Werbung ist eine Hure!

Mein Beitrag setzt an, wo die Kommunikationswissenschaft endet. Mitten in der Praxis. Aus weit über drei Jahrzehnten Frontdienst im Kampf um bessere Werbung. Für alle, die viel Zeit mit Werbung verbringen. Für alle, die viel Geld in Werbung investieren. Besonders für diejenigen, die am Sinn dieser Investition immer wieder zweifeln. Alles drehte sich jahrelang in meiner Erwerbstätigkeit, egal ob im Inland oder Ausland, um diese Frage:

Wie verführe ich eine Primadonna?

Wie gewinne ich den verwöhnten Konsumenten? Verwöhnt durch immer mehr Chancen, sich Information gezielt zu beschaffen. Aber auch Chancen, Informationen gezielt zu entfliehen. Vom Zapping bis zum Webwasher, der das Internet von Bannern befreit. Wie gewinne ich jemanden, der mich durchschaut in meiner „hurenhaften Biegsamkeit“?

Es gibt eine Insel, deren Bewohner einen eigentümlichen Brauch haben. Bäume, die zu dick sind, um sie mit der Axt zu fällen, werden angebrüllt(!). Einen Monat lang, jeden Tag. Danach fallen sie. Man mag über diesen Brauch lachen, aber sind Werbeleute anders? Wird nicht ständig versucht, den Verbraucher anzuschreien, bis er nachgibt? In der Sorge, dass keiner mehr zuhört, wurden Werber immer lauter und lauter.

Dieses Geschrei und bedingungslose Geschwänzel um die Gunst des Auftraggebers hing mir schon vor meiner Selbständigkeit zum Halse heraus. Schon bald nach Gründung meiner Agentur wusste ich, dass ich ohne SINN in und durch meine Arbeit nicht glücklich werde. Diese Erkenntnis war manchmal schmerzhaft, da sich die einen oder anderen abwendeten, wenn sie meinen Visionen für eine „bessere Welt“ nichts abgewinnen konnten. Vor allem, wenn dies mit ihren beinah abartigen Vorstellungen von Profit und Wachstum nicht vereinbar war. Wer braucht schon ein Gemeinwohl, Artenvielfalt, Frieden und Gerechtigkeit (Siehe die 17 Sustainable Development Goals für eine nachhaltige Entwicklung https://sdgs.un.org/goals)

Schlussendlich fand ich meine Befriedigung in einer Spezialdisziplin der Kommunikation. Corporate Social Responsibility oder frei übersetzt: Erfolg mit Verantwortung durch zukunftsfähiges Wirtschaften – nicht und schon gar nicht zu Lasten von Menschen, Tieren und Umwelt. Wunderbar, wie schnell sich gleichfühlende Strateginnen, Texterinnen, Grafikerinnen, Fotografinnen, Web-Designerinnen und ein ProgrammierER und ein FilmER (gibt‘s auch J ) um mich scharten.

Durch die Pandemie mit dem bösen C-Wort wurden Unzulänglichkeiten schonungslos aufgedeckt und oberflächliche Erfolgsmodelle lösten sich in Luft auf. „Immer schneller, höher, weiter, billiger“. Das Ergebnis aus der Krise wird nicht sein, dass wir aus der Wachstumsspirale schlagartig ausbrechen können. Aber sie ermöglicht es uns über Alternativen nachzudenken und neu zu bewerten, was wir wirklich brauchen und was nicht. Lasst uns gemeinsam neue Wege einschlagen, regenerative Kulturen aufbauen, Ökosysteme wieder ins Gleichgewicht bringen, regionale Wirtschaftskreisläufe schließen und Rahmenbedingungen schaffen, die das Leben fördern, anstatt es zu boykottieren.

Das ist mein Angebot an mutige, empathische und wache Unternehmerinnen. Nachdenken, Verändern, Verbessern und mit tiefgreifender, SINNhaften Kommunikation begleiten. Ehrlich, ungeschminkt und leise.

 

Ursula Mayer

mp.creations, Werbe- und CSR Agentur

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar