Und plötzlich hat die Zukunft ein Gesicht…

Mit der Geburt eines Kindes ändert sich alles. Vor allem der Blick auf die Zukunft und die eigene Verantwortlichkeit dafür. Wenn die Zukunft aussieht wie dieser kleine Mensch in meinen Armen, kann es mir einfach nicht mehr egal sein, wenn sich die Lebensbedingungen auf der Erde in den nächsten Jahrzehnten dramatisch verschlechtern. Genau deshalb – davon bin ich überzeugt – sind Eltern große Hoffnungsträger, wenn es um Klimaschutz, den Erhalt von Biodiversität und ein friedliches Miteinander geht.

Das Bemühen um Veränderungen kostet allerdings Zeit und Energie – beides äußerst knappe Güter im anstrengenden Familienalltag. Und geben kann auf Dauer nur, wer gut auf sich selbst achtet. Deshalb haben wir im BfC die Idee geboren, ein Netzwerk für berufstätige Mamas zu knüpfen, das beides bieten soll: Anregungen für Selbstfürsorge und persönlichen Erfolg und Inspirationen für ein nachhaltigeres Familienleben. Die ab Mai monatlich stattfindenden „Mama im Management“-Frühstücke sollen Lust darauf machen, gemeinsam in der Familie an einem „guten Leben für alle“ zu bauen. Denn wir müssen schleunigst ins Tun kommen.

Start der MiM-Frühstücke 2021:

  • Freitag, 21. Mai, 9.00-11.00 Uhr
  • Treffpunkt Business Frauen Center, bei Schönwetter im Goethepark

Schluss mit Halbwahrheiten!

„Wer achtlos das Virus weitergibt, gefährdet das Leben meiner Großeltern. Wer achtlos CO² freisetzt, gefährdet das Leben meiner Enkel.“

Hans Joachim Schellnhuber, Klimaforscher, März 2020

Wir haben nicht mehr viel Zeit. Zehn Jahre vielleicht, um tiefgreifende Schritte zu setzen. Mitte April hat sich die EU auf neue Klimaziele geeinigt, die eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 55% bis 2030 bringen sollen. Dabei hatte das EU-Parlament im Herbst von der Kommission noch eine Reduktion um 60% gefordert. Dementsprechend enttäuscht reagierten Klimaschutzorganisationen wie Fridays for Future auf den jetzigen Beschluss, zumal die faktische Reduktion aufgrund rechnerischer Tricks überhaupt nur 52,8% betrage. Das 1,5˚-Ziel des Weltklimarates[1] (IPCC, 2018) habe man damit de facto aufgegeben, so die Klimaschützer[2]. Doch selbst bei einer Begrenzung auf 1,5˚ würden viele Regionen der Welt praktisch unbewohnbar – nicht auszudenken, was uns erwartet, wenn wir dieses Ziel verfehlen!

In Österreich wird auch gerne verschwiegen, dass gerade wir an vorderster Front an der großen Selbstzerstörung mitarbeiten:  Unser kleiner Alpenstaat zählt zu den Top-20-Ländern mit dem größten ökologischen Fußabdruck. Den so genannten Country Overshoot Day[3]also jenen errechneten Termin, an dem unser Ressourcenverbrauch unsere Biokapazität überschreitet – haben wir in Österreich längst hinter uns: Seit 8. April, und damit einen Tag früher als im letzten Jahr, verbrauchen wir die Reserven künftiger Generationen. Würden alle Menschen unseren Lebensstil pflegen, bräuchten wir fast vier (!) Erden. Trotz mehrerer Corona-Lockdowns haben wir unseren Erdverbrauch weiter erfolgreich gesteigert.

Den eigenen ökologischen Fußabdruck berechnen:

Zum Weiterlesen:

Mit Gemüse und Digital Detox gegen die Klimakrise

Ist also alles hoffnungslos? Da antworte ich mit einem entschiedenen Nein! Noch haben wir Möglichkeiten, selbst proaktiv schädliche Verhaltensweisen zu ändern und hoffentlich noch das Schlimmste zu verhindern. Abzuwarten, bis uns schlechtere Lebensbedingungen zu Veränderungen zwingen, ist aus meiner Sicht keine Option. Jede*r kann auf bekannte Art aktiv werden: Müll vermeiden, regionale und saisonale Bio-Lebensmittel einkaufen, weniger mit dem Auto fahren, bewusst konsumieren und – ja, insgesamt einfach weniger verbrauchen. Von allem.

Es wird auch nötig werden, andere liebgewonnene Gewohnheiten zu ändern, wie zum Beispiel den übermäßigen Verzehr tierischer Produkte – und damit ist nicht nur Fleisch gemeint. Wussten Sie, dass die Produktion von Milchprodukten und Eiern das Klima ebenfalls massiv belasten? So nimmt die Futtermittelproduktion und die Haltung so genannter „Nutztiere“ rund 83% der Landwirtschaftsflächen weltweit in Anspruch. Beeindruckende 80% der (zum großen Teil auf zerstörten Regenwaldflächen) angebauten Sojabohnen werden verfüttert[4]. Zudem schädigen Tierprodukte durch Verdauungsgase (vor allem das hoch-klimaschädliche Methan) und das Ausbringen von Gülle die Atmosphäre zusätzlich. Öfter mal rein pflanzlich zu essen schont nicht nur das Klima, sondern vermindert auch Tierleid[5] und eröffnet neue kulinarische Perspektiven. Anregungen finden Sie z.B. auf https://www.vegan.at/kulinarik/rezepte.

Ein anderes Beispiel für vermeintliche Kleinigkeiten, die in Summe große Auswirkungen haben, ist unsere alltägliche Internetnutzung.  Unbegrenztes Entertainment und digitalen Workflow in Echtzeit gibt es nicht umsonst: Der CO²-Ausstoß der weltweit verteilten riesigen Serverfarmen ist mittlerweile so groß wie der des gesamten Flugverkehrs zu Vor-Corona-Zeiten. Eine einzelne Suchanfrage über Google setzt 0,2 g CO² frei[6]!

Video-Streaming via YouTube, Netflix, Facebook & Co. hat 2018 einen Ausstoß von 300 Mio. Tonnen CO²-Äquivalenten verursacht – so viel wie ganz Spanien in demselben Jahr[7]! Es macht also Sinn, Musik, Filme, E-Books etc. herunterzuladen, Vorschau-Videos auszuschalten, linearem TV den Vorzug zu geben – und öfters die Bildschirme einfach auszuschalten. Häufig verwendete Internetseiten können als Favoriten direkt angesteuert werden und beim Surfen bieten sich zumindest „grünere“ Suchmaschinen als Alternative an: Ecosia (https://www.ecosia.org/)  etwa kompensiert den CO²-Ausstoß mit der Pflanzung von Bäumen.

Tipps für einen nachhaltigeren Alltag:

Naturschützer*innen werden – vor der eigenen Haustüre

Wir beanspruchen immer mehr Platz für uns. Mit 13 ha am Tag ist Österreich Europameister in der Bodenversiegelung. Damit geht nicht nur wertvoller Ackerboden verloren, sondern auch Lebensraum.[8] Rund eine Million Arten weltweit sind derzeit unmittelbar vom Aussterben bedroht[9]. Da kommt – zumindest hierzulande – der Garten ins Spiel. Jede kleine Naturinsel kann für Biodiversität sorgen. Auch am Balkon oder am Fensterbrett.

Nimmt man den eigenen Garten nicht als verlängertes Wohnzimmer, sondern als einen Teil der Natur wahr, wird fast von selbst klar, was wir täglich zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen können: Gärtnern ohne tödliche Pestizide und Herbizide, mehr artenreiche Wiese und weniger wertloser Rasen, „unordentliche“ Ecken, in denen die Natur sich selbst überlassen ist, und in denen Nützlinge Unterschlupf finden. Vielfalt statt durchgestyltem Design. Wildtiere brauchen dringend „Natur-Brücken“ – auch, um zwischen Lebensräumen wechseln zu können.

Ist Ihr Garten eine Barriere oder eine gastfreundliche Naturinsel? Versuchen Sie, das eigene Stück Grün doch einmal aus der Perspektive eines Igels zu betrachten: Schaffe ich es mit meinen kurzen Beinen, über den Zaunsockel zu klettern? Gibt es Tagesverstecke für mich? Finde ich irgendwo köstliche Insekten oder kleine Nacktschnecken? Das Beste daran: Quasi als Familien-Bonus bringen Tiere und Pflanzen ein kostenloses Unterhaltungsprogramm in den Garten.

Inspiration:

Jede*r kann Aktivismus

Allem persönlichen Engagement zum Trotz: Ohne tiefgreifende Maßnahmen seitens der Politik und der Wirtschaft wird es nicht gehen. Das dürfen wir als Wähler*innen und Konsument*innen einfordern. Wir müssen unüberhörbar und unübersehbar werden! Das bedeutet nicht unbedingt, dass man Straßen blockieren oder sich an Bäume ketten muss. Jede*r von uns kann auch im Kleinen aktiv werden, indem wir etwa Petitionen oder Volksbegehren unterschreiben und über Social Media verbreiten. Wir können E-Mails an Unternehmen schreiben und undurchsichtige Lieferketten oder die Missachtung von Menschenrechten und Umweltstandards in der Produktion anprangern. Wir können für Tierrechte eintreten, indem wir entsprechende T-Shirts tragen. Oder wir machen als Familie bei Aktionen wie der Earth hour oder den Klimastreiks von Fridays for Future mit. Ich bin zutiefst überzeugt, dass es ganz entscheidend ist, unseren Kindern zu signalisieren, dass wir für ihre Zukunft kämpfen und das Problem nicht einfach ihnen überlassen wollen.

Mehr familientauglicher Aktivismus:

Fazit

„Unser Planet ist unser Zuhause, unser einziges Zuhause. Wo sollen wir denn hingehen, wenn wir ihn zerstören?“

Dalai Lama

Als Eltern haben wir eine großartige Möglichkeit, Einfluss auf die Zukunft zu nehmen: Wir dürfen die nächste Generation ins Leben begleiten und ihre Werte und Verhaltensweisen mitprägen. Es liegt also an uns, unseren Kindern Engagement und Optimismus zu vermitteln, damit sie den künftigen Herausforderungen gewachsen sind. Machen wir eine nachhaltige Lebensweise zum Familienprogramm und sehen wir sie als Bereicherung und nicht als Verzicht. Von Österreichs bekanntester Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb habe ich diesen Gedanken einmal etwa so gehört:  Vielleicht gelingt es uns, Klimaschutz einfach als Mittel zum Zweck zu sehen, um bessere Bedingungen für alle Lebewesen auf diesem Planeten zu verwirklichen.

Zur Person

Nach fast 25 Jahren als Redakteurin habe ich mitten im Corona-Jahr 2020 den ORF in Richtung Selbstständigkeit verlassen. Selbstbestimmt arbeiten, den eigenen Interessen folgen, dem Tun einen Sinn geben. Der Wunsch nach Freiheit war stärker als das Bedürfnis nach Sicherheit. Als Mediencoach, Kommunikationstrainerin und Werbesprecherin stelle ich nun meinen Erfahrungsschatz meinen Kund*innen zur Verfügung und unterstütze sie dabei, (oft ungeahnte) Potenziale zu nutzen und ihre eigenen Möglichkeiten zu erweitern.

Und ich finde es befreiend, Vielfalt endlich auch beruflich leben zu dürfen: Als Dreifach-Mama, ausgestattet mit einer großen Liebe zu allem, was lebt, will ich nicht mehr einfach resignierend zusehen. Ich arbeite an Bildungs- und Beratungskonzepten, die einen kleinen Beitrag zur notwendigen ökosozialen Transformation der Gesellschaft leisten sollen. Eine Ausbildung in psychosozialer Beratung und Supervision und die intensive Beschäftigung mit Nachhaltigkeitsthemen und Friedenspädagogik helfen mir beim Blick über den Tellerrand. Weil es jetzt wichtig ist, aktiv zu werden. Wann, wenn nicht wir*? (© extinction rebellion)


Quellenangaben:

[1] IPCC (2018): Special Report. Global warming on 1,5˚, https://www.ipcc.ch/sr15/ (abgerufen am 28.4.2021)

[2] Fridays for Future Österreich, https://fridaysforfuture.at/ (abgerufen am 27.4.2021)

[3] Global Footprint Network, https://www.footprintnetwork.org/ (abgerufen am 26.4.2021)

[4] Vegane Gesellschaft Österreich, https://www.vegan.at/ (abgerufen am 28.4.2021)

[5] Siehe auch: Initiative Ökoreich, https://www.oekoreich.com/

[6] Sühlmann-Faul, Felix & Rammler, Paul (2019): Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeitsdefizite der Digitalisierung auf ökologischer, ökonomischer, politischer und sozialer Ebene. Handlungsempfehlungen und Wege einer erhöhten Nachhaltigkeit durch Werkzeuge der Digitalisierung. https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Studie_Suehlmann-Faul_Rammler_180406_final_pdf_protected.pdf (abgerufen am 27.4.2021)

[7] The Shift Project (2019): Climate crisis: The unsustainable use of online vide. The practical case of online video. https://theshiftproject.org/wp-content/uploads/2019/07/Excutive-Summary_EN_The-unsustainable-use-of-online-video.pdf (abgerufen am 28.4.2021)

[8] Bodenbündnis Österreich, https://bodenbuendnis.or.at/ (abgerufen am 27.4.2021)

[9] Global 2000 (2021): Global 2000 zum Tag des Artenschutzes: der Artenschutz bedroht unsere Gesundheit. https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20210302_OTS0146/global-2000-zum-tag-des-artenschutzes-der-artenverlust-bedroht-unsere-gesundheit (abgerufen am 28.4.2021)