Marion Fercher

Frauen und Kinder im Krieg und auf der Flucht

Der Krieg in der Ukraine geht uns allen nahe. Wer in den letzten Tagen in der Nähe der Caritas Zentrale war, hat die langen Schlangen und den enormen Andrang vor unseren Türen gesehen. Der Krieg ist in Form vieler geflüchteter Menschen auch bei uns angekommen. Die Caritas hilft! Hier und auch vor Ort. Auf beides wollen wir in diesem Beitrag schauen.

Die Not der Frauen und Kinder im Krieg

Die Kriegsführung konzentriert sich auf die Städte und es gibt viele zivile Opfer, darunter auch Frauen und Kinder. Frauen übernehmen im Krieg unterschiedliche Rollen: auch Frauen kämpfen aktiv im Krieg und übernehmen sekundäre Aufgaben zur Versorgung der Soldaten. Somit greifen Frauen aktiv in den Krieg ein und verteidigen ihr Land auf Augenhöhe mit den Männern. Frauen übernehmen oft auch eine wichtige Rolle in der Friedensvermittlung, in dem sie Plattformen bilden und frühzeitig zum Dialog aufrufen und friedensstiftende Handlungen setzen. Frauen bringen ihre Kinder in U-Bahn-Stationen zur Welt. In den nächsten Monaten werden Tausende Kinder im Krieg geboren, teilweise unter vollkommen unzureichender medizinischer Versorgung. Nachdem medizinsiche Güter und insbesondere Bedarfe von Säuglingen und Kleinkindern knapp werden, ist das Leben Neugeborener im Krieg besonders bedroht. Frauen sind eine besonders vulnerable Gruppe, Menschenhändler versuchen alleinstehende Frauen und junge Mädchen auf der Flucht  anzusprechen und für ihre Zwecke zu missbrauchen. Humanitäre Korridore, überwacht und begleitet, können hier Abhilfe schaffen. Im Kriegskontext sind Frauen und Mädchen generell vermehrt sexualisierter Gewalt ausgesetzt.

Hilfe für Betroffene im Mittelpunkt

Mit Blick auf Menschenhandel müssen neuralgische Punkte auf Fluchtrouten gut überwacht werden. Gerade Bahnhöfe, größere Grenzübergänge und Flüchtlingslager sind prädestiniert für Menschenhändler, weil die erschöpften und traumatisierten Menschen hier zu leichter Beute werden können und für jedes (vermeintliche) Hilfsangebot dankbar sind. In Aufnahmeländern angekommen, braucht es für Frauen und Kinder flächendeckende Schutzräume. Private Mitfahrgelegenheiten und Wohnmöglichkeiten sind im Sinne des zivilgesellschaftlichen Engagements zu begrüßen, aber hinsichtlich der möglichen Risiken auch kritisch zu hinterfragen.

Den in der Ukraine verbliebenen Frauen und Kindern muss insbesondere in den umkämpften Regionen weiterhin nach Kräften geholfen werden. Ausgehend von nationalstaatlichen Unterstützungen, über die Hilfeleistungen von größeren NGOs wie beispielsweise der Caritas (übrigens die größte Nothilfe-NGO in der Ukraine), bis hin zu privaten Initiativen – viele Menschen sind jetzt darum bemüht, Hilfsgüter in die Ukraine zu schaffen, eben um die Versorgung mit Lebensmitteln, Bekleidung, Hygieneartikeln und medizinischen Gütern sicher zu stellen.

Jene Menschen, die einmal bei uns angekommen, in Frieden leben können, brauchen natürlich auch vielfältige Unterstützung: zunächst besteht einmal die Notwendigkeit einer Unterkunft, wo man Privatheit und Zurückgezogenheit in Schutz ausleben kann. Zusätzlich muss der Lebensunterhalt gesichert sein. Hier erleben wir in Österreich gerade eine Welle der Hilfsbereitschaft, viele Private Quartiere zur Verfügung stellen und beispielsweise auch Gutscheine für Lebensmittel spenden. Diejenigen, die sich mittelfristig nicht selbst erhalten werden können, wird ein sogenanntes Grundversorgungsquartier des Landes zur Verfügung gestellt. Auch die Caritas betreibt im Auftrag des Landes solche Quartiere.

Wenn Menschen mit dem Wichtigsten versorgt sind, stellt sich die Frage nach der Integration: wo bekommt mein Kind einen Kindergartenplatz und erlernt hoffentlich rasch die deutsche Sprache? Wo bekomme ich einen Sprachkurs für mich selbst? Besteht in Österreich Schulpflicht und bekommen meine Kinder einen Schulplatz? Ich habe (noch) keine Arbeit, wie finanziere ich die Dinge, die meine Kinder in der Schule brauchen werden? Gibt es Möglichkeiten der Nachhilfe, wenn sie Schwierigkeiten haben? Darf ich eigentlich einfach so arbeiten gehen, benötige ich eine Arbeitsbewilligung und ist meine Ausbildung in Österreich überhaupt anerkannt? Aus all diesen Fragen und den vielen, vielen mehr, die wir immer wieder von geflüchteten Menschen vernehmen, ergeben sich schon in Ansätzen die vielen Aufgaben der Integration. Wenn es uns als Gesellschaft gelingt, die Angebote gut zu setzen, dann ist den Betroffenen am besten geholfen. Bei Kriegsvertriebenen ist zusätzlich die psychische Belastung hoch und daher sind gerade hier psychosoziale Beratungsangebote notwendig. Aufgrund der Sprachbarriere braucht es qualifizierte Dolmetscher*innen.

Die Caritas hilft

Die Caritas unterstützt vor Ort in der Ukraine, in den Nachbarländern Polen, Rumänien, Ungarn, Slowakei und Moldawien

Die Aufgaben der Caritas in Kärnten sind vielfältig – bisher erfolgt sind:

  • Schaffung von Wohnraum
  • Basisversorgung mit Lebensmitteln, Bekleidung und Hygieneartikeln
  • Sachspendenverteilung
  • Infohotline für Unterstützer*innen und Hilfesuchende
  • Sozial- und Integrationsberatung

In Planung sind weitere notwendige Integrationsangebote:

  • Lernbetreuung von Kindern und Jugendlichen
  • Psychosoziale Beratungsangebote
  • Wohnunterstützung (Beratung, Vermittlung)
  • Integrationsbegleiter*innen

Um die Caritas in ihren Bemühungen weiterhin zu unterstützen, sind Geldspenden das beste Mittel, weil diese abhängig von den situativen Bedingungen sehr zielführend eingesetzt werden können. Aber auch gezielte Sachspenden – etwa über den wirhelfen.shop der Caritas sind jederzeit willkommen, ebenso Zeitspenden, die über die Plattform „füreinand“ eingemeldet werden können.

Gemeinsam können wir viel bewegen. Bitte helfen Sie uns zu helfen! Jeder Beitrag zählt.

Zur Autorin

Marion Fercher

Mag.a Marion Fercher ist seit 2014 kaufmännische Geschäftsführerin der Caritas Kärnten. Die studierte Betriebswirtin und Absolventin des Höheren Lateinamerika Lehrgangs wollte schon immer für Menschen arbeiten und war davor in vielen Ländern des Südens in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. Seit 2011 ist die gebürtige Kärntnerin wieder zurück in Kärnten und setzt sich hier und im Ausland für Menschen in Not ein.