Gerade jetzt im Sommer lese ich immer wieder die Aufrufe vom Roten Kreuz, dass dringend Blutspender*innen gesucht werden. Wann haben Sie das letzte Mal Blut gespendet?

Zufällig zum Lebensretter

Bei mir ist das schon sehr lange her, ich bin dafür nicht sonderlich geeignet. Anders erging es mir mit dem Stammzellspenden. Kennen Sie das? Ich habe im März vor zwei Jahren zufällig in den sozialen Medien einen Aufruf für einen kleinen Buben namens Elias gelesen – „Stammzellen spenden und Leben retten – Du bist meine Chance auf Leben!“ Nachdem wir kurz davor in unserer Familie einen Elias begrüßen durften, klickte ich auf die Anzeige – und zack, das war der erste sehr einfache Schritt, um Lebensretterin zu werden. Zunächst bestellte ich mir ein „Typisierungsset“ – das ist nichts anderes als ein Wattestäbchen, mit dem man sich zweimal durch den Mund fährt. Dieses wird dann eingesendet. Im Anschluss erfolgt die Typisierung. Aus dem Wattestäbchen werden sechs HLA-Merkmale bestimmt. Das sind kleine Teilbereiche der menschlichen DNA, die darüber entscheiden, ob Menschen als Lebensretter*innen zueinander passen. Millionen Menschen sind also potenzielle Lebensretter*innen, ohne es je zu wissen. Ich habe dies beim Verein Geben für Leben gemacht, der von drei Frauen aufgrund eines Anlassfalls in der Familie 1999 gegründet worden war, um Stammzellspender*innen zu finden. Stammzellspenden sind das letzte Mittel im Kampf gegen Leukämie, seltene Blutkrankheiten und Gendefekte. Wenn Chemotherapien und Bestrahlungen nicht helfen, wird ein/e Spender*in gesucht, um das kranke Immunsystem mit gesunden Stammzellen neu aufzubauen. Ehrlich gesagt habe ich mich vor dieser Anzeige gar nicht mit den Themen Leukämie oder Stammzellspende beschäftigt. Und ich denke damit bin ich nicht alleine – oder hätten Sie gewusst, dass in Österreich nur 2 % aller Menschen typisiert (d. h. ihre Merkmale sind in einer Datenbank erfasst und auf diese Daten kann von behandelnden Ärzt*innen zugegriffen werden) sind? Eben, ich auch nicht. Dabei erkranken täglich Menschen an Leukämie, Frauen wie wir, die plötzlich aus der Bahn geworfen werden – eiskalt, ohne Vorahnung. Aber das weiß ich alles erst, seit ich mich mit den Themen mehr beschäftigt habe.

Unverhofft kommt oft

Damals habe ich mir nach meiner Typisierung nichts weitergedacht, mein Mann ist schon seit Jahren typisiert und nichts ist passiert. Das war Mitte März 2022 und ich hätte mir niemals gedacht, dass ich fünf Monate später im August 2022 Stammzellen spenden werde – unverhofft kommt oft! Im Mai bekam ich den ersten Anruf, dass ich möglicherweise als Stammzellspenderin geeignet sei. Ich war total überrascht, denn die Chance dafür ist äußerst gering: 1:500 000. Aber ich hatte das Glück, zur richtigen Zeit meine Typisierung gemacht zu haben, denn in Deutschland, wie ich später erfahren durfte, kämpfte eine Frau, die zwei Jahre älter ist als ich, um ihr Leben. Daher ging alles sehr schnell – Bluttests, eine Gesundenuntersuchung und ein Infotag mit anderen Stammzellspender*innen. Ich hatte die genaueste Blutuntersuchung meines Lebens, alle Erkrankungen, die ich je hatte, wurden in meinem Blut nachgewiesen. Das ist natürlich wichtig für die Patientin und zeitgleich war es sehr informativ für mich. Diese Zeit hatte es aber auch in sich: Zuerst das Warten nach der Blutabnahme, ob sich das Ergebnis bestätigt, danach die Voruntersuchung und Aufklärung in der bayerischen Stammzellbank in Gauting. Das Team vor Ort war sehr herzlich. Als Spenderin wurde ich auf Händen durch den Prozess getragen. Im August dann, fünf Tage vor der Spende, begann ich mit der Mobilisierung der körpereigenen Stammzellproduktion, indem ich mir ein Medikament subkutan in den Bauch spritzte. Das war für mich kein großer Auftrag. Schwieriger erwies es sich, meine privaten Termine zu ändern.

Meine Stammzellspende während der Pandemie

Sie erinnern sich vielleicht noch, da gab es 2022 Covid-19 … Und für mich hieß es: Gesund bleiben, nur nicht angesteckt werden. Gar nicht so einfach, wenn man auf eine Hochzeit eingeladen ist, Konzertkarten für Wanda hat und ein Polterwochenende in Wien ansteht. Leider liefen zeitgleich die Corona-Beschränkungen mit Ende Juli aus, was das Risiko auf eine Infektion erhöhte. Also wurde das Poltern gecancelt und meine Konzertkarte schweren Herzens verkauft. Als Spenderin war ich mir meiner Verantwortung gegenüber der Patientin bewusst, daher habe ich mich an alle Verhaltensempfehlungen von Geben für Leben gehalten. Und offen gesagt: Wenn durch die Einschränkung der sozialen Kontakte möglicherweise ein Leben gerettet werden kann, fällt der Verzicht auf ein paar Events recht leicht. Die Stammzellspende selbst war sehr unaufgeregt – ich lag in einem Krankenbett, schaute mir den Film Australia an und währenddessen lief aus meinem linken Arm das Blut – ähnlich wie bei der Dialyse – raus. Meine Stammzellen wurden in Folge separiert, und auf der rechten Seite floss das Blut ohne die Stammzellen wieder in mich hinein.

Einfache Spende, große Wirkung

Keine Narkose, keine Operation, gar nichts – wie gesagt, sehr unspektakulär. Und doch stiegen nach meiner Spende die Überlebenschancen der Patientin, für die ich gespendet habe, rapide. Und das war es auch – keine Nachbehandlung, keine Nachwirkungen – ich kann es allen zwischen 17 und 45 wirklich empfehlen, sich typisieren zu lassen. Nächster Monat erfahre ich, wie es der Patientin geht – nach zwei Jahren könnten wir einander kennenlernen, so es beide wollen und es der Empfängerin gut geht. Und natürlich bin ich gespannt auf meine „Blutsschwester“ – die Patientin erhielt alle meine Blutmerkmale, d. h. auch meine Blutgruppe. Ich bin gespannt, nervös und aufgeregt, was im August geschehen wird …

Und so können Sie helfen:
  1. Typisieren lassen (entweder online ein Typisierungsset direkt nach Hause bestellen oder zu einer Typisierungsaktion in Ihrer Nähe kommen. Weitere Informationen:  www.gebenfuerleben.at )
  • Sie können auch eine „Lebensretterbox“ direkt in Ihrer Firma für Mitarbeitende und Kund:innen aufstellen. Für nähere Informationen kontaktieren Sie gerne Julia:  j.neugebauer@gebenfuerleben.at
  • Jede Typisierung kostet den Verein € 40 und muss zu 100 % durch Geldspenden finanziert werden. Wenn Sie den Verein „Geben für Leben – Leukämiehilfe Österreich“ mit einer Geldspende unterstützen möchten, können Sie diese von der Steuer absetzen. Sparkasse Bludenz Bank AG, IBAN: AT39 2060 7001 0006 4898, BIC: SSBLAT21XXX

Es braucht also nicht viel, um einem schwerkranken Menschen Hoffnung auf (Über)Leben zu schenken – Lasst uns gemeinsam helfen! #womenforasustainablefuture

Über die Autorin

Kerstin Hoi, ist seit 2020 Geschäftsführerin von Camphill Liebenfels, einer Einrichtung in der ca. 50 Menschen mit Behinderungen leben. Sie hat jahrelang im HR gearbeitet und 15 Jahre in Wien gelebt, bevor sie nach Klagenfurt gezogen ist. Sie unterrichtet seit 2018 nebenberuflich an der FH Kärnten und ist im Stadtweingarten in Klagenfurt als Stadtwinzerin tätig. Kerstin engagiert sich für Natur-, Umwelt- und Tierschutz und hat zwei aus Griechenland gerettete Hunde sowie einen Kater aus dem TiKo. Seit kurzem ist sie als BFC Vorständin für das Thema Nachhaltigkeit zuständig, was ihr als leidenschaftliche Netzwerkerin viel Freude bereitet.