben?“

„Noch was? Mir kommt vor Statistiken, Studien, Artikel, Fachbücher, Workshops – f2f/digital/hybrid… da ist schon so viel da. Es wird eh gebloggt und gevloggt was das Zeug hält.“

„Schon klar, dass unser österreichisches Sozialversicherungssystem so gebaut ist, dass mein Erwerbseinkommen sogar mein Einkommen im Alter bestimmt – schallt von überall. Habe ich gecheckt. Aber ich meine: er macht gerade voll Karriere, unsere Kinder sind jetzt noch klein und so ein Tag hat 24 Stunden. Hexen kann ich noch nicht, irgendwann bin ich müde und ich kann mir nicht vorstellen, dass es nur mir so geht.“

„Da hast du allerdings Recht. Wir leben in einem erwerbszentrierten Alterssicherungssystem. Einerseits werden Tätigkeiten in frauendominierten Branchen wie u.a. im Gesundheits- und Sozialwesen oder im Handel nach wie vor geringer bewertet und entlohnt. Andererseits gibt es noch immer genderspezifische Einkommensungleichheiten auch in vielen anderen Branchen. Beides in Kombination mit Teilzeitarbeit ist ursächlich dafür, dass ein niedrigeres Einkommen jetzt direkt zu einer niedrigeren staatlichen Pension im Alter führt.“

„Alles alte Zöpfe. Der Equal pay day erinnerte heuer am 21.2.2021 daran, dass die Einkommensdifferenz in Österreich zwischen Frauen und Männern im Erwerbsleben bei gleicher Qualifikation im Durchschnitt noch immer bei 14,3% liegt. Und der gender gap in pensions – also die Pensionslücke aus der gesetzlichen Pensionsversicherung – zeigt, dass die staatlichen Alterspensionen der Frauen je nach Berechnungsart sogar um rund 40% – 50% unter denen der Männer liegen. Weiß ich alles. Mir geht’s jetzt aber weniger darum was unser Sozialsystem für mich tun kann, als mehr darum, was ich selbst konkret tun kann.“

„Spannend, du könntest ja auch sagen, ich muss Gottseidank nicht arbeiten, er verdient ja so gut.“

 „Na gut, der Satz hat aber schon einen ganz schönen Bart. Ich arbeite nämlich sehr gerne, das ist für mich auch teilnehmen am sozialen Leben, Anregungen bekommen, eigene Kontakte hegen und pflegen und natürlich kann ich so auch gleichzeitig mit meinem eigenen Geld an meiner lebenslänglichen finanziellen Eigenständigkeit bauen. Ganz nebenbei: Was, wenn sich bei seinem Einkommen oder unserer Beziehung in Zukunft etwas ändern sollte? Also: Was kann ich selbst tun?“

Am wichtigsten ist, dich in kein „entweder – oder“ drängen zu lassen. Das ist ja klassisch und kommt ganz oft. Wo immer du darauf stößt, bleib mutig und male ein großes UND. Das ist natürlich ein Spagat. Viele Frauen wollen eine berufliche Seite leben und gleichzeitig ihre Verantwortung in der Familie und Gesellschaft wahrnehmen.“

„Du, das mit der Zeit hast du aber schon gehört? Ich sage dir, ich bin im Alltag quasi allein mit Kindern, Haushalt,…aber es stresst mich jetzt schon und du sagst mir: male doch ein UND? Hol dir die Erwerbstätigkeit rein und am besten noch 2-3 Ehrenämter?“

Wege entstehen nach wie vor im Gehen und ich habe nicht gesagt, dass es leicht wird. Aber Möglichkeiten sehen und nicht Hindernisse,  auszuprobieren, einfach anzufangen und zu tun… das kann trainiert und geübt werden. Das geht nicht von heute auf morgen. Stelle deine Grundprogrammierung im Denken so ein, dass du überhaupt an weiteren Schrauben drehen kannst. Das ist wichtig. Da stehen Frauen sich oft selbst im Weg. Wenn du dir nichts zutraust, wie sollen das dann erst andere tun?“

„Welche weiteren Schrauben?“

„Hast du einen eigenen Lebensplan?“

„Spätestens diese Pandemie hat uns doch gezeigt, wie wenig planbar ist. Also echt jetzt…“

„Da geht es nicht darum, dein Leben auf Punkt und Strich zu verplanen und keinen Millimeter davon abzuweichen.“

 „Na, für was ist ein Plan sonst gut?“

Finanziell eigenständig bist du, wenn du selbst für deinen Lebensunterhalt aufkommst und das auch im Alter. Finanziell frei, wenn du deinen Lebensunterhalt inklusive Verwirklichung des einen oder anderen Wunsches nicht durch dein Arbeitseinkommen, sondern rein aus dem Rückfluss deiner gesparten und investierten finanziellen Mittel decken kannst.“

„Ach so, du meinst so etwas wie einen Veranlagungsplan. Ob eher Immobilien, Kapitalanlagen oder …. was zu meinem Typ passt usw.?“

„Nein, nicht so schnell. Ich meine: Wie möchtest du leben? Was ist dir wichtig? Und natürlich: was kostet dich dieses Leben – heute und in Zukunft? Welche Einnahmen brauchst du heute, wie kommst du zu ihnen, welche Aus/Fort/Weiterbildung wäre dafür denn hilfreich?  Welchen Betrag von diesen Einnahmen gibst du gleich aus und was möchtest du für deine Zukunft auf die Seite legen? Wie viel Geld brauchst du für einen Not- oder Unglücksfall sofort verfügbar auf der Seite? Wie schaut also dein Lebensplan aus? Wie willst du Geld veranlagen, wenn du nicht einmal weißt, wann du über wie viel davon verfügen möchtest?“

 „Erstens bin ich schon froh, wenn ich meinen Alltag jetzt halbwegs schaffe. Und zweitens war Geld noch nie so meines, das macht er bei uns. Du, wenn ich ehrlich bin, ich weiß nicht mal, was monatlich so unsere Fixkosten als Familie sind.“

„Das wäre auch so eine Schraube.“

 „Was?“

 „Fragen stellen, viele verschiedene Gespräche führen. Eines mit ihm bspw. Wenn du weißt, was du willst, dann sprich mit ihm darüber, was er dazu beitragen kann und möchte. Zeit? Einen Beitrag zu deiner finanziellen Absicherung? Frag jedenfalls nach euren laufenden Kosten, lade dir unter www.neuespensionskonto.at deinen aktuellen Pensionskontoauszug herunter und finde heraus, wie du derzeit rechtlich und finanziell abgesichert bist. Wenig Zeit? Dann nutz die wenige, die du hast – Schritt für Schritt:

  • verschaffe dir einen eigenen Überblick
  • trau dich in Geldthemen rein
  • bau dazu unbedingt eigenes Wissen auf
  • bilde dich weiter
  • halte Kontakt mit deinem beruflichen Ich
  • und vernetze dich mit anderen Frauen, um nötige Veränderungen im gesellschaftlichen Rahmen mitzugestalten

Kurzum: fang an zu gehen…. und dann kommt die Musik (© Einfach Flo)…. sing, tanz & spring…so laut du nur kannst… und hör nie mehr damit auf…

Zur Autorin:

Ingrid Gritschacher ist selbständige Steuerberaterin, Unternehmensberaterin, Unternehmerin & Vortragende. Finanzielle Eigenständigkeit und praktische Umsetzbarkeit von Wissensinhalten im Alltag sind ihr ein großes Anliegen.